Joschka Fischer zweifelt an Zukunft der Nato und fordert stärkere europäische Abschreckung
In der Debatte über Europas Sicherheit stellt der frühere Außenminister Joschka Fischer die Verlässlichkeit der U.S. als Schutzmacht offen infrage. Er sieht die aktuelle Krise des Bündnisses als so tiefgreifend an, dass aus seiner Sicht eine europäische Neuaufstellung der Verteidigung an Bedeutung gewinnt.
Höhepunkte
- Joschka Fischer äußert erhebliche Zweifel, dass die Nato die aktuelle Krise in bisheriger Form übersteht, und hält das Vertrauen in die U.S. für verloren.
- Fischer fordert, Deutschland müsse sich militärisch stärker aufstellen und plädiert für eine europäische nukleare Abschreckung mit Frankreich und UK als Alternative.
- Er bewertet den Ausstieg der Trump-Regierung aus dem Atomabkommen als schweren strategischen Fehler und sieht die politischen Ziele im Krieg als verfehlt an.
Fischers Warnung zur Bündnis- und Sicherheitsordnung
Wie der „Spiegel“ berichtet, äußert Fischer erhebliche Zweifel daran, dass die Nato die gegenwärtige Krise in ihrer bisherigen Form überlebt. Das Vertrauen in die U.S. sei aus seiner Sicht verloren, und selbst ein Regierungswechsel in Washington würde diesen Schaden nicht ohne Weiteres beheben.Der frühere Außenminister verteidigt zugleich den pragmatischen Kurs der Bundesregierung gegenüber Washington. Kritik an einer zu nachgiebigen Haltung weist er damit zurück, dass Berlin nach seiner Einschätzung nur begrenzte Handlungsoptionen hat.
Mit Blick auf den Krieg spricht Fischer von einem Fiasko und argumentiert, dass die angestrebten politischen Ziele bislang nicht erreicht werden. Er verbindet diese Entwicklung mit der Entscheidung von Donald Trump, das Atomabkommen der Obama-Regierung aufzukündigen, was er als schweren strategischen Fehler bewertet.
Europa als sicherheitspolitische Alternative
Fischer plädiert dafür, Deutschland militärisch besser und stärker aufzustellen. Für den Fall, dass die U.S. ihren nuklearen Schutzschirm zurückziehen, hält er eine Debatte über eine eigene europäische Abschreckung gemeinsam mit Frankreich und dem UK für unausweichlich.Gleichzeitig mahnt er wegen der deutschen Geschichte zu besonderer Zurückhaltung und warnt vor einem nationalen Alleingang. Seine sicherheitspolitische Perspektive zielt stattdessen auf eine europäische Lösung, die gemeinsame Handlungsfähigkeit und Abschreckung miteinander verbindet.
Auch in der Bewertung Russlands sieht sich Fischer bestätigt. Gegenüber Wladimir Putin habe er nie Vertrauen gehabt, und die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden nach dem Kalten Krieg bezeichnet er rückblickend als Illusion.
In unserem früheren Beitrag zu den weltweit steigenden Verteidigungsausgaben haben wir gezeigt, dass Europa 2025 zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählt und Deutschland seine Militärausgaben deutlich auf 97 Milliarden Euro erhöht hat. Zugleich wurde auf Verschiebungen in den großen Militärbudgets hingewiesen, darunter ein temporärer Rückgang der U.S.-Ausgaben, der mit der gestoppten Ukraine-Hilfe zusammenhing. Diese Entwicklung liefert den finanziellen und politischen Hintergrund für die aktuelle Debatte über Europas eigenständigere sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit.
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