Schwedt erhält Beschäftigungssicherung und Investitionsschub für Raffinerie- und Wasserstoffprojekte
Am Industriestandort Schwedt rücken am 11. Mai 2026 die Absicherung der Energieversorgung, neue Industrieinvestitionen und die langfristige Perspektive für die Region in den Mittelpunkt. Der Besuch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke verbindet die Verlängerung der Beschäftigungssicherung bei PCK mit Förderimpulsen für den Aufbau neuer Kraftstoffkapazitäten.
Höhepunkte
- Das Bundesministerium verlängert die Beschäftigungssicherung für die über 1.000 Beschäftigten der PCK-Raffinerie in Schwedt bis Ende 2026 um sechs Monate.
- Das eSAF-Projekt von ENERTRAG SE und Zaffra B.V. in Schwedt erhält einen Förderbescheid über rund 350 Millionen Euro für synthetische Kraftstoffe aus grünem Wasserstoff und biogenem CO2.
- Ab 2030 plant das Brandenburg eSAF-Projekt die Produktion von jährlich rund 30.000 Tonnen erneuerbarem synthetischem Kerosin für die Luftfahrtindustrie sowie nachhaltigem Naphtha.
Politische Signale und Förderzusage für Schwedt
Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mitteilt, besucht Reiche den Standort gemeinsam mit Woidke, um mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik über aktuelle wirtschafts- und energiepolitische Entwicklungen zu sprechen. Im Zentrum stehen dabei die Versorgungssicherheit, neue Investitionsanreize und die industrielle Weiterentwicklung der Region.Nach Angaben des Ministeriums werden die bestehenden Regelungen zur Beschäftigungssicherung der PCK-Raffinerie um sechs Monate bis Ende 2026 verlängert. Das soll in der weiterhin angespannten Lage ein Signal an die mehr als 1.000 Beschäftigten senden und den Schulterschluss von Bund, Land, Unternehmen und regionalen Akteuren untermauern.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die symbolische Übergabe eines Förderbescheids über rund 350 Millionen Euro für das Projekt Brandenburg eSAF. Das Gemeinschaftsunternehmen von ENERTRAG SE und Zaffra B.V. will synthetische Kraftstoffe auf Basis von grünem Wasserstoff und biogenem CO2 herstellen und damit regionale Kraftstoffversorgungsketten stärken.
Das Vorhaben wurde im Rahmen des IPCEI Wasserstoff unter dem Namen Concrete Chemicals ausgewählt und erhielt bereits im August 2025 einen Zuwendungsbescheid. Anfang April 2026 wurde zudem die Änderungsgenehmigung der Europäischen Kommission für den Wechsel des Projektstandorts von Rüdersdorf nach Schwedt erreicht, womit die rechtliche Grundlage für die Umsetzung in Schwedt vorliegt.
Industrielle Perspektiven für Energie, Luftfahrt und Kreislaufwirtschaft
Ziel des Projekts ist die großskalige Produktion von rund 30.000 Tonnen erneuerbarem synthetischem Kerosin pro Jahr für die Luftfahrtindustrie. Als Nebenprodukt soll nachhaltiges Naphtha entstehen, das als Rohstoff für die Chemieindustrie genutzt werden kann; der Produktionsstart ist für 2030 vorgesehen.Mit dem eSAF-Projekt erhält Schwedt damit eines der größten deutschen Vorhaben für synthetische Kraftstoffe. Für den Standort bedeutet das neben einer stärkeren Einbindung in die Wasserstoffwirtschaft auch eine breitere industrielle Basis über das klassische Raffineriegeschäft hinaus.
Am Nachmittag setzt Reiche ihren Besuch bei der LEIPA Group fort und informiert sich dort über Entwicklungen in der Papier- und Verpackungsproduktion sowie über Investitionen in nachhaltige Verfahren. Zum Abschluss besucht sie ein Reallabor des vom BMWE unterstützten und vom Land Brandenburg kofinanzierten exist Startup-Labors Schwedt, das die engere Verknüpfung von Industrie, Innovation und Gründungsaktivität am Standort unterstreicht.
Steigende Kerosinpreise und drohende Kapazitätskürzungen im Sommerflugverkehr standen im Fokus unseres früheren Beitrags. Darin ging es um die Warnungen des Flughafenverbands, dass höhere Treibstoffkosten Flugstreichungen, ein kleineres Streckennetz und steigende Ticketpreise auslösen könnten, sowie um die Forderung nach Entlastungen über die Luftverkehrssteuer. Damit liefert der Beitrag den Hintergrund, warum alternative und planbarer verfügbare Kraftstoffe für die Luftfahrt politisch und wirtschaftlich an Bedeutung gewinnen.
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