Deutsche Wirtschaft sieht nach U.S.-Midterms mehr Planbarkeit, aber anhaltende Zollrisiken
Die U.S.-Zwischenwahlen verändern die politischen Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen in ihrem wichtigsten Exportmarkt. Während neue Mehrheiten im Kongress auf mehr Berechenbarkeit hoffen lassen, rechnen Ökonomen weiter mit Handelskonflikten und Unsicherheit bei Energiepreisen.
Das Wichtigste
- Deutsche Exporte in die USA sinken im ersten Halbjahr um über sechs Prozent, im ersten Quartal beträgt das Minus zwölf Prozent laut Statistischem Bundesamt.
- Nach den U.S.-Midterms erwarten Analysten mehr politische Verlässlichkeit, der DAX markiert kurzfristig ein Allzeithoch, fällt danach jedoch wieder zurück.
- Brent-Ölpreis sinkt diese Woche unter 100 Dollar je Fass; anhaltende Handelsstreit- und Energiemarktunsicherheiten belasten weiter die deutsche Wirtschaft.
Politische Blockaden und Folgen für Unternehmen
Wie Tagesschau berichtet, bleibt der U.S.-Markt für die deutsche Wirtschaft der wichtigste Absatzmarkt, obwohl die Ausfuhren zuletzt deutlich nachgegeben haben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sinken die Exporte in die Vereinigten Staaten im ersten Halbjahr um gut sechs Prozent, im ersten Quartal liegt das Minus den Daten zufolge sogar bei zwölf Prozent.Ökonomen führen den Rückgang auf die Handelspolitik von U.S.-Präsident Donald Trump zurück, der seit seiner Wiederwahl wiederholt neue Zölle auf Importe verhängt. Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer, sagt im ARD-Morgenmagazin, rund die Hälfte der deutschen Unternehmen vor Ort sehe die dortige Wirtschaftspolitik als größtes Geschäftsrisiko. Für Firmen seien Verlässlichkeit und Kontinuität daher von zentraler Bedeutung.
Das starke Abschneiden der Demokraten bei den Midterms nährt nun die Erwartung, dass politische Entscheidungen berechenbarer werden. An den Finanzmärkten zeigt sich diese Hoffnung zeitweise ebenfalls, der DAX erreicht nach den Wahlen zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch, bevor er im Sog der U.S.-Märkte wieder nachgibt. Analysten setzen darauf, dass die neuen Mehrheiten im Kongress mittelfristig mehr Planungssicherheit schaffen könnten.
Handelsstreit und Ölpreis bleiben Belastungsfaktoren
Volkswirte gehen dennoch davon aus, dass sich der Zollstreit mit den USA fortsetzt. Carsten Brzeski von der ING sagt der ARD-Finanzredaktion, Europa müsse sich auf neue Handelsspannungen einstellen, weil Trump im Inland politisch stärker eingegrenzt sei und deshalb über Außen- und Handelspolitik zusätzliche Aufmerksamkeit suchen dürfte.Auch Jörg Krämer von der Commerzbank sieht eher Risiken für Deutschland, unter anderem durch mögliche neue Angriffe auf Iran und die Folgen für den Ölpreis. Andere Ökonomen erwarten dagegen, dass die Demokraten im Kongress auf eine Entschärfung der Außenpolitik drängen könnten. Holger Schmieding von der Berenberg Bank sagt der ARD-Finanzredaktion, mit einer Deeskalation steige die Wahrscheinlichkeit sinkender Ölpreise, was sowohl die Kaufkraft der Verbraucher als auch die Kostenseite der Unternehmen entlasten würde.
Der Ölpreis gibt in dieser Woche bereits deutlich nach, Brent fällt wieder unter die Marke von 100 Dollar je Fass. Ob sich diese Entspannung fortsetzt, bleibt jedoch offen, womit für die deutsche Wirtschaft sowohl bei Handel als auch bei Energie weiter erhebliche Unsicherheit bestehen bleibt.
In unserem früheren Beitrag zur jüngsten DAX-Preisprognose haben wir gezeigt, wie der Index sich deutlich über wichtigen gleitenden Durchschnitten hielt und von einer klar bullischen technischen Struktur getragen wurde. Dabei standen zentrale Unterstützungen und Widerstände sowie Signale aus Indikatoren wie MACD, ADX und RSI im Fokus, inklusive des Hinweises auf teils überkaufte Bedingungen. Die Analyse ordnete die Bewegung als Ausdruck robuster Anlegerstimmung ein und skizzierte mögliche Ausbruchsniveaus für die kurzfristige Richtung.
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