Bundeskartellamt genehmigt Gemeinschaftsunternehmen von Banijay und All3Media in Deutschland

Bundeskartellamt genehmigt Gemeinschaftsunternehmen von Banijay und All3Media in Deutschland
Banijay & All3Media vereint

Der deutsche Markt für TV-Produktionen steht vor einem weiteren Zusammenschluss großer Anbieter, ohne dass die Wettbewerbsaufsicht darin eine erhebliche Marktverengung sieht. Das geplante Gemeinschaftsunternehmen von Banijay und All3Media würde in Deutschland beim Produktionsvolumen zum größten Anbieter von allgemeinem TV-Content für Dritte aufsteigen.

Höhepunkte

  • Das Bundeskartellamt genehmigt nach erster Prüfungsphase das Gemeinschaftsunternehmen von Banijay Group N.V. und All3Media zur Produktion audiovisueller Inhalte in Deutschland.
  • Die Behörde sieht trotz Zusammenschluss kein kritisches Konzentrationsniveau, da große Sendergruppen wie RTL und ProSiebenSat.1 viele Inhalte selbst produzieren.
  • Zusätzliche Wettbewerber wie ITV Studios und Warner Bros. ITVP Germany sowie unterschiedliche Schwerpunkte von Banijay (Primetime) und All3Media (Vorabend/Tag) begrenzen Markteinfluss und Wettbewerbsrisiken.

Freigabe nach erster Prüfungsphase

Wie das Bundeskartellamt mitteilt, hat die Behörde die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Produktion audiovisueller Inhalte durch die Banijay Group N.V. und All3Media freigegeben. Nach Angaben von Behördenpräsident Andreas Mundt wäre das Unternehmen in Deutschland der volumenmäßig größte Produzent von allgemeinem TV-Content für Dritte und besonders bei Shows sowie Reality-Formaten stark positioniert.

Gleichzeitig sieht die Behörde auf der Nachfrageseite nur wenige große Sendergruppen, darunter RTL, ProSiebenSat.1 sowie ARD und ZDF. Diese könnten entsprechende Inhalte zudem über eigene Tochtergesellschaften selbst herstellen, was den Markteinfluss des neuen Gemeinschaftsunternehmens begrenze.

Banijay gehört bereits heute zu den größten unabhängigen TV-Produktionsgesellschaften in Deutschland. Zur Kölner Tochter Banijay Germany zählen unter anderem EndemolShine Germany und BrainpoolTV, die Formate wie „Wer wird Millionär?“, „TV total“, „The Masked Singer“, „Die Höhle der Löwen“ und „Big Brother“ produzieren.

All3Media ist Teil der von RedBird Capital Partners geführten Unternehmensgruppe und zählt mit Tochtergesellschaften wie Filmpool Entertainment ebenfalls zu den bedeutenden Produzenten in Deutschland. Zu den bekannten Formaten gehören „Berlin – Tag & Nacht“, „Richterin Barbara Salesch“, „Die Verräter“, „Undercover Boss“ und „Auf Streife“.

Marktstruktur begrenzt Wettbewerbsrisiken

Nach Einschätzung des Bundeskartellamts erreichen Banijay und All3Media durch den Zusammenschluss noch kein kritisches Konzentrationsniveau in Deutschland. Dabei berücksichtigt die Behörde auch, dass beide Anbieter unterschiedliche Schwerpunkte haben, Banijay vor allem in der Primetime und All3Media eher im Vorabend- und Tagesprogramm.

Hinzu kommt eine stark konzentrierte Marktgegenseite mit eigenen Produktionskapazitäten. ProSiebenSat.1 produziert etwa „Germany’s Next Topmodel“ und „The Taste“ selbst, RTL unter anderem „Deutschland sucht den Superstar“ und „Bauer sucht Frau“, auch ARD und ZDF stellen zahlreiche Inhalte eigenständig her.

Als zusätzliche Wettbewerber nennt die Behörde senderunabhängige Produzenten wie ITV Studios, Seapoint Productions, Warner Bros. ITVP Germany, Leonine Studios und Constantin Entertainment. Die Entscheidung stützt sich auf Erkenntnisse aus früheren Verfahren, aktuelle Marktdaten sowie ergänzende Ermittlungen bei Marktteilnehmern und Branchenkennern.

Das Vorhaben konnte bereits in der ersten Prüfungsphase freigegeben werden. In Österreich ist der Zusammenschluss ebenfalls bereits geprüft und genehmigt, in weiteren Ländern ist er angemeldet oder angezeigt.

In unserem früheren Beitrag zum Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum ging es um seine Botschaft, den Wirtschaftsstandort Deutschland mit schrittweisen Reformen und zügigen Entscheidungen zu stärken. Merz warb für mehr Zuversicht, betonte die Bedeutung von Verlässlichkeit und gesellschaftlicher Stabilität für Investoren und grenzte sich klar von einer Zusammenarbeit mit der AfD ab.

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