Aldi Süd drängt auf Zuckerabgabe für Softdrinks, Streit im deutschen Lebensmittelhandel eskaliert

Aldi Süd drängt auf Zuckerabgabe für Softdrinks, Streit im deutschen Lebensmittelhandel eskaliert
Aldi fordert Zuckerabgabe

Die Debatte über staatliche Eingriffe in den Zuckerkonsum gewinnt in Deutschland an Schärfe, nachdem ein großer Händler eine Abgabe auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke ins Spiel bringt. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der der Bundestag bereits die rechtliche Grundlage für eine mögliche Zuckersteuer ab 1. Januar 2027 geschaffen hat.

Höhepunkte

  • Aldi Süd fordert per Positionspapier an Kanzleramt und Ministerien eine Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Softdrinks, orientiert am britischen Modell.
  • Edeka lehnt die Pläne strikt ab und warnt vor Belastungen fürs Konsumklima, während Rewe nur grundsätzlich für gesundheitsfördernde Maßnahmen offen ist.
  • Mit dem Kassen-Beitragsspargesetz hat der Bundestag am Freitag die Grundlage für eine Zuckersteuer ab 1. Januar 2027 geschaffen, mit erwarteten Staatseinnahmen von 650 Millionen Euro im ersten Jahr.

Vorstoß von Aldi Süd und Reaktionen der Branche

Wie Bild unter Berufung auf die Lebensmittelzeitung berichtet, hat Aldi Süd sich mit einem Positionspapier an das Kanzleramt und mehrere Ministerien gewandt und eine Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Softdrinks gefordert. Der Discounter zielt damit darauf ab, den Zuckergehalt in Getränken über stärkeren Druck auf die Produzenten zu senken und damit auch den Zuckerkonsum sowie das "Süßempfinden" der Verbraucher zu beeinflussen.

Nach den Vorstellungen von Aldi Süd soll sich das Modell an Großbritannien orientieren, wo eine solche Abgabe nach Darstellung des Unternehmens den Zuckergehalt von Getränken gesenkt hat. Vorgesehen ist demnach eine Übergangsfrist von 18 Monaten.

Edeka lehnt die Pläne klar ab und warnt vor zusätzlichen Belastungen für das Konsumklima. Rewe äußert sich vorsichtiger, unterstützt grundsätzlich gesundheitsfördernde Maßnahmen, sieht aber noch offen, ob eine Zuckersteuer dafür tatsächlich das geeignete Instrument ist.

Politische Grundlage und wirtschaftliche Folgen

Deutlichen Widerstand gibt es auch vom Markenverband, der die Interessen von Markenherstellern vertritt. Andreas Gayk, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Verbands, warnt, politische Meinungsverschiedenheiten dürften nicht über Geschäftsbeziehungen zwischen Handel und Industrie ausgetragen werden.

Aus Sicht des Verbands sollte erfolgreiche Gesundheitsvorsorge vor allem auf Ernährungsbildung, Bewegung und Innovationen setzen, nicht auf neue Verbrauchsteuern mit aus seiner Sicht unklarer gesundheitlicher Wirkung. Er bezeichnet den Ansatz als Symbolpolitik.

Politisch hat der Bundestag am vergangenen Freitag mit dem Kassen-Beitragsspargesetz die Grundlage für die Einführung einer Zuckersteuer geschaffen. Geplant ist ein Start zum 1. Januar 2027, wobei der Staat im ersten Jahr mit Einnahmen von 650 Millionen Euro rechnet; Bundesernährungsminister Alois Rainer hatte sich in der Vergangenheit wiederholt gegen eine Zuckersteuer positioniert.

In unserem früheren Artikel zu den stark gestiegenen Spritpreisen in Deutschland haben wir erläutert, wie höhere Rohölkosten und der Wegfall staatlicher Entlastungen Benzin und Diesel spürbar verteuern. Zudem haben wir gezeigt, welche Rolle Energiesteuern und die CO2-Abgabe für das hohe Preisniveau im EU-Vergleich spielen und warum Tanken im Ausland für Verbraucher teils deutlich günstiger ist.

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