FINMA verschärft den Fokus auf Risiken in der Schweizer Vermögensverwaltung
Die Vermögensverwaltung bleibt eine tragende Ertragssäule des Schweizer Finanzplatzes, während die Aufsicht wegen komplexerer Produkte, geopolitischer Unsicherheit und neuer Technologien genauer hinschaut. FINMA-CEO Stefan Walter verbindet den stärkeren Fokus auf Kundenschutz und Risikomanagement mit der Bedeutung des Sektors für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz und des Tessins.
Das Wichtigste
- FINMA betont erhöhte Aufsichtsintensität wegen steigender Risiken bei Anlageberatungs- und Vermögensverwaltungsmandaten über 2'500 Milliarden Franken bis Ende 2025.
- Aufsichtsfälle in der individuellen Vermögensverwaltung stiegen von sieben Fällen 2023 auf 60 im Vorjahr, vor allem aufgrund mangelhafter Eignungsprüfungen komplexer Produkte.
- FINMA fokussiert künftig auf risikobasierte Kontrollen bei grösseren, komplexeren Instituten und adressiert Interessenkonflikte, Gebührenstrukturen sowie KI-Einsatz als neue Schwerpunkte.
Aufsichtsprioritäten in einem Schlüsselgeschäft
Wie FINMA am Donnerstag in einem Redetext von CEO Stefan Walter ausführt, betreuten Banken und Wertpapierhäuser in der Schweiz Ende 2025 rund 2'500 Milliarden Franken an Kundenvermögen im Rahmen von Anlageberatungs- und Vermögensverwaltungsmandaten. Das entspreche rund 43 Prozent der aus der Schweiz aktiv betreuten Anlagevermögen, wobei fast jeder zweite aktiv betreute Anlagefranken aus dem Ausland stamme.Für den Finanzplatz Tessin nennt die Behörde ebenfalls hohe grenzüberschreitende Anteile. Banken und Wertpapierhäuser im Kanton betreuten Ende vergangenen Jahres rund 33 Milliarden Franken an Kundenvermögen in Beratungs- und Vermögensverwaltungsmandaten, davon 70 Prozent aus dem Ausland. Insgesamt verwalten Institute im Tessin laut den vorgelegten Zahlen rund 95 Milliarden Franken in Form von Anlageberatungs- oder Vermögensverwaltungsdienstleistungen, rund 75 Prozent davon mit ausländischer Herkunft.
Über alle Lizenzkategorien hinweg erhebt die FINMA seit zwei Jahren branchenübergreifend Daten zur Vermögensverwaltung. Per Ende 2025 beläuft sich das Volumen von individuellen Vermögensverwaltungsmandaten und verwalteten Fondsvermögen demnach auf rund 4'222 Milliarden Franken. Rund die Hälfte entfällt auf Fondsvermögen, die andere Hälfte auf individuelle Mandate, während Verwalter von Kollektivvermögen mit 38 Prozent den grössten Anteil halten und Banken sowie Wertpapierhäuser mit 32 Prozent oder rund 1'370 Milliarden Franken folgen.
Die Behörde begründet ihre stärkere Aufmerksamkeit mit wiederkehrenden Risiken in der individuellen Vermögensverwaltung. Walter verweist auf eine im Juni veröffentlichte Aufsichtsmitteilung zu Risiken beim Einsatz von Produkten, nachdem Fälle mit festgestellten Mängeln oder Meldungen aus der Aufsicht deutlich zugenommen haben. Die Zahl solcher Aufsichtsfälle stieg von sieben im Jahr 2023 auf 32 im Jahr 2024 und auf 60 im vergangenen Jahr, wobei die FINMA betont, dass diese Fälle nur einen kleinen Teil des Marktes betreffen und kein Gesamturteil über die Branche erlauben.
Kundenschutz, Interessenkonflikte und Marktfolgen
Im Zentrum der beanstandeten Muster stehen nach Angaben der FINMA komplexe, risikoreiche oder illiquide Produkte, deren Eignung für Kundinnen und Kunden teils nicht ausreichend geprüft worden sei. Genannt werden unter anderem ausländische Fonds ohne gleichwertige Aufsicht, strukturierte Produkte wie Actively Managed Certificates sowie Produkte nicht regulierter ausländischer Emissions- oder Strukturierungsgesellschaften. In einzelnen Fällen seien erhebliche Verluste entstanden, die nicht mit Risikoprofil und Risikobereitschaft der betroffenen Kundschaft vereinbar gewesen seien.Die Behörde hebt hervor, dass nicht bestimmte Produktkategorien pauschal ausgeschlossen werden sollen. Entscheidend sei vielmehr, ob finanzielle Verhältnisse, Anlageziele sowie Kenntnisse und Erfahrungen der Kundin oder des Kunden in die Eignungsprüfung einbezogen werden und ob die Risiken während der gesamten Mandatsdauer laufend überwacht werden. Das gelte besonders bei weniger finanzkundigen Privatkundinnen und Privatkunden sowie dort, wo Vermögensverwalter oder Banken komplexe Instrumente einsetzen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Interessenkonflikten. Die FINMA nennt intransparente doppelte Gebührenbelastungen, Vergütungsanreize zugunsten eigener Produkte, ungenügende Diversifikation und fehlende objektivierte Selektionsprozesse für Finanzinstrumente als beobachtete Schwachstellen. Gerade Banken seien hier besonders gefordert, weil sie häufig gleichzeitig als Vermögensverwalterin, Produktanbieterin, Vertriebsträgerin und Depotbank auftreten.
Für den Sektor leitet die Aufsicht daraus einen risikobasierten und proportionalen Ansatz ab. Die FINMA will die Intensität ihrer Kontrollen dort konzentrieren, wo Grösse, Komplexität und Risikoprofil eines Instituts dies erfordern, und stützt sich dabei auf Datenanalysen, Frühwarnindikatoren, Aufsichtsgespräche, Deep Dives, Vor-Ort-Kontrollen und gegebenenfalls Stresstests. Nach Darstellung Walters soll dieser Ansatz nicht nur Anleger schützen, sondern auch Reputation, Integrität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes sichern, während der Einsatz künstlicher Intelligenz bereits als nächstes wichtiges Aufsichtsthema in den Vordergrund rückt.
In unserem früheren Beitrag zur geplanten Novelle des deutschen Kartellrechts haben wir die Anhörung im Bundestag eingeordnet, in der Fachleute die Reformvorschläge kontrovers bewerteten. Im Fokus standen das neue Vergabescreening zur besseren Aufdeckung von Absprachen bei öffentlichen Ausschreibungen sowie die geplante Anhebung der Schwellenwerte in der Fusionskontrolle, die nach Einschätzung mehrerer Sachverständiger auch neue Kontrolllücken schaffen könnte.
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