Ifo Institut warnt vor Sondersteuer auf KI-Umsätze in Deutschland
Die Debatte über die Finanzierung von Umschulung und Weiterbildung durch eine Abgabe auf Künstliche Intelligenz gewinnt in Deutschland an Gewicht. Ifo-Präsident Clemens Fuest hält eine solche Sondersteuer jedoch für wirtschaftlich riskant, weil sie den KI-Einsatz bremsen und den Standort im Wettbewerb mit den U.S. und China schwächen würde.
Das Wichtigste
- Ifo Institut lehnt den Vorschlag von Digitalminister Karsten Wildberger für eine Sondersteuer auf KI-Umsätze ab, da dies technologische Rückstände verstärken könnte.
- Ifo-Präsident Clemens Fuest warnt, eine deutsche Sondersteuer auf KI könnte internationale Handelskonflikte auslösen und Investitionen in Rechenzentren weiter dämpfen.
- Empirisch gibt es laut ifo aktuell keine Belege für einen breiten Lohnverfall durch KI; stattdessen wird zu einer Beschleunigung der KI-Nutzung geraten.
Kritik an Steuerplänen für KI-Umsätze
Wie das ifo Institut in einer Pressemitteilung mitteilte, weist Fuest den Vorschlag von Digitalminister Karsten Wildberger zurück, mit einer Sondersteuer auf KI-Umsätze Mittel für Umschulung und Weiterbildung zu finanzieren. Aus seiner Sicht wäre eine solche Abgabe derzeit der falsche Weg, weil sie die Nutzung von KI in Deutschland hemmen und den technologischen Rückstand gegenüber den U.S. und China vergrößern würde.Fuest argumentiert zudem, dass sich KI steuerlich nur schwer abgrenzen lasse, da die Technologie inzwischen in vielen Bereichen der Wirtschaft eingesetzt werde. Die durch KI entstehende Wertschöpfung werde bereits heute erfasst, soweit sie sich in höheren Unternehmensgewinnen oder Umsätzen niederschlage. Eine zusätzliche Sondersteuer könnte nach seiner Einschätzung auch Investitionen in Rechenzentren weiter dämpfen.
Risiken für Investitionen und Handel
Nach Darstellung des ifo-Präsidenten werden Erträge im internationalen Steuerrecht üblicherweise dort besteuert, wo sie erwirtschaftet werden. Eine deutsche Sondersteuer, die dem Staat Einnahmen aus Erträgen von U.S.-KI-Unternehmen verschaffen soll, würde aus seiner Sicht mit diesem Prinzip kollidieren und könnte Gegenreaktionen bis hin zu Strafzöllen auslösen.Auch die Sorge vor generell sinkenden Löhnen durch KI sieht Fuest bislang nicht durch empirische Fakten gedeckt. Zwar könnten junge Menschen in Berufen, die sich durch KI besonders stark verändern, gegenüber erfahrenen Bewerbern im Nachteil sein; einen breiten Verfall der Arbeitseinkommen daraus abzuleiten, hält er jedoch für voreilig.
Statt neuer Sonderabgaben sollte sich Deutschland nach Ansicht von Fuest darauf konzentrieren, die Nutzung von KI zu beschleunigen und damit wieder mehr Wirtschaftswachstum zu erreichen. Sollte KI künftig tatsächlich zu einer Verschiebung von Arbeits- zu Gewinneinkommen führen, könne das Steuersystem später immer noch angepasst werden.
In unserem früheren Artikel über die Finanzierung und den Ausbau von KI-Rechenzentren in den USA haben wir gezeigt, dass viele Projekte durch steigende Kosten, Bauverzögerungen und Stromengpässe unter Druck geraten. Zudem wurde beschrieben, wie schwierigeres Funding und wachsende Skepsis der Investoren den schnellen Kapazitätsaufbau bremsen und die wirtschaftliche Tragfähigkeit großer Vorhaben zum zentralen Risiko machen.
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