Mercedes-Benz signalisiert Offenheit für Rüstungsgeschäft in Europa
Steigende Verteidigungsausgaben in Europa rücken für Industriekonzerne neue Geschäftsfelder in den Blick. Mercedes-Benz schließt deshalb einen Einstieg in den Rüstungssektor nicht aus, knüpft einen solchen Schritt aber an wirtschaftliche Tragfähigkeit.
Höhepunkte
- Mercedes-Benz-CEO Ola Källenius signalisiert strategische Offenheit für Engagement im militärischen Bereich, betont jedoch wirtschaftliche Rentabilität und Fokus auf Nischenprodukte.
- Der Rüstungsbereich soll trotz möglicher Expansion weiterhin nur einen kleinen Anteil am Geschäft ausmachen, aber als wachsende Nische zum Ergebnis beitragen.
- Andere Autobauer wie Volkswagen, Daimler Truck, MAN und General Motors prüfen oder erweitern ebenfalls Aktivitäten im Verteidigungssektor, um von wachsender Nachfrage zu profitieren.
Offenheit für militärische Nischenprodukte
Wie das Wall Street Journal berichtet, erklärt Konzernchef Ola Källenius, die unsicherere Weltlage mache einen Ausbau der europäischen Verteidigungsfähigkeit notwendig. Wenn Mercedes-Benz dabei eine positive Rolle übernehmen könne, sei der Konzern dazu bereit.Källenius macht zugleich deutlich, dass ein mögliches Engagement sich rechnen müsse. Rüstungsgeschäfte würden im Vergleich zur Autoproduktion auch künftig nur einen kleinen Anteil ausmachen, könnten aus seiner Sicht aber als wachsende Nische zum Geschäftsergebnis beitragen.
Konkrete Pläne für eine eigene Waffenproduktion gibt es bei Mercedes-Benz bislang nicht. Der Vorstandsvorsitzende signalisiert nach den vorliegenden Aussagen vielmehr eine grundsätzliche strategische Offenheit für das Feld.
Rüstungsmarkt gewinnt für Autobauer an Bedeutung
Ganz neu ist das Thema für den Konzern nicht. Daimler Truck, seit 2021 eigenständig, produziert bereits Spezialfahrzeuge wie Unimog oder Zetros für militärische Zwecke.Auch andere Fahrzeughersteller sind in dem Markt aktiv oder prüfen neue Projekte. Volkswagen verhandelt nach einem Reuters-Bericht von Ende April mit Rafael Advanced Systems über eine Umrüstung des Werks in Osnabrück für die Produktion von Raketenabwehrsystemen, weist dies offiziell aber zurück. MAN ist über das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall MAN Military Vehicles im Militärfahrzeugbau engagiert, in den U.S. ist General Motors mit GM Defense vertreten, und Hyundai Rotem fertigt unter anderem den K2-Kampfpanzer.
In unserem früheren Bericht über die Warnung des Generalinspekteurs Carsten Breuer vor einer möglichen militärischen Herausforderung der Nato durch Russland bis spätestens 2029 ging es um den steigenden Druck, die Bundeswehr schneller einsatzfähig zu machen. Außerdem rückte der Text den Fokus auf Langstreckenwaffen, nachdem eine geplante U.S.-Übergangslösung offenbar ausbleibt und Deutschland deshalb eigene Systemkäufe wie etwa Tomahawk-Marschflugkörper prüft.
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