Deutschland steuert im Einzelhandel auf Rekordtief bei Ladenzahl zu

Deutschland steuert im Einzelhandel auf Rekordtief bei Ladenzahl zu
Einzelhandel vor Rekordtief

Der Handelsverband Deutschland erwartet für 2026 einen weiteren Rückgang der Zahl stationärer Geschäfte auf 296.600 Standorte und verweist damit auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Nach Angaben des Verbands sind Schließungen und Neueröffnungen in der Prognose bereits eingerechnet. Hintergrund sind anhaltende Insolvenzen, schwache Konsumlaune und der fortgesetzte Druck durch den Onlinehandel.

Höhepunkte

  • Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland sinkt 2024 erstmals seit der Wiedervereinigung unter 300.000; für 2026 wird weiterer Rückgang erwartet.
  • 2025 stiegen die Insolvenzen im Einzelhandel laut Allianz Trade auf 2.571 Fälle, nach 2.291 im Vorjahr; 2026 droht erneut ein Anstieg.
  • Onlinehandel legte 2025 preisbereinigt um 3,5 Prozent zu, während stationäre Umsätze stagnierten; 50 Prozent der Händler erwarten 2026 sinkende Umsätze.

Rückgang bei Geschäften setzt sich 2026 fort

Seit Ende 2015 ist die Zahl der Läden in Deutschland um rund 70.000 gesunken. Damals gab es noch etwa 372.000 Geschäfte, nun rechnet der Verband mit einem weiteren Minus von 4.900 im laufenden Jahr. Damit fällt die Zahl der Standorte erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Marke von 300.000.

Besonders stark war der Rückgang in den Jahren der Corona-Pandemie. 2021 sank die Zahl der Geschäfte um 11.500, 2022 folgte ein weiteres Minus von 11.000. Im vergangenen Jahr verringerte sich der Bestand nochmals um 4.500 auf rund 301.500 Läden.

Auch einzelne Unternehmensfälle verdeutlichen den Trend. Bei der Fachmarkt-Kette Hammer stehen 44 Filialen vor dem Aus, bei Eterna mit 50 Geschäften soll der Betrieb zum Sommer enden. Die insolvente Parfümeriekette Pieper schließt zudem neun Filialen.

Insolvenzen und Kaufzurückhaltung belasten die Branche

Die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel liegt auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Allianz Trade verzeichnete 2025 insgesamt 2.571 Insolvenzen, nach 2.291 im Vorjahr. Für 2026 gilt ein weiterer Anstieg als wahrscheinlich.

Von der Entwicklung sind auch größere Namen betroffen. Görtz geriet ebenfalls in Schwierigkeiten, Gerry Weber schloss alle Filialen, und Wormland verschwindet aus deutschen Innenstädten. Andere Händler wie Depot und Kodi haben ihre Filialnetze deutlich verkleinert.

Zu den Hauptgründen zählen die Verlagerung von Käufen ins Internet und die anhaltende Zurückhaltung der Verbraucher. Laut HDE legte der Onlinehandel 2025 preisbereinigt um 3,5 Prozent zu, während die Umsätze im stationären Handel stagnierten. In einer Händlerumfrage vom Januar bewerteten nur 14 Prozent ihre Geschäftslage als gut, jedes zweite Unternehmen erwartet 2026 sinkende Umsätze.

Folgen für Innenstädte und politischer Handlungsdruck

Leerstände belasten bereits heute viele Innenstädte und Einkaufszentren. In einzelnen Städten wird deshalb nach Zwischennutzungen für freie Handelsflächen gesucht. Der Rückgang der Ladenzahl trifft damit nicht nur Händler, sondern auch kommunale Standorte und innerstädtische Frequenz.

HDE-Präsident Alexander von Preen warnt vor einer weiteren Verschlechterung der Lage. Er sieht besonders viele mittelständische Händler unter Druck, weil die Konsumstimmung seit Jahren schwach bleibt. Zugleich fordert der Verband politische Maßnahmen zur Senkung von Energie- und Beschäftigungskosten.

Eine rasche Erholung zeichnet sich nach Einschätzung des Verbands nicht ab. Das größte Problem bleibt die Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Solange diese anhält, dürfte der stationäre Einzelhandel weiter unter Schließungen und sinkender Präsenz in den Innenstädten leiden.

Wir berichteten zuvor über die bundesweiten Proteste von Apothekenteams, die am Montag mit zahlreichen Schließungen einhergehen sollten. Hintergrund waren laut Verband steigende Betriebskosten, anhaltender Finanzdruck und die Forderung nach einer Erhöhung des Apothekenhonorars, während Notdienstapotheken die Versorgung sicherstellen sollten. Zugleich wurde auf den seit Jahren rückläufigen Apothekenbestand und die zunehmenden Folgen für die flächendeckende Versorgung hingewiesen.

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