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Südkoreas Aktienmarkt erlitt einen der schärfsten Ausverkäufe des Jahres: Der Kospi-Index brach um fast 9 % ein, was die Börse zwang, den Handel vorübergehend auszusetzen. Die Technologiegiganten Samsung Electronics und SK Hynix, die den Markt zuletzt auf der Welle des KI-Interesses nach oben getrieben hatten, gerieten unter Druck. Doch nun haben eben diese Unternehmen gezeigt, wie anfällig dieses Wachstum geworden war.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Südkoreas Aktienmarkt fiel am Montag unmittelbar nach dem Eröffnungsläuten drastisch. In den ersten Handelsminuten verlor der Kospi-Index fast 9 %, was die Börse dazu zwang, den Handel für 20 Minuten auszusetzen, um Panikverkäufe einzudämmen, wie die BBC berichtete.
Der Hauptschlag traf die größten Technologieunternehmen des Landes. Die Aktien von Samsung Electronics fielen zeitweise um etwa 5 %, während SK Hynix um rund 2 % nachgab. Diese beiden Unternehmen machen einen riesigen Anteil am Index aus: Zusammen stehen sie für mehr als 40 % des Kospi. Deshalb verwandelt sich ein Rückgang bei Samsung und SK Hynix schnell in einen Abwärtstrend für den gesamten Markt.
Bis dahin gehörten südkoreanische Aktien zu den vielversprechendsten Anlagezielen. Der Kospi galt dank der Nachfrage nach Unternehmen aus den Bereichen KI und Speicherchipproduktion als einer der stärksten Märkte der Welt. Doch nach einer Rekordrallye reagierte der Markt hochempfindlich auf schlechte Nachrichten: Als Anleger begannen, aus Technologieaktien auszusteigen, traf es Südkorea mit am härtesten.
Der Hauptgrund für den Ausverkauf war die Angst, dass die Aktien von KI-bezogenen Unternehmen zu schnell gestiegen waren. In den letzten Monaten hatten Anleger aktiv Aktien von Chipherstellern sowie Unternehmen für Serverausrüstung und Speicher gekauft, in Erwartung einer enormen Nachfrage durch KI-Firmen. Vor diesem Hintergrund wurden Samsung Electronics und SK Hynix zu zwei der Hauptprofiteure der Rallye.
Doch ab einem gewissen Punkt begann der Markt zu hinterfragen, ob die realen Finanzergebnisse ein solches Wachstum rechtfertigten. Ein weiterer Schlag kam durch schwache Ergebnisse bei Broadcom: Das Unternehmen verfehlte die Umsatzprognosen für sein zweites Geschäftsquartal, woraufhin seine Aktien fielen und den gesamten Halbleitersektor mit nach unten rissen. Am Freitag verlor der VanEck Semiconductor ETF, der Chiphersteller-Aktien abbildet, mehr als 9 %, Arm Holdings fiel um fast 13 % und Micron Technology brach um mehr als 13 % ein.
Vor diesem Hintergrund breitete sich der Druck schnell über die USA und Südkorea hinaus aus. In Taiwan fielen die TSMC-Aktien um rund 2 %, während Foxconn um mehr als 5 % nachgab. In Japan sank die SoftBank Group um etwa 7,5 %, Tokyo Electron verlor rund 6,7 % und Advantest gab um etwa 5 % nach. Infolgedessen verkauften Anleger nicht nur südkoreanische Aktien, sondern die gesamte asiatische Kette von Unternehmen, die mit Chips und KI in Verbindung stehen.
Das Problem war jedoch nicht nur die Angst vor einer Überhitzung im KI-Sektor. Ein weiterer Mechanismus griff am Markt: Große Investoren begannen, die Aktien zu verkaufen, die zuvor am besten abgeschnitten hatten. Das bedeutet nicht, dass sie von Samsung, SK Hynix, TSMC oder anderen Chipherstellern enttäuscht waren. Oft sind Fonds schlichtweg gezwungen, Positionen abzubauen, wenn ein Unternehmen oder ein Sektor einen zu großen Anteil am Portfolio einnimmt.
Nach der starken Rallye wurde dieses Problem besonders deutlich. Zum Beispiel erklärte Sam Konrad, Manager bei Jupiter Asset Management, dass sein Fonds gezwungen war, TSMC, Samsung und MediaTek zu verkaufen, obwohl diese Aktien seit Jahresbeginn um 52 %, 159 % bzw. 184 % gestiegen waren. Für einen Fonds sieht ein solches Wachstum positiv aus, birgt aber auch Risiken: Das Portfolio wird zu abhängig von einer Handvoll Gewinnern.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei ausländischen Investoren in Südkorea. Die Nettoabflüsse ausländischer Gelder aus dem Kospi-Markt hatten bis Ende Mai rund 62 Milliarden Dollar erreicht. Gleichzeitig ist ein Teil dieser Verkäufe nicht auf eine Verschlechterung der Geschäfte südkoreanischer Unternehmen zurückzuführen, sondern auf eine gewöhnliche Portfolio-Umschichtung nach einer übermäßig starken Rallye.
Zusätzlicher Druck kam von Privatanlegern und gehebelten ETFs – Fonds, die geliehenes Geld verwenden, um auf das Wachstum einzelner Aktien oder Sektoren zu wetten. Wenn der Markt steigt, verstärken solche Instrumente die Bewegung. Wenn er jedoch fällt, können sie in die entgegengesetzte Richtung wirken und den Ausverkauf verschärfen.
Nach dem Crash bezeichneten einige Analysten diesen nicht als Beginn eines lang anhaltenden Abschwungs. Goldman Sachs glaubt, dass die langfristige Story für den südkoreanischen Markt stark bleibt, und hob sogar sein Kursziel für den Kospi auf 12.000 Punkte an. Einige Anleger beschreiben das Geschehen ebenfalls nicht als Trendwende, sondern als scharfe Korrektur nach einer zu schnellen Rallye.
Doch der Markt wird KI-Unternehmen nun genauer unter die Lupe nehmen. Zuvor gaben sich Anleger mit dem Glauben an die künftige Nachfrage nach Chips, Servern und Speichern zufrieden. Jetzt benötigen sie konkretere Beweise: Wachstum bei Umsatz, Gewinn, Aufträgen und realen Verträgen. Wenn Unternehmen solche Zahlen nicht vorlegen können, könnten die Aktien, die beim KI-Thema am stärksten gestiegen sind, erneut unter Druck geraten.
Der Kospi-Crash wurde zu einer Warnung für den gesamten Markt: Wenn Wachstum von wenigen Unternehmen und überhöhten Erwartungen abhängt, kann selbst ein starker Trend schnell in einen Ausverkauf umschlagen. KI bleibt eine bedeutende Investment-Story, aber Anleger sind nicht mehr bereit, um jeden Preis zu kaufen. Jetzt brauchen sie nicht nur Versprechen auf künftiges Wachstum, sondern reale Finanzergebnisse.