Eichbaum vor Gläubigerentscheid über Fortführung in Mannheim
Bei der Mannheimer Brauerei Eichbaum steht nach Angaben der Geschäftsführung am kommenden Dienstag die zentrale Weichenstellung im laufenden Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Dann entscheiden die Gläubiger über ein tragfähiges wirtschaftliches Konzept und damit über Fortführung oder Stilllegung des Traditionsunternehmens. Zuvor befasst sich der Gläubigerausschuss mit den vorliegenden Optionen, während nach Unternehmensangaben Investoren aus dem Finanz- und Strategiebereich Interesse zeigen.
Höhepunkte
- Eichbaum beantragte Ende Oktober 2025 Insolvenz in Eigenverwaltung aufgrund rückläufiger Umsatzentwicklung, was laut Unternehmen zu erheblichem Liquiditätsengpass führte.
- Unabhängig vom Abstimmungsergebnis der Gläubiger plant Eichbaum, rund 100 Stellen abzubauen, wodurch die Belegschaft auf unter 200 sinkt, ein Drittel der Arbeitsplätze entfällt.
- Eichbaum verkauft die Marke Karamalz inklusive Produktion an Veltins, während der anhaltend schwache deutsche Biermarkt zu weiteren Restrukturierungsmaßnahmen zwingt.
Insolvenzverfahren und Sanierungsoptionen
Eichbaum stellt Ende Oktober 2025 einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung, nachdem der Exportumsatz zurückgeht und auch die Inlandsnachfrage sinkt. Nach Darstellung des Unternehmens führt diese Entwicklung zu einem erheblichen Liquiditätsengpass. Im Verfahren bleibt die Geschäftsführung handlungsfähig, während ein Sachwalter die Entscheidungen überwacht.
Für die Abstimmung der Gläubiger ist entscheidend, ob ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept auf dem Tisch liegt. Fällt diese Grundlage weg, droht die endgültige Stilllegung des 1679 gegründeten Brauereistandorts in Mannheim. In diesem Fall würden verwertbare Vermögenswerte verkauft.
Stellenabbau belastet Standort Mannheim
Auch im Fall einer Rettung steht ein deutlicher Personalabbau im Raum. Nach Angaben der Geschäftsführung von Mitte Februar sollen knapp 100 Stellen wegfallen, die Beschäftigtenzahl würde damit auf unter 200 sinken. Derzeit arbeiten noch knapp 290 Menschen bei Eichbaum, sodass rund jede dritte Stelle betroffen wäre.
Der Betriebsrat beschreibt die Lage bereits im Februar als existenziell. Betriebsratschef Umut As sagt damals gegenüber BILD, es gehe um das nackte Überleben des Unternehmens. Damit wird deutlich, dass selbst eine Fortführung erhebliche Einschnitte für die Belegschaft bedeutet.
Druck im deutschen Biermarkt nimmt zu
Der Fall Eichbaum steht im Zusammenhang mit einem seit Jahren belasteten Biermarkt in Deutschland. Sinkender Bierkonsum setzt viele Brauereien und Teile der Gastronomie unter Druck. Für Traditionshersteller steigt damit das Risiko, dass Sanierungen mit Verkäufen, Stellenabbau und einer Neuausrichtung des Geschäftsmodells verbunden sind.
Eichbaum liefert nach eigenen Angaben in mehr als 60 Länder und verfolgt eigentlich den Umbau von der reinen Brauerei zu einem breiter aufgestellten Getränkehersteller. Zuletzt wird bekannt, dass das Unternehmen die Marke Karamalz samt Produktion an Veltins verkauft. Ein Kaufpreis wird dabei nicht genannt.
Wir berichteten zuvor über Unilevers Verhandlungen mit McCormick & Company über einen möglichen Verkauf der Lebensmittelsparte, zu der auch Knorr gehört. Dabei ging es um einen strategischen Umbau hin zu margenträchtigeren Bereichen sowie um die Bedeutung eines möglichen Eigentümerwechsels für deutsche Standorte und Traditionsmarken. Der Fall wurde als Signal für zunehmenden Konsolidierungs- und Kostendruck im Lebensmittelmarkt eingeordnet.
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