Krankenkassen und Ärzteverbände erhöhen Verlustrisiken aus Verius-Fonds auf mindestens 127 Millionen Euro

Krankenkassen und Ärzteverbände erhöhen Verlustrisiken aus Verius-Fonds auf mindestens 127 Millionen Euro
Hohe Verluste durch Verius-Fonds

Der Druck auf gesetzliche Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen wächst, weil ein Immobilienfinanzierungsfonds ihre Kapitalanlagen massiv entwertet. Mehrere Einrichtungen gehen nun juristisch gegen beteiligte Finanzdienstleister vor, während die möglichen Verluste laut den vorliegenden Angaben weiter steigen.

Höhepunkte

  • Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen drohen Verluste von mindestens 127 Millionen Euro aus dem Immobilienfinanzierungsfonds Verius, begleitet von Schadenersatzklagen.
  • Mindestens 96 Prozent des Fondsvermögens von 1,2 Milliarden Euro könnten verloren gehen, nachdem zahlreiche Immobilienentwickler ihre Kredite nicht mehr bedienen können.
  • Fondsanleger investierten über eine komplexe Luxemburger Anleihekonstruktion mit Investment-Grade-Rating von Creditreform, was Fragen zur Anlagekontrolle gesetzlicher Kassen aufwirft.

Klagen und Fondsstruktur im Fokus

Wie zuerst die Bild berichtet unter Berufung auf Handelsblatt, summieren sich die möglichen Verluste von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen aus dem Immobilienfinanzierungsfonds Verius inzwischen auf mindestens 127 Millionen Euro. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hat beim Landgericht Frankfurt eine Schadenersatzklage eingereicht, ihr droht ein Verlust von bis zu 44 Millionen Euro.

Beklagt werden unter anderem die Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, deren Fondsdienstleister sowie der Schweizer Fondsberater Verius Capital. Auch die BKK Gildemeister Seidensticker aus Bielefeld hat sich der Klage angeschlossen, ihr soll ein Schaden von rund sechs Millionen Euro entstanden sein.

Bereits Ende Juni wurde bekannt, dass die Kaufmännische Krankenkasse, die Pronova BKK und die Kassenärztliche Vereinigung Hessen zusammen Schadenersatz in Höhe von 77 Millionen Euro fordern. Im Zentrum des Falls steht der Immobilienfinanzierungsfonds Verius, in den professionelle Anleger direkt und indirekt mindestens 1,2 Milliarden Euro investierten.

Folgen für Aufsicht und Anlageregeln

Das Kapital floss als hoch verzinste Darlehen an Projektentwickler auf dem deutschen Immobilienmarkt. Mit dem Einbruch der Branche gerieten zahlreiche Projekte unter Druck, viele Entwickler konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen, der Fonds wurde bereits 2022 eingefroren.

Anleger rechnen den Angaben zufolge inzwischen damit, dass mindestens 96 Prozent des Fondsvermögens verloren gehen könnten. Das würde auf einen Schaden von weit über einer Milliarde Euro hinauslaufen und verschärft die Frage, wie gesetzliche Krankenkassen trotz strenger Anlagevorgaben in ein solches Konstrukt investieren konnten.

Ermöglicht wurde das Investment offenbar über eine komplexe Anleihekonstruktion mit einer Luxemburger Zweckgesellschaft. Die Wertpapiere erhielten ein Investment-Grade-Rating von Creditreform und galten damit formal als vergleichsweise solide, obwohl nun ein vollständiger Verlust droht. Das Bundesamt für Soziale Sicherung verweist auf die Eigenverantwortung der Kassen, weil diese ihre Anlagen weder genehmigen lassen noch melden müssen.

In unserem früheren Beitrag zur Transparenz der GKV-Verwaltungsausgaben haben wir über eine Kleine Anfrage im Bundestag berichtet, die das Ausgabenkonto 07390 („Sonstige Vergütungen an andere“) in den Mittelpunkt rückt. Demnach weist die amtliche GKV-Rechnungsstatistik für 2024 dort rund 1,4 Milliarden Euro aus – und die Debatte dreht sich um die klare Zuordnung und Offenlegung solcher Kostenposten. Das liefert den finanzpolitischen Hintergrund, vor dem nun auch die Verluste aus dem Verius-Fonds und die Frage nach Kontrolle und Verantwortung bei GKV-Anlagen diskutiert werden.

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