BYD baut Deutschland-Offensive mit Ladenetz, Händlerausbau und Ungarn-Werk aus
Der chinesische E-Autobauer BYD treibt seinen Marktausbau in Deutschland mit einem dichteren Vertriebsnetz, neuen Schnellladestationen und einer europäischen Produktionsbasis voran. Das Unternehmen will bis Ende des Jahres 350 Verkaufs- und Servicestandorte in Deutschland erreichen und ab Oktober erste Modelle mit Flash-Charging-Technologie anbieten.
Höhepunkte
- BYD plant bis Jahresende den Ausbau seines deutschen Händler- und Servicenetzes von aktuell 220 auf 350 Standorte, um Kundennähe zu stärken.
- Die neue Flash-Charging-Technologie soll Batterieladung von zehn auf 97 Prozent in neun Minuten ermöglichen und kommt ab Oktober in BYD-Modellen zum Einsatz.
- Das Werk in Ungarn startet noch 2024 mit einer Kapazität von 150.000 Fahrzeugen jährlich, schafft bis zu 10.000 Arbeitsplätze und unterstützt eine eigene europäische Lieferkette.
Ausbau von Vertrieb, Ladeinfrastruktur und Modellen
Wie zuerst von BILD berichtet, setzt BYD in Deutschland auf eine dreiteilige Expansionsstrategie aus Händlernetz, Ladeinfrastruktur und lokaler Fertigung in Europa. Deutschland-Chef Lars Bialkowski sagt, der Konzern wolle in den kommenden fünf Jahren als europäischer Hersteller wahrgenommen werden.Nach Angaben des Managers wächst das Netz für Verkauf und Service von vor rund einem Jahr 26 oder 27 Standorten auf inzwischen 220. Bis Ende des Jahres soll die Zahl auf 350 steigen, weil viele Kunden im deutschen und europäischen Markt nur kurze Wege zum nächsten Händler akzeptieren.
Ein zentraler Baustein ist die neue Flash-Charging-Technologie. Bialkowski kündigt an, dass die Batterieladung von zehn auf 97 Prozent in neun Minuten steigen soll. Zunächst kommt die Technik in Modellen der Premiummarke Denza zum Einsatz, darunter Z9 GT und D9, bevor sie ab Oktober auch in ersten BYD-Fahrzeugen verfügbar sein soll.
Damit die Technik praktisch nutzbar wird, plant BYD ein eigenes Netz von Schnellladestationen in Deutschland. Das Ziel liegt laut Bialkowski bei mindestens 300 Standorten, die so schnell wie möglich installiert werden sollen; die erste Anlage steht bereits in Stuttgart, weitere sind unter anderem entlang von Autobahnen und Bundesstraßen vorgesehen.
Europa-Produktion soll Lieferkette und Jobs anschieben
Noch in diesem Jahr soll das neue Werk in Ungarn anlaufen, in dem zunächst die Modelle Dolphin Surf und ATTO 2 gebaut werden. Die Kapazität soll auf rund 150.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen, nach Unternehmensangaben möglicherweise auch darüber hinaus.Parallel führt BYD Gespräche mit rund 600 europäischen Zulieferern, um eine eigene Lieferkette aufzubauen. Allein durch das Werk in Ungarn könnten mittelfristig bis zu 10.000 Arbeitsplätze in Europa entstehen.
Ein Produktionsstandort in Deutschland ist derzeit nicht geplant. Der Fokus liegt nach Aussagen des Deutschland-Chefs zunächst auf dem Hochlauf in Ungarn, während der Konzern seine Europa-Offensive im wettbewerbsintensiven Automarkt weiter ausbaut.
Die Warnung vor einem „China-Schock“ für die deutsche Autoindustrie stand im Mittelpunkt unseres früheren Beitrags: Ein Ökonom skizzierte, wie Chinas massiv ausgebaute Produktionskapazitäten den Wettbewerbsdruck auf Hersteller und Zulieferer in Deutschland und der EU erhöhen und damit Arbeitsplätze gefährden könnten. Zudem beleuchteten wir, welche Gegenmaßnahmen in der EU diskutiert werden – etwa Ausgleichszölle auf stark steigende Importe sowie gezielte Subventionen, um die heimische Industrie zu stützen.
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