Oksana Koneva

Deutsche Autobauer verlieren in China an Ertragskraft

Deutsche Autobauer verlieren in China an Ertragskraft
China trifft deutsche Autobauer

Der Wettbewerb auf dem globalen Automarkt verschärft sich, während Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW im ersten Halbjahr bei Umsatz und operativem Gewinn deutlich zurückfallen. Besonders stark belastet der Einbruch im China-Geschäft, das für die drei Hersteller spürbar an Gewicht in den weltweiten Verkäufen verliert.

Das Wichtigste

  • Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW verzeichnen im ersten Halbjahr bei einem Umsatzrückgang von 2,9 Prozent auf 284 Milliarden Euro auch einen operativen Gewinnrückgang um 19 Prozent auf 13 Milliarden Euro.
  • Im wichtigen chinesischen Markt sinkt der Absatz der drei deutschen Hersteller im ersten Halbjahr um 25 Prozent und ihr China-Anteil an den Gesamtverkäufen fällt von 28,9 auf 23,5 Prozent.
  • Vizekanzler Lars Klingbeil fordert zusätzliche EU-Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride, während der VDA strukturelle Standortprobleme und hohen Kosten in Deutschland als Hauptursachen für Wettbewerbsnachteile betont.

Analyse zu Umsatz, Gewinn und China-Absatz

Wie BILD unter Berufung auf eine neue Analyse der Beratungsgesellschaft EY berichtet, steigern die 19 größten Autokonzerne der Welt ihren Umsatz im ersten Halbjahr um 3,6 Prozent auf knapp 1,05 Billionen Euro. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW kommen zusammen dagegen nur auf rund 284 Milliarden Euro, das sind 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Von den 19 untersuchten Herstellern erhöhen 15 ihre Erlöse, während die drei deutschen Konzerne bei der Umsatzentwicklung auf den hinteren Plätzen landen. Noch stärker fällt der Rückgang beim operativen Gewinn aus, der zusammen um 19 Prozent auf 13 Milliarden Euro sinkt. Laut EY-Autoexperte Constantin Gall verlieren die deutschen Hersteller nicht nur Marktanteile, sondern vor allem Ertragskraft.

Besonders deutlich zeigt sich der Druck in China. Dort bricht der Absatz der drei Hersteller im ersten Halbjahr um 25 Prozent ein. Der Anteil Chinas an ihren weltweiten Verkäufen sinkt binnen eines Jahres von 28,9 auf 23,5 Prozent, während chinesische Autobauer zugleich stärker auf den europäischen Markt drängen.

Zolldebatte erhöht den Druck auf Industrie und Politik

Vor diesem Hintergrund fordert Vizekanzler Lars Klingbeil zusätzliche EU-Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride. Für reine Elektroautos aus China gelten bereits Sonderzölle, und China-Experte Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft hält eine Ausweitung auf Hybridfahrzeuge für überfällig, weil hier nach seiner Einschätzung ein großes Schlupfloch besteht.

Autoexperte Frank Schwope von der FHM Berlin bremst jedoch die Erwartungen. Zusätzliche Zölle könnten deutschen Herstellern zwar etwas Luft verschaffen, zugleich aber Fahrzeuge aus China für deutsche Käufer verteuern und Gegenmaßnahmen Pekings auslösen, etwa Gegenzölle oder Exportbeschränkungen bei wichtigen Rohstoffen.

Volkswagen kommentiert den Vorstoß nicht und verweist auf den Verband der Automobilindustrie. Der VDA sieht die strukturellen Probleme vor allem am Standort Deutschland und fordert niedrigere Energie-, Steuer- und Abgabenlasten sowie weniger Bürokratie; bei unfairem Wettbewerb könne die EU nach Einschätzung des Verbands aber mit eigenen Maßnahmen gegensteuern.

In unserem früheren Beitrag zur Kritik von dm-Chef Christoph Werner am Reformtempo in Deutschland ging es um den schwindenden Wettbewerbs­vorteil des Standorts und politische Fehlanreize, die notwendige Veränderungen bremsen. Werner plädierte unter anderem für längere Legislaturperioden und Amtszeitbegrenzungen, um Reformen eher durchsetzen und ihre Wirkung sichtbar machen zu können.

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