Deutschland warnt vor wachsendem China-Druck auf die Autoindustrie
Die Debatte über Chinas Industriepolitik verschärft sich in Deutschland, weil der Wettbewerbsdruck auf die heimische Auto- und Zulieferindustrie weiter zunimmt. Ein Ökonom des Centre for European Reform sieht darin ein Risiko für Millionen Industriearbeitsplätze in Deutschland und der EU und drängt auf rasche Gegenmaßnahmen.
Höhepunkte
- Sander Tordoir warnt, dass Chinas Produktionskapazität von 55 Millionen Autos jährlich etwa 65 Prozent des Weltmarktes entspricht und deutschen Unternehmen erheblich schadet.
- Laut Institut der deutschen Wirtschaft hat China seit 2019 rund 400.000 Industriearbeitsplätze in Deutschland vernichtet, und die EU sieht 29 Millionen Jobs europaweit durch chinesische Überproduktion bedroht.
- Die EU erwägt als Schutzmaßnahmen gegen den China-Druck Ausgleichszölle auf stark steigende chinesische Importe und gezielte Subventionen für deutsche Unternehmen.
Warnung vor Chinas Industrieoffensive
Wie BILD berichtet, warnt Sander Tordoir, Chefökonom der Denkfabrik Centre for European Reform, vor einem neuen „China-Schock“ für die deutsche Wirtschaft. Er argumentiert, Peking verfolge seit Jahren industriepolitische Programme, die darauf zielen, Importe aus Deutschland durch heimische Produktion zu ersetzen und anschließend Weltmärkte zu erobern.Besonders gefährdet seien nach seiner Einschätzung kleine und mittelgroße Unternehmen, die hochspezialisierte Industrieprodukte herstellen. Deutschland gelte für China als industrielles Vorbild, während die starke Präsenz deutscher Unternehmen im chinesischen Markt zugleich den Technologietransfer erleichtert habe.
Tordoir beziffert Chinas Produktionskapazität auf 55 Millionen Autos pro Jahr und verweist darauf, dass dies rund 65 Prozent des globalen Automarktes entspreche. Nach seiner Darstellung verliert Deutschland derzeit monatlich zwischen 10.000 und 15.000 Industriearbeitsplätze, wobei China ein wesentlicher Faktor dieser Entwicklung sei.
Druck auf Jobs und mögliche EU-Reaktion
Weitere Schätzungen deuten auf breitere Folgen für den Industriestandort hin. Das Institut der deutschen Wirtschaft geht demnach davon aus, dass China Deutschland seit 2019 rund 400.000 Industriearbeitsplätze gekostet hat, während aus der EU-Kommission die Einschätzung kommt, dass 29 Millionen Arbeitsplätze in der EU durch chinesische Überproduktion bedroht sein könnten.Als mögliche Antwort wird in der EU laut Tordoir über Schutzmaßnahmen diskutiert. Dazu zählen Ausgleichszölle in Industrien mit stark steigenden chinesischen Importen sowie mögliche Subventionen für deutsche Unternehmen, damit sie mit der stark staatlich unterstützten Konkurrenz aus China mithalten können.
Tordoir erwartet zwar Gegenreaktionen aus Peking auf solche Schritte. Aus seiner Sicht überwiegt jedoch das Interesse, den Standort Deutschland und die industrielle Basis der Volkswirtschaft zu schützen.
In unserem früheren Beitrag zur unbefristeten Genehmigung für Advanced Nuclear Fuels in Lingen zur Herstellung russischer Brennelemente haben wir beleuchtet, wie stark industriepolitische Entscheidungen mit Fragen der Versorgungssicherheit verknüpft sind. Wir ordneten ein, dass die Produktion zwar den Standort stärkt, zugleich aber wegen der Nutzung russischer Technik politisch umstritten ist und strenge Sicherheitsauflagen sowie Debatten über Abhängigkeiten und Risiken auslöst.
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