Oksana Koneva

EZB beobachtet KI-Finanzierung wegen Risiken für Anleihemärkte und Finanzstabilität

EZB beobachtet KI-Finanzierung wegen Risiken für Anleihemärkte und Finanzstabilität
KI-Risiken für Anleihemärkte

Mit den steigenden Investitionen in Künstliche Intelligenz rückt die Finanzierung des Sektors stärker in den Fokus der Geldpolitik und der Finanzaufsicht im Euroraum. Die Europäische Zentralbank sieht bislang keine nennenswerten Auswirkungen von Anleiheemissionen großer Technologiekonzerne auf die Refinanzierungskosten von EU-Staaten, warnt aber vor wachsenden Unsicherheiten in den kommenden Jahren.

Das Wichtigste

  • Die EZB beobachtet KI-bezogene Anleiheemissionen großer Technologiekonzerne, sieht aktuell jedoch keine spürbaren Auswirkungen auf EU-Staatsanleiherenditen.
  • KI-bezogene Unternehmensanleihen befinden sich im Frühstadium und dürften laut EZB in den kommenden Jahren stark zunehmen, was potenzielle Marktfolgen offenlässt.
  • Die EZB warnt vor erhöhten Bewertungen, wachsender externer Verschuldung und steigender Rolle privater Märkte bei KI-Finanzierung als Risiko für Finanzstabilität im Euroraum.

Beobachtung von Anleiheemissionen und Marktfolgen

Wie aus einem Schreiben von Europäische Zentralbank-Präsidentin Christine Lagarde an die Europaabgeordneten Eero Heinäluoma und Jonás Fernández hervorgeht, verfolgt die Europäische Zentralbank die Entwicklung der KI-bezogenen Finanzierung genau. Im Mittelpunkt stehen mögliche Folgen für die geldpolitische Transmission und die Finanzstabilität, da der Kapitalbedarf großer Technologiefirmen steigt und zugleich die staatliche Kreditaufnahme weltweit hoch bleibt.

Nach Einschätzung der EZB gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass euro-denominierte Anleiheemissionen von als Hyperscalern bekannten Technologiekonzernen die Marktrenditen von Staatsanleihen in der EU spürbar nach oben treiben. Die umfangreichen Emissionen haben zwar die Finanzierungskosten dieser Unternehmen sowohl im U.S.-Dollar- als auch im Euro-Markt erhöht, auf Zeitpunkt und Preis ähnlicher Unternehmensanleihen hätten sie bisher aber nur geringe und vorübergehende Effekte gehabt.

Investoren im Euroraum haben das zusätzliche Emissionsvolumen nach Darstellung der EZB bislang problemlos aufgenommen. Gleichzeitig seien auch ihre Bestände an Staatsanleihen zuletzt gestiegen, was nach Ansicht der Notenbank auf die größere Reife und Diversifizierung des Euro-Unternehmensanleihemarkts hindeutet. Die Präsenz der Hyperscaler könne diesen Markt zudem stärken, indem sie neue Anlagemöglichkeiten schafft und eine breitere Investorenbasis anzieht.

Wachsende Risiken durch Schulden, Bewertungen und private Märkte

Die EZB betont zugleich, dass sich KI-bezogene Emissionen noch in einem frühen Stadium befinden und in den kommenden Jahren deutlich zunehmen dürften, auch weil mehr Unternehmen außerhalb der Hyperscaler-Gruppe Kapital aufnehmen werden. Wie sich dieses zusätzliche Angebot auf den Markt für Euro-Anleihen und auf das Zinsniveau auswirkt, bleibe offen und müsse eng beobachtet werden.

Als besten Schutz gegen mögliche Spillover-Effekte auf die staatlichen Finanzierungskosten nennt die EZB solide öffentliche Finanzen, glaubwürdige mittelfristige Fiskalstrategien und ausreichende fiskalische Puffer in den EU-Mitgliedstaaten. Ergänzend dazu könne die EU durch besser funktionierende Kapitalmärkte, weniger Hürden für grenzüberschreitende Investitionen und einen weiteren Ausbau der Spar- und Investitionsunion die Finanzierungsmöglichkeiten für Staaten und Unternehmen verbessern.

Mit Sorge blickt die Notenbank auch auf die Struktur der KI-Finanzierung selbst. Unternehmen in der KI-Lieferkette haben ihre Investitionen in den vergangenen Jahren stark erhöht und sind zunehmend auf externe Finanzierung angewiesen. Neben klassischer Verschuldung gewinnen dabei auch schuldenähnliche außerbilanzielle Verpflichtungen für künftige Leasing- oder Kaufzusagen von KI-Infrastruktur an Bedeutung, während verflochtene Eigentümerstrukturen und wechselseitige Zusagen die Finanzierung komplexer machen.

Hinzu kommt die wachsende Rolle privater Märkte. Private Equity und Private Credit spielen der EZB zufolge eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Innovationen rund um große Sprachmodelle und entwickeln sich zunehmend zu einer bedeutenden Quelle der Fremdfinanzierung für KI-Infrastruktur.

Auch die Bewertungen an den Aktienmärkten betrachtet die EZB aufmerksam, da sie immer stärker von ehrgeizigen Gewinnerwartungen an KI-Unternehmen getragen werden. Sollten künftige Erlöse hinter den Erwartungen zurückbleiben, etwa durch Preisdruck von günstigeren Open-Source-Modellen oder durch Engpässe bei Energie, Chips oder Stromnetzen, könnten Aktienbewertungen und die Tragfähigkeit steigender KI-Schulden unter Druck geraten. In einem negativen Szenario wären sinkende Aktienkurse und Marktansteckung laut EZB wahrscheinlich die wichtigsten Kanäle für finanzielle Spillover in den Euroraum, da die direkte Exponierung von Akteuren im Euroraum gegenüber KI-bezogenen Schuldtiteln derzeit noch begrenzt ist.

Unsere frühere Analyse zu Finanzierungsrisiken beim Ausbau von KI-Rechenzentren in den USA zeigte, dass steigende Baukosten, Verzögerungen und Stromengpässe die Umsetzung vieler Großprojekte bremsen. Zudem wurde beschrieben, wie teure Kapitalbeschaffung und wachsende Investoren-Skepsis – sichtbar etwa an Kursrückgängen und verschobenen Börsengängen – den Druck auf Entwickler und Infrastruktur-Anbieter erhöhen.

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