Deutschland prüft laut Studie Reaktivierung stillgelegter AKW als mögliche Entlastung für die Industrie

Deutschland prüft laut Studie Reaktivierung stillgelegter AKW als mögliche Entlastung für die Industrie
AKW-Rückkehr für Industrie?

Die Debatte über die künftige Stromversorgung in Deutschland erhält durch eine neue Analyse zusätzlichen Auftrieb. Demnach könnten mehrere stillgelegte Kernkraftwerke innerhalb von rund vier Jahren wieder ans Netz gehen, wobei erste Reaktoren bereits 2031 Strom liefern könnten.

Höhepunkte

  • Die Radiant Energy Group-Studie sieht keine technischen Hindernisse für die Reaktivierung der AKW Brokdorf, Emsland, Isar 2, Neckarwestheim 2 und Grohnde.
  • Die Studie schätzt die durchschnittlichen Atomstromkosten auf 37 Euro pro Megawattstunde und damit deutlich unter aktuellen Großhandelspreisen von über 90 Euro.
  • Ein sofortiges Moratorium für den Rückbau sowie Änderungen am Atomgesetz werden empfohlen, da fortschreitender Rückbau und Fachkräfteschwund die Wiederinbetriebnahme erschweren.

Studie nennt Kosten, Zeitplan und erste Anlagen

Wie BILD.de berichtet, kommt eine neue Analyse der pro-nuklear ausgerichteten Denkfabrik Radiant Energy Group zu dem Ergebnis, dass es keine grundsätzlichen technischen Hindernisse für eine Reaktivierung stillgelegter deutscher Kernkraftwerke gibt. Als erste Kandidaten nennen die Autoren die Anlagen Brokdorf, Emsland, Isar 2, Neckarwestheim 2 und Grohnde.

Nach Einschätzung der Autoren könnten diese Reaktoren in rund vier Jahren wieder Strom erzeugen. Die Studie bezeichnet eine Rückkehr der Kernenergie als möglichen „Rettungsanker für die Industrie“.

Die durchschnittlichen Kosten des Atomstroms beziffert die Denkfabrik auf 37 Euro pro Megawattstunde. Das liegt dem Bericht zufolge deutlich unter den aktuellen Großhandelspreisen von mehr als 90 Euro pro Megawattstunde.

Radiant Energy Group argumentiert zudem, dass eine Wiederinbetriebnahme günstiger wäre als Neubauprojekte. Das vollständige Reaktivierungsprogramm mit einer Leistung von 18,5 Gigawatt sei größer als das französische Vorhaben zum Bau von sechs neuen EPR2-Reaktoren und zugleich schneller sowie kostengünstiger umsetzbar.

Politische Unterstützung und wachsender Zeitdruck

Unterstützung könnte die Idee nach Darstellung des Textes auch in Teilen der Politik finden. Unions-Fraktionschef Jens Spahn erklärte im April, Deutschland könne seine zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke mit deutlich geringerem finanziellen Aufwand wieder ans Netz bringen als andere Länder für den Bau neuer Reaktoren aufbringen müssen.

Die Autoren der Studie sehen allerdings wachsenden Zeitdruck. Mit jedem weiteren Jahr würden fortschreitender Rückbau der Anlagen, der Verlust von Fachkräften und schrumpfende Lieferketten die Kosten erhöhen und eine spätere Wiederinbetriebnahme erschweren.

Deshalb empfehlen sie ein sofortiges Moratorium für den Rückbau sowie Änderungen am Atomgesetz. Damit solle der Betrieb von Kernkraftwerken rechtlich wieder ermöglicht werden.

Zum EU-Netzpaket berichteten wir zuvor über die Einigung der EU-Energieminister in Luxemburg auf eine gemeinsame Ratsposition, die schnellere Genehmigungen und einen beschleunigten Ausbau der Stromnetze ermöglichen soll. Im Fokus standen dabei vereinfachte Verfahren für interne und grenzüberschreitende Energieinfrastruktur, mehr Planungssicherheit sowie zusätzliche Rechtssicherheit für gemeinschaftliche Kundenanlagen. Als nächster Schritt folgen die Trilogverhandlungen mit EU-Parlament und EU-Kommission, parallel zur Debatte über den Klimarahmen 2040.

Dieses Material kann Meinungen Dritter enthalten, keine der Daten und Informationen auf dieser Webseite stellt eine Anlageberatung gemäß unserem Haftungsausschluss dar. Obwohl wir uns an strikte redaktionelle Integrität halten, kann dieser Beitrag Verweise auf Produkte unserer Partner enthalten.