EZB warnt: Energieschock könnte Inflation in der Eurozone länger hoch halten

EZB warnt: Energieschock könnte Inflation in der Eurozone länger hoch halten
EZB warnt vor Inflation

Steigende Öl- und Gaspreise verändern die Einschätzung der Europäischen Zentralbank zu Inflation und Wachstum, da die Eurozone mit einer zweiten Welle steigender Energiekosten konfrontiert ist. Die EZB erwartet nun, dass der Schock länger anhalten wird als im März angenommen, wobei die Inflation voraussichtlich länger erhöht bleiben dürfte, bevor sie sich ab Mitte 2027 wieder dem Zielwert annähert.

Das Wichtigste

  • EZB-Direktoriumsmitglied Philip R. Lane warnt, dass ein erneuter Anstieg der Energiepreise die Inflation in der Eurozone voraussichtlich länger als bisher erwartet erhöht halten wird.
  • Lane erklärt, dass der energiebedingte Preisdruck voraussichtlich die Kosten für Lebensmittel, Strom und Waren erhöhen wird, während die Dienstleistungsinflation vorerst begrenzt bleibt.
  • Das Basisszenario der EZB erwartet ein moderates europäisches Wachstum, das durch Staatsausgaben gestützt wird, warnt jedoch, dass ein stärkerer oder länger anhaltender Energieschock die Wirtschaftstätigkeit weiter einschränken könnte.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Anstieg der Energiepreise verändert EZB-Ausblick

Wie die EZB berichtet, erklärt Direktoriumsmitglied Philip R. Lane, dass die Zentralbank nach einem ersten Anstieg im März und April sowie einer vorübergehenden Entspannung im Sommer eine zweite Welle steigender Energiepreise beobachtet. Er sagt, erneute geopolitische Risiken trieben sowohl die Öl- als auch die Gaspreise nach oben und führten dazu, dass die EZB den Energieschock als hartnäckiger einschätze, als die Märkte zu Jahresbeginn erwartet hatten.

Lane erklärt, die EZB habe am 10. September darauf hingewiesen, dass der länger anhaltende Schock bedeute, dass die Inflation wahrscheinlich länger erhöht bleiben werde. Während sich der Preisdruck zwischen Februar und heute noch nicht breit von Energie auf andere Kategorien ausgeweitet habe, werde der erneute Anstieg der Energiekosten voraussichtlich die Preise für Lebensmittel, Strom und Waren allgemein erhöhen, während der Druck bei Dienstleistungen begrenzt bleibe.

Zum wahrscheinlichen Verlauf der Krise sagt Lane, die EZB treffe keine politische Einschätzung, sondern nutze die Marktpreise für Öl und Gas als Ausgangsszenario. Diese Marktkurven deuteten auf eine gewisse Entspannung später in diesem Jahr hin, auch wenn sich die Bedingungen voraussichtlich nicht normalisierten und die Unsicherheit rund um dieses Szenario hoch bleibe.

Wachstumsstützen gleichen einen Teil der wirtschaftlichen Belastung aus

Das Basisszenario der EZB bleibt, dass die europäische Wirtschaft bei einer weiteren Verschärfung des Energieschocks in diesem Herbst weiterhin in einem stabilen, aber moderaten Tempo wachsen sollte. Lane sagt, ein größerer und anhaltenderer Schock würde die Wirtschaftstätigkeit bremsen, verweist aber auch auf Unterstützung durch Staatsausgaben in Teilen Europas, darunter Deutschlands Infrastruktur- und Verteidigungspaket sowie das Programm Next Generation EU.

Er sagt zudem, Europa könne weiterhin von künstlicher Intelligenz profitieren, auch wenn es nicht im Zentrum der globalen KI-Aktivitäten stehe, da genügend europäische Unternehmen in diesem Sektor tätig seien. Seiner Ansicht nach schaffe KI für Beschäftigte in einigen Berufen Unsicherheit, sollte jedoch insgesamt den Lebensstandard erhöhen und einen positiven Nettoeffekt auf die Gesamtwirtschaft haben.

Zu den öffentlichen Finanzen erklärt Lane, Deutschland verfüge über den fiskalischen Spielraum für seine zusätzlichen Ausgaben, während das Programm Next Generation EU anders gelagert sei, da es sich um spezifische europäische Finanzierung handle und nicht dieselben Bedenken hinsichtlich der Schuldentragfähigkeit aufwerfe. Er fügt hinzu, dass der Impuls durch Staatsausgaben vorübergehend sei und mit der Zeit nachlassen werde.

In unserem früheren Bericht über Frankreichs Forderung nach EU-Maßnahmen zur Eindämmung steigender Energiekosten erläuterten wir, wie Paris Brüssel dazu drängte, Maßnahmen zur Preissenkung zu beschleunigen, während es zugleich eine einjährige Verschiebung der neuen Regeln für Methanimporte anstrebte. Der Artikel beschrieb Vorschläge zur Lockerung bestimmter Anforderungen an Raffinerien, um die Produktion von Flugtreibstoff und Diesel zu steigern, gemeinsame EU-Beschaffungen auszuweiten und den Einsatz von Biokraftstoffen zu verbreitern – und wies zugleich auf Frankreichs begrenzten Spielraum für umfassende Entlastungen der Verbraucher aufgrund seines Haushaltsdefizits hin.

Dieses Material kann Meinungen Dritter enthalten, keine der Daten und Informationen auf dieser Webseite stellt eine Anlageberatung gemäß unserem Haftungsausschluss dar. Obwohl wir uns an strikte redaktionelle Integrität halten, kann dieser Beitrag Verweise auf Produkte unserer Partner enthalten.