Der Tweet wurde vom Autor gelöscht.
Aber wir haben alles gespeichert 🙂.
Wenn die Welt von einem weiteren geopolitischen Schock erschüttert wird, flüchten die Anleger instinktiv in "sichere Häfen" wie Gold. Aber die alten Regeln gelten nicht immer. Wir haben sieben aktuelle Krisen analysiert - von der Pandemie bis zu den militärischen Konflikten des Jahres 2026 - um herauszufinden, welcher Vermögenswert sich als am widerstandsfähigsten erweist.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Doch die eigentliche Prüfung für die ganze Welt begann im Frühjahr, als die WHO am 11. März offiziell die COVID-19-Pandemie ausrief. Dieser Schock erwies sich als weitaus schwerwiegender als der vorherige: Der S&P 500 stürzte in den Bärenmarkt, während Bitcoin an einem einzigen Tag um 25 % einbrach. Auf dem Höhepunkt der anfänglichen Panik verhielt sich die Kryptowährung wie ein klassischer risikoreicher Vermögenswert, den die Anleger zuerst gegen Bargeld eintauschen, und zeigte weniger Widerstandsfähigkeit als Öl und Aktien.
Durch das Eingreifen der Zentralbanken änderte sich die Situation dramatisch. Massive Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen löschten das Feuer mit billigerem Geld und lösten eine rasche Erholung der Vermögenspreise aus. Nur zwei Monate nach Ausrufung der Pandemie hatte Bitcoin nicht nur seine Verluste vollständig wettgemacht, sondern auch einen Zuwachs von 21 % verzeichnet und damit Gold (+3 %) und den S&P 500 (+2 %) deutlich übertroffen. Diese Episode verdeutlichte ein wichtiges Muster: Mitten in einem Crash fallen Kryptowährungen stärker, aber dank der Stimulierung erholen sie sich tendenziell viel aggressiver als traditionelle Instrumente.
Der US-Aktienmarkt erwies sich in dieser Zeit als relativ widerstandsfähig. Ja, der S&P 500 fiel am Vorabend des Krieges und in den ersten Tagen stark, aber die Anleger kamen recht schnell zu dem Schluss, dass der Konflikt zwar auf humanitärer Ebene entsetzlich war, aber die US-Wirtschaft nicht direkt zerstörte. Zwei Monate nach Kriegsbeginn lag der Index sogar leicht über seinem Stand von Ende Februar, nämlich um etwa 3 %. Eine viel größere Herausforderung für Aktien war nicht der Krieg selbst, sondern seine Nebenwirkung - steigende Energiepreise und zunehmender Inflationsdruck. Es war die Angst vor einer aggressiven US-Notenbank, die den S&P 500 bis Ende 2022 um rund 20 % nach unten drückte. Einfach ausgedrückt: Die Märkte verlegten sich von der Angst vor einem Krieg auf die Angst vor einer durch teures Öl und Gas verursachten Rezession.
Und was ist mit Bitcoin? Im Februar 2022 erwarteten viele, dass die Kryptowährung als "digitales Gold" für Russen oder Ukrainer glänzen würde. In den ersten Wochen ähnelte der BTC jedoch weitgehend den Tech-Aktien: Sein Kurs fiel während der anfänglichen Panik. Später jedoch, als die akute Gefahr eines globalen Krieges nachließ, drehte der Bitcoin nach oben. Erstens profitierte er von der allgemeinen Erholung der Risikoanlagen im März. Zweitens kamen Spekulationen auf, dass Russland und sanktionierte Personen Kryptowährungen zur Umgehung von Beschränkungen verwenden könnten, was die Nachfrageerwartungen erhöhte. Infolgedessen legte Bitcoin in den 60 Tagen nach dem 24. Februar um rund 15 % zu, verglichen mit einem bescheidenen Anstieg des S&P 500. Dies war ein weiterer Hinweis für Händler, dass BTC seine eigene Dynamik hat: Zunächst gerät er zusammen mit allem anderen in Panik, aber unter günstigen Bedingungen kann er sich schneller erholen. Gold spielte, wie in anderen Kriegen auch, die Rolle einer schnellen, aber nicht dauerhaften Absicherung: auf einen starken Anstieg folgte ein allmählicher Rückgang, sobald sich die Aufmerksamkeit des Marktes wieder auf die Makroökonomie richtete.
Doch im Sommer 2024 ergab sich ein ganz anderes Szenario. Als die Bank of Japan die Zinssätze anhob, begannen die Anleger, ihre Strategien, die auf billigen Yen-Finanzierungen basierten, die zuvor in großem Umfang für den Kauf von Aktien in anderen Ländern aufgenommen worden waren, rasch wieder aufzugeben. Dies löste einen wahren "Tsunami" aus: Am 5. August erlebte der japanische Markt den schlimmsten Absturz seit vier Jahrzehnten und zog die amerikanischen und europäischen Aktien mit sich.
