EZB hebt Fortschritte bei der KI-Nutzung und finanzielle Risiken für Europa hervor

EZB hebt Fortschritte bei der KI-Nutzung und finanzielle Risiken für Europa hervor
EZB zu KI-Chancen und -Risiken

Europas Bestreben, die wirtschaftlichen Vorteile künstlicher Intelligenz zu nutzen, schreitet uneinheitlich voran: Unternehmensinvestitionen und der Einsatz am Arbeitsplatz nehmen zu, doch die Belege für gesamtwirtschaftliche Produktivitätsgewinne bleiben begrenzt. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank prägt die Technologie bereits die wirtschaftliche Aktivität, die Dynamik am Arbeitsmarkt und die Finanzierungsbedingungen im Euroraum, obwohl die Region bei KI-Kapazitäten hinter den USA und Ostasien zurückliegt.

Das Wichtigste

  • Die EZB berichtet, dass Unternehmen im Euroraum 2025 etwa 10 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen für KI bereitstellen werden, wobei 64 Prozent KI experimentell oder in moderatem Umfang nutzen.
  • Europas KI-Entwicklung liegt hinter den USA und Ostasien zurück: Die digitalen Investitionen in den USA wachsen doppelt so schnell, und dort befinden sich 75 Prozent der weltweiten KI-Rechenkapazität, gegenüber 5 Prozent in Europa.
  • Die EZB warnt, dass der globale Boom bei KI-Investitionen die langfristigen Zinssätze erhöht, die Finanzierungsbedingungen im Euroraum verschärft und makroökonomische sowie Stabilitätsrisiken im Zusammenhang mit KI-Aktienbewertungen und der Emission von Schuldtiteln steigert.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

EZB-Bewertung des KI-Übergangs in Europa

Wie die Europäische Zentralbank berichtet, beeinflusst KI die Wirtschaft des Euroraums bereits durch höhere Unternehmensinvestitionen, das Wachstum digitaler Dienstleistungen und die starke weltweite Nachfrage nach europäischen Komponenten und Investitionsgütern, die mit der KI-Lieferkette verbunden sind.

Die EZB geht davon aus, dass Unternehmen in diesem Jahr rund 10 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen für KI aufwenden werden. In ihrer Umfrage über den Zugang von Unternehmen zu Finanzmitteln für das vierte Quartal 2025 geben 64 Prozent der Unternehmen an, KI entweder experimentell oder in moderatem Umfang einzusetzen, während 7 Prozent ihre Nutzung als erheblich bezeichnen. Von den Unternehmen, die in den kommenden 12 Monaten KI-bezogene Investitionen planen, erwarten 49 Prozent Ausgaben für KI-Technologien und -Tools, 46 Prozent für Mitarbeiterschulungen, 40 Prozent für Daten und Infrastruktur und 12 Prozent für die Einstellung von KI-Spezialisten.

Die Zentralbank erklärt zudem, Daten aus Haushaltsbefragungen zeigten, dass sich der Anteil der Beschäftigten, die KI am Arbeitsplatz nutzen, in den vergangenen zwei Jahren von 26 Prozent im Jahr 2024 auf 52 Prozent verdoppelt habe. Beschäftigte berichten von spürbaren Zeiteinsparungen, auch wenn sich diese Vorteile weiterhin auf bestimmte Branchen und spezialisierte Aufgaben wie das Programmieren konzentrieren. Die EZB fügt hinzu, dass sie bislang keine größere Verschiebung der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungstrends beobachte, doch verhaltene Einstellungspläne belasteten die Aussichten für Hochschulabsolventen, und die Substitution durch KI könne die Verhandlungsmacht der Beschäftigten mit der Zeit schwächen.

Wettbewerbslücke und politische Auswirkungen

Nach Angaben der EZB bleibt der KI-Ausbau in Europa hinter dem Boom in den USA und Ostasien zurück, was Folgen für Wachstum, Kapitalmärkte und Geldpolitik hat. In den vergangenen zwei Jahren sind die digitalen Investitionen in den USA doppelt so schnell gewachsen wie im Euroraum, während US-Beschäftigte zwei- bis dreimal so viel ihrer Arbeitswoche mit der Nutzung von KI verbringen wie Beschäftigte in den größten Volkswirtschaften des Euroraums.

Unter Verweis auf den Stanford AI Index stellt die EZB fest, dass die USA und China jeweils 59 beziehungsweise 35 bedeutende KI-Modelle hervorgebracht haben, während Frankreich und das Vereinigte Königreich jeweils eines entwickelt haben. Zudem befinden sich 75 Prozent der weltweiten KI-Rechenkapazität in den USA, gegenüber 5 Prozent in Europa. Nach Einschätzung der EZB könnten diese Asymmetrien zu stärkeren wirtschaftlichen und geopolitischen Spannungen führen, auch wenn der Handel dazu beiträgt, einige Vorteile der KI zu verbreiten.

Die Bank erklärt, der weltweite Boom bei KI-Investitionen trage wahrscheinlich zu höheren langfristigen Zinssätzen bei und treibe die Preise für KI-bezogene Komponenten wie Halbleiter nach oben. Für den Euroraum bedeuten Übertragungseffekte auf die Anleihemärkte eine spürbare Verschärfung der Finanzierungsbedingungen, wodurch KI-bezogene Kapitalströme und Bewertungen für den geldpolitischen Kurs der EZB relevant werden. Sie fügt hinzu, dass hohe Aktienbewertungen von KI-Unternehmen und ein Anstieg der Emission KI-gebundener Schuldtitel ebenfalls Risiken für die Makroökonomie und die Finanzstabilität bergen, falls die Erwartungen an den KI-Fortschritt nachlassen oder sich die Anlegerstimmung verschlechtert.

Die EZB erklärt, dass sie auch eine eigene interne Agenda zur KI-Einführung verfolgt, um ihre Analysekapazität und organisatorische Effizienz zu verbessern. Sie verknüpft diese Arbeit mit ihrer umfassenderen Digitalisierungsstrategie, einschließlich des digitalen Euro sowie ihrer Projekte Pontes und Appia, und betont zugleich, dass Europa viel gewinnen kann, wenn der KI-Übergang durch Preisstabilität und Finanzstabilität verankert wird