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Polen verfügt über einen aktiven Kryptowährungsmarkt, doch seine Zukunft bleibt ungewiss. Während Polen digitale Vermögenswerte zunehmend als Anlageoption betrachten, sehen sich Unternehmen mit ungelösten regulatorischen Fragen konfrontiert. Kann das Land die Voraussetzungen dafür schaffen, dass seine Kryptoindustrie floriert?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Kryptowährungen sind zu einem vertrauten Bestandteil der polnischen Finanzlandschaft geworden, insbesondere unter jüngeren Erwachsenen und an Investments interessierten Menschen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungszentrums CBOS vom Mai 2026 haben 89 % der polnischen Erwachsenen von Kryptowährungen gehört, während 6 % derzeit digitale Vermögenswerte halten.
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Wer Kryptowährungen kaufen möchte, hat in Polen mehrere Möglichkeiten. Neben internationalen Börsen können Kunden lokal entwickelte Trading-Plattformen und physische Kryptowährungswechselstuben nutzen, von denen einige Käufe mit Bargeld ermöglichen. Zur Branche gehören außerdem Anbieter von digitalen Wallets sowie Unternehmen, die Stablecoin-Zahlungen und die Tokenisierung von Vermögenswerten prüfen.
Das Interesse geht über die bisherigen Anleger hinaus. Eine im Januar 2026 bei der polnischen Finanzaufsicht KNF vorgestellte Studie schätzte, dass etwa 2,8 Millionen polnische Erwachsene bereits Erfahrung mit Investments in digitale Vermögenswerte hatten. Die Studie ergab außerdem, dass jeder fünfte Befragte Interesse am Besitz von Kryptowährungen zeigte – ein Hinweis auf das Potenzial für eine breitere Akzeptanz.
Für viele polnische Nutzer sind Kryptowährungen in erster Linie eine Geldanlage und kein alltägliches Zahlungsmittel. Die CBOS-Umfrage ergab, dass langfristiges Investieren oder Sparen das am häufigsten genannte Motiv unter den Befragten war, die digitale Vermögenswerte besessen hatten. Auch das Interesse an Blockchain-Technologie und die Aussicht auf kurzfristige Gewinne zogen Käufer an.
Eine separate, im vergangenen Jahr von Kraken durchgeführte Umfrage gibt einen genaueren Einblick in die Anlagegewohnheiten. Fast drei Viertel der befragten Krypto-Anleger gaben an, monatlich zwischen 100 und 3.000 Złoty (etwa 23–687 €) zu investieren, während 67 % höchstens ein Fünftel ihrer Mittel digitalen Vermögenswerten zuwiesen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Befragte Kryptowährungen als einen Bestandteil ihres Anlageportfolios und nicht als ihre wichtigste Geldanlage betrachteten.
Polens regulatorische Schwierigkeiten werden eng mit Präsident Karol Nawrocki in Verbindung gebracht. Während seines Wahlkampfs 2025 versprach er, die Kryptowährungsbranche zu unterstützen und Regelungen abzulehnen, die Investments unnötig einschränken.
Seit seinem Amtsantritt hat Nawrocki jedoch drei Gesetzesentwürfe verhindert, die den nationalen Rahmen Polens für die EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Assets, bekannt als MiCA, schaffen sollten. Sein jüngstes Veto erfolgte am 11. Juni 2026.
Der Präsident argumentiert, die Vorschläge der Regierung würden übermäßige Kosten verursachen und den Aufsichtsbehörden zu weitreichende Befugnisse verleihen, darunter die Möglichkeit, Websites zu sperren und Konten einzufrieren. Nach seinem dritten Veto erklärte Nawrocki: „Schlechtes Recht wird nicht dadurch zu gutem Recht, dass es hundertmal verabschiedet wird.“
Die Regierung von Premierminister Donald Tusk vertritt eine andere Auffassung. Sie argumentiert, dass das Gesetz notwendig sei, um Kryptounternehmen zu überwachen, Betrug zu bekämpfen und Kunden zu schützen. Im September gelang es dem Parlament erneut nicht, das präsidentielle Veto zu überstimmen: 241 Abgeordnete stimmten dafür – 266 Stimmen wären erforderlich gewesen.
Die Folgen wurden spürbarer, als die Übergangsfrist der EU für bestehende Kryptoanbieter am 1. Juli 2026 endete. Unternehmen konnten sich bei der Erbringung regulierter Dienstleistungen nicht mehr allein auf ihre bisherigen polnischen Registrierungen als Anbieter virtueller Währungen stützen. Sie benötigten eine Genehmigung nach MiCA.
Polnische Unternehmen konnten diese Genehmigung im Inland jedoch nicht erhalten, da das Land die erforderlichen Lizenzierungsstrukturen noch nicht geschaffen hatte. Unternehmen, die weiterhin EU-weit tätig sein wollten, mussten daher andere Mitgliedstaaten in Betracht ziehen.
Die in Polen gegründete Kanga Exchange ist ein konkretes Beispiel. Im Juni 2026 erhielt ihr lettisches Unternehmen AlphaRoute eine MiCA-Lizenz von der Bank von Lettland. Damit darf es in europäischen Märkten, einschließlich Polen, autorisierte Kryptowährungsdienstleistungen anbieten. Die Genehmigung gilt für die lettische Gesellschaft und deckt nicht automatisch jede unter der Marke Kanga angebotene Dienstleistung ab. Für Kunden ist dieser Unterschied möglicherweise nicht immer offensichtlich. Eine Plattform kann Unterstützung in polnischer Sprache anbieten und polnische Einwohner bedienen, während sie von einer Behörde in einem anderen EU-Land lizenziert und beaufsichtigt wird.
Die regulatorische Unsicherheit ist nicht die einzige Herausforderung. Polens Kryptosektor geriet auch nach dem Zusammenbruch von Zondacrypto, einer der bekanntesten Kryptowährungsbörsen des Landes, in die Kritik. Ihr Betreiber, BB Trade Estonia OÜ, wurde am 27. August 2026 in Estland für insolvent erklärt, nachdem Kunden Schwierigkeiten bei der Auszahlung ihrer Gelder gemeldet hatten.
Die polnische Staatsanwaltschaft untersucht mutmaßlichen Betrug und Geldwäsche im Zusammenhang mit der Plattform. Die Ermittlungen gingen zunächst von mutmaßlichen Verlusten in Höhe von mindestens 350 Millionen Złoty (etwa 80 Millionen €) aus; die geschätzte Summe stieg später. Im September gab die Staatsanwaltschaft weitere Anklagen bekannt, wobei die Vorwürfe weiterhin Gegenstand gerichtlicher Verfahren sind.
Für Privatanleger wirft der Fall praktische Fragen darüber auf, wie Börsen Kundengelder schützen und was geschieht, wenn eine Plattform keine Auszahlungen mehr verarbeitet. Anders als bei der Aufbewahrung von Kryptowährungen in einem persönlichen Wallet bedeutet das Halten von Vermögenswerten auf einer Börse in der Regel, dass man darauf angewiesen ist, dass der Betreiber den Zugriff auf diese Bestände sicherstellt.
Polen verfügt über die Grundlagen eines aktiven Kryptowährungsmarktes: Privatanleger, etablierte Dienstleister und Unternehmen, die Chancen in ganz Europa suchen. Die nächste Entwicklungsphase wird jedoch von mehr als nur dem öffentlichen Interesse abhängen.
Klarere Rahmenbedingungen könnten Investments fördern, heimische Unternehmen unterstützen und mehr Polen das Vertrauen geben, Kryptowährungen zu erkunden.