In dieser Situation brach Bitcoin zwar nicht zusammen, wurde aber auch nicht zu einem sicheren Hafen und verzeichnete in zwei Monaten nur einen bescheidenen Anstieg von 3 %. Gold hingegen festigte mit einem Anstieg von 9 % seinen Status als führender defensiver Vermögenswert. Wenn dem Markt die Liquidität entzogen wird und die Kreditaufnahme schwieriger wird, verlieren spekulative Vermögenswerte in der Regel an Attraktivität. Gold hingegen profitiert von der allgemeinen Angst und der institutionellen Nachfrage nach bewährtem Schutz. Diese Episode hat uns daran erinnert, dass das Kapital immer noch Gold bevorzugt, wenn die Liquidität des Systems knapp wird.
Vor diesem Hintergrund erwies sich Gold als klarer Spitzenreiter. Da Zollschranken unweigerlich die Inflation beschleunigen, erreichte das Edelmetall neue Allzeithochs und stieg auf über $ 3.000 pro Unze. Die Logik für die Anleger war einfach: Gold schützt vor der Erosion des Geldwerts und profitiert tendenziell davon, wenn die Zentralbanken gezwungen sind, die Zinsen zu senken, um eine unter der Last der Handelsbeschränkungen nachlassende Wirtschaft zu stützen.
In den ersten Tagen nach der Ankündigung der Zölle verhielt sich Bitcoin wie ein typischer Risikowert, der zusammen mit Technologieaktien etwas nachgab. Doch später änderte sich das Bild. Der Druck auf den Status des Dollars und die zunehmende globale finanzielle Fragmentierung veranlassten das Kapital, nach "neutralen" Anlagen zu suchen. Als klar wurde, dass die neuen Zölle die Dominanz der US-Währung im internationalen Zahlungsverkehr untergraben könnten, stieg das Interesse an Bitcoin als unpolitischem Instrument. Infolgedessen übertraf die Kryptowährung innerhalb weniger Monate nach Einführung der Handelsbeschränkungen erneut sowohl Gold als auch den breiteren Aktienmarkt.
Innerhalb von fast einem Monat seit Beginn der Eskalation verlor der S&P 500 mehr als 4 %, was auf geopolitische Ängste und teure Energie zurückzuführen ist. Bitcoin hingegen verzeichnete einen moderaten Zuwachs von rund 4 %, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass der Bitcoin rund um die Uhr gehandelt wird: Die Händler konnten selbst an Wochenenden und Feiertagen, wenn die traditionellen Börsen geschlossen waren, schnell auf wechselnde Schlagzeilen reagieren.
Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende, so dass es noch zu früh ist, endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen. Eines ist jedoch schon jetzt erkennbar: Gold bleibt nicht immer während einer ganzen Krise auf hohem Niveau, während sich Bitcoin trotz seiner Volatilität zunehmend wie ein Indikator für die Erwartungen des Marktes hinsichtlich des Ausmaßes und der Dauer von Schocks verhält.
Zweitens sind die klassischen sicheren Häfen nicht universell. Gold tendiert dazu, in der ersten Welle des Chaos sofort zu steigen, aber seine Rallye lässt oft nach, sobald monetäre Faktoren ins Spiel kommen. Sowohl 2022 als auch 2026 hat Gold seine "Kriegsprämie" verloren, sobald die Zentralbanken einen harten Kampf gegen die Inflation signalisierten. In systemischen Bankenkrisen hält sich das Metall jedoch tendenziell besser, da es direkt vom sinkenden Vertrauen in Finanzinstitute profitiert.
Drittens hat sich Bitcoin einen festen Platz im Instrumentarium zur Krisenbewältigung gesichert - allerdings mit einem wichtigen Vorbehalt. Inmitten eines akuten Ausverkaufs fallen Kryptowährungen zusammen mit Aktien, weil die Anleger Bargeld wollen und die volatilsten Vermögenswerte zuerst abstoßen. Wenn jedoch ein Schock zu Gelddrucken, Zinssenkungen oder einer Schwächung des Vertrauens in traditionelle Währungen führt, wird Bitcoin in der Erholungsphase führend. Die Statistiken zeigen, dass BTC in den zwei Monaten nach den meisten Krisen höhere Renditen erzielte als Gold oder der S&P 500.
Die wichtigste Lehre ist also einfach: Die Märkte bewerten nicht nur das Risiko selbst, sondern auch, wie die Behörden darauf reagieren. Aktien hielten sich im Jahr 2020 aufgrund von Konjunkturmaßnahmen, während Bitcoin im Jahr 2023 aufgrund von Stress im Bankensektor in die Höhe schoss. Es gibt keinen allgemeingültigen Schutz, weshalb die beste Strategie nach wie vor ein kühler Kopf und Diversifizierung ist. Gold, Bitcoin und Aktien spielen je nach der "Temperatur" des Sturms eine unterschiedliche Rolle. Die Aufgabe des Anlegers besteht nicht darin, nach jeder Schlagzeile von einem Vermögenswert zum anderen zu springen, sondern die Natur der aktuellen Krise zu verstehen und ein ausgewogenes Portfolio zu halten.