Deutschlands Industrie drängt auf Reformen nach massiven Firmenschließungen
Der Druck auf die deutsche Wirtschaft wächst, nachdem 2025 in Deutschland rund 188.000 Unternehmen vom Markt verschwunden sind. Besonders betroffen sind Bau, Industrie, Gastronomie und Arztpraxen, während große Industriekonzerne zugleich schnellere Reformen von der Bundesregierung verlangen.
Das Wichtigste
- Führende Konzerne wie BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Siemens fordern in einem Brandbrief die sofortige Umsetzung geplanter Industrie-Reformen von Kanzler Merz.
- Laut Creditreform und dem Leibniz-Zentrum verschwinden 2025 rund 24.000 Bauunternehmen (+12%), 11.000 Industrieunternehmen (+10%), 5.500 Arztpraxen (+23%) und 15.000 Gaststätten (+15%).
- Die Industrie kritisiert Sozialabgaben von über 42 Prozent als historischen Höchststand, wodurch Lohnnebenkosten steigen und die Investitionsfähigkeit gefährdet wird.
Brandbrief der Industrie und neue Schließungszahlen
Wie die Bild unter Berufung auf einen Brandbrief berichtet, fordern führende Konzerne und Wirtschaftsverbände von Kanzler Friedrich Merz die im Koalitionsvertrag angekündigten Reformen nun „schleunigst und ohne irgendwelche Abstriche“ umzusetzen.Zu den Unterzeichnern zählen Unternehmen wie BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Siemens. Der Vorstoß fällt in eine Phase wachsender Belastung für klassische Industriekonzerne, die vor allem unter hohen Energiekosten leiden und im internationalen Vergleich schlechtere Rahmenbedingungen für das produzierende Gewerbe sehen.
Nach einer Untersuchung von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung verschwinden 2025 in der Baubranche rund 24.000 Unternehmen, was einem Anstieg von zwölf Prozent entspricht. In der Industrie schließen etwa 11.000 Unternehmen, plus zehn Prozent, hinzu kommen 5.500 Arztpraxen, plus 23 Prozent, sowie mehr als 15.000 Gaststätten, plus 15 Prozent.
Steigende Lohnnebenkosten verschärfen den Druck
Im Brandbrief kritisieren die Unterzeichner besonders die wachsenden Sozialabgaben. Nach ihrer Darstellung gehen inzwischen mehr als 42 Prozent des Gehalts für Sozialabgaben drauf, was sie als historischen Höchststand und als unzumutbare Belastung für Unternehmen und Beschäftigte bezeichnen.Als Problem nennen sie, dass die Abgabenlast trotz unveränderter Beitragssätze steigt, unter anderem wegen höherer Beitragsbemessungsgrenzen. Für Beschäftigte bedeutet das bei gleichem Brutto weniger Netto, für Unternehmen steigen zugleich die Arbeitskosten weiter.
Adressiert ist der Appell neben Merz auch an Arbeitsministerin Bärbel Bas, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie an die Fraktionsspitzen der Regierungsparteien. Die Industrie warnt, dass ohne rasche politische Weichenstellungen die Investitionsfähigkeit der Unternehmen weiter unter Druck gerät.
In unserem früheren Bericht zu den stark steigenden Unternehmensschließungen in Deutschland haben wir gezeigt, dass im Vorjahr rund 188.000 Betriebe aufgegeben haben – so viele wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Dabei betrifft die Entwicklung zunehmend auch mittelständische Unternehmen mit solider Bonität; als Treiber wurden unter anderem Kosten- und Personaldruck, Nachfolgeprobleme sowie verschlechterte Rahmenbedingungen für viele Branchen genannt.
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