Italo plant günstigeren Deutschland-Start im Fernverkehr ab 2028
Der deutsche Fernverkehr könnte ab 2028 einen neuen Wettbewerber aus Italien bekommen, wenn Italo mit eigenen Hochgeschwindigkeitszügen auf wichtigen IC- und ICE-Korridoren startet. Das Unternehmen stellt niedrigere Preise, zusätzliche Verbindungen und einen deutlichen Nachfrageanstieg in Aussicht, während Bahn und Gewerkschaft vor Nachteilen für weniger profitable Städte warnen.
Höhepunkte
- Italo plant ab 2028 den Markteintritt im deutschen Fernverkehr mit 30 Siemens-Zügen und rund 20 Prozent günstigeren Preisen als Deutsche Bahn.
- Italo fordert für den Deutschland-Start Trassenlizenzen bis zu 15 Jahre statt wie üblich ein Jahr; die Bundesnetzagentur entscheidet in den nächsten Tagen.
- Bei Erfolg will Italo mindestens 2.500 Mitarbeiter einstellen, erwartet Fahrgastwachstum bis zu 40 Prozent, stößt jedoch auf Widerstand von Deutsche Bahn und EVG.
Markteintritt mit Preis- und Ausbauplan
Wie BILD berichtet, will Italo ab 2028 mit zunächst 30 bei Siemens bestellten Fernzügen die Strecken München, Köln, Dortmund sowie München, Berlin, Hamburg bedienen und dabei nach Angaben von Firmenchef Gianbattista La Rocca rund ein Fünftel günstigere Preise als die Deutsche Bahn anbieten.Die blauen Züge sollen auf den geplanten Verbindungen im Ein- oder Zwei-Stunden-Takt fahren und insgesamt 18 Städte ansteuern. In einem zweiten Schritt plant das Unternehmen laut La Rocca zusätzliche Angebote auf den Korridoren Dortmund, Köln, Berlin sowie Hamburg, Frankfurt und Würzburg.
Für den Deutschland-Start verlangt Italo zudem mehr Planungssicherheit bei der Trassennutzung. Das Unternehmen will Lizenzen für bis zu 15 Jahre statt wie bisher üblich nur für jeweils ein Jahr, über diesen Antrag soll die Bundesnetzagentur in den nächsten Tagen entscheiden.
Folgen für Wettbewerb, Angebot und Beschäftigung
La Rocca erwartet nach eigenen Angaben, dass mehr Wettbewerb den Fernverkehr in Deutschland flächendeckend verbessert und die Zahl der Bahnreisenden pro Jahr um bis zu 40 Prozent steigt. Sollte der Markteintritt gelingen, will Italo nach seinen Angaben mindestens 2.500 Mitarbeiter einstellen.Gleichzeitig regt sich Widerstand gegen das Vorhaben. Die Deutsche Bahn und die Bahngewerkschaft EVG warnen, Italo könnte sich auf besonders rentable Strecken konzentrieren, was für mindestens 16 Städte weniger oder gar keine IC- und ICE-Anbindung bedeuten könnte.
Bei der Ausstattung setzt Italo auf ein Premiumprofil mit Ledersesseln, 5G und Starlink. Jeder Zug soll 500 Sitzplätze und drei Klassen bieten, wobei die günstigste "Smart Class" laut La Rocca im Schnitt 60 Prozent unter der 1. Klasse und 30 Prozent unter der 2. Klasse liegen soll.
In unserer früheren Berichterstattung zum Netzausbau im Rahmen des Zweiten Gesetzes zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes haben wir erläutert, wie der Bundesrat Änderungen an den Vorgaben für Stromnetzausbau und die Integration erneuerbarer Energien anmahnt. Im Mittelpunkt standen die geplante Aufnahme von 45 neuen Netzausbauvorhaben, die Debatte um Freileitungen im Küstenmeer sowie der Streit über eine einheitliche Zuständigkeit der Bundesnetzagentur beim Berliner 380-kV-Projekt.
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