Nvidia übertrifft Prognosen, aber Anleger hinterfragen das Wachstumstempo
Nvidia hat erneut ein Quartal abgeliefert, das die meisten Unternehmen als außergewöhnlich bezeichnen würden, doch für das wertvollste Unternehmen der Welt reichen Rekorde allein nicht mehr aus. Anleger blicken inzwischen über den aktuellen KI-Chip-Boom hinaus und fragen sich, ob Nvidia sein Wachstumstempo halten kann, während Wettbewerber und Großkunden ihre eigenen Chip-Pläne beschleunigen.
Höhepunkte
- Nvidias Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres erreichte 81,6 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 85 % im Jahresvergleich.
- Der Umsatz im Bereich Rechenzentren stieg um 92 % auf 75,2 Milliarden US-Dollar.
- Der Nettogewinn erreichte 58,32 Milliarden US-Dollar bzw. 2,39 US-Dollar je Aktie.
- Das Unternehmen prognostizierte für das laufende Quartal einen Umsatz von etwa 91 Milliarden US-Dollar, über den Analystenerwartungen von rund 87,29 Milliarden US-Dollar.
- Nvidia erhöhte die Quartalsdividende von 0,01 auf 0,25 US-Dollar je Aktie und kündigte ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden US-Dollar an.
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Rekordquartal, verhaltene Marktreaktion
Laut Bloomberg meldete Nvidia für das am 26. April beendete Quartal einen Umsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 20 % gegenüber dem Vorquartal und 85 % im Jahresvergleich. Hauptwachstumstreiber blieb das Geschäft mit Rechenzentren, wo der Umsatz im Jahresvergleich um 92 % auf 75,2 Milliarden US-Dollar stieg. Das Unternehmen bestätigte zudem ein weiteres Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 80 Milliarden US-Dollar und erhöhte die Dividende deutlich von einem Cent auf 25 Cent je Aktie.
Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen der Wall Street. Analysten hatten mit einem Umsatz von 78,91 Milliarden US-Dollar und einem bereinigten Gewinn von 1,75 US-Dollar je Aktie gerechnet, während Nvidia 1,76 US-Dollar je Aktie (ohne Sondereffekte) erzielte. Der Nettogewinn stieg auf 58,32 Milliarden US-Dollar, nach 18,78 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.
Doch die Marktreaktion fiel verhalten aus. Nvidia-Aktien gaben nachbörslich leicht auf 222,12 US-Dollar nach, obwohl das Unternehmen für das laufende Quartal einen Umsatz von rund 91 Milliarden US-Dollar prognostizierte – mehr als die Analystenerwartung von 87,29 Milliarden US-Dollar. Für Anleger ist die Botschaft klar: Die Erwartungen sind so hoch, dass selbst ein starkes Ergebnis nicht mehr automatisch zu steigenden Kursen führt.
Huang setzt auf Diversifizierung
CEO Jensen Huang versuchte zu zeigen, dass Nvidia nicht nur von den Ausgaben einiger weniger großer Rechenzentrumsbetreiber abhängig ist. Das Unternehmen verweist auf die steigende Nachfrage von Unternehmen, Regierungen und Branchen, die eigene KI-Infrastrukturen aufbauen. Huang bezeichnete den Bau von „KI-Fabriken“ als die größte Infrastrukturausweitung der Geschichte und hob künftige Chancen im Bereich Physical AI hervor, darunter Roboter und autonome Fahrzeuge.
Dieser Wandel ist entscheidend. Bislang wurde Nvidias Aufschwung vor allem von Hyperscalern, also den größten Cloud- und Tech-Konzernen, getragen. Doch diese Konzentration birgt Risiken: Sollten Microsoft, Amazon, Google oder Meta ihre Investitionen drosseln oder stärker auf eigene Chips setzen, könnte Nvidias Wachstum weniger berechenbar werden.
Der Wettbewerb verschärft sich bereits. AMD treibt eigene KI-Beschleuniger voran, Broadcom und Google entwickeln individuelle Lösungen und Amazon baut seine Trainium-Reihe aus. Alphabet, Amazon, AMD und Intel werden immer aktiver mit eigenen oder günstigeren Chips für KI-Inferenz, während Nvidia-Aktien dieses Jahr hinter AMD und Intel zurückgeblieben sind.
Der Reifetest für einen KI-Marktführer
Die zentrale Frage ist nun nicht, ob Nvidia wächst – das tut das Unternehmen sehr schnell. Die Frage ist, ob Nvidia von einer Phase des explosionsartigen Wachstums in eine Phase übergeht, in der Anleger Dividenden, Aktienrückkäufe und eine breitere Kundenbasis erwarten, um die Bewertung zu rechtfertigen.
Nvidia versucht bereits, das eigene Ökosystem zu stärken. In den vergangenen 16 Monaten hat das Unternehmen rund 90 Milliarden US-Dollar in Deals und Beteiligungen an mehr als 145 Unternehmen investiert, darunter KI-Entwickler, Cloud-Anbieter und Infrastrukturpartner. Diese Strategie hilft, Kunden zu binden und den Ausbau der KI-Infrastruktur zu beschleunigen, macht den Markt aber auch abhängiger von einem Unternehmen.
Nvidias Börsenwert ist von rund 400 Milliarden US-Dollar Ende 2022 auf 5,4 Billionen US-Dollar gestiegen. Auf diesem Niveau erwarten Anleger mehr als nur Rekordumsätze – sie wollen eine klare Antwort, ob das Wachstum nachhaltig ist. Deshalb war Nvidias Bericht keine Enttäuschung bei den Zahlen, sondern ein Vertrauensbeweis: Glaubt der Markt weiterhin, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur Wettbewerb, Geopolitik und steigenden Erwartungen standhält?
Zuvor wurde berichtet, dass US-Aktien fielen, nachdem der Iran mit einer Ausweitung des Konflikts gedroht hatte.
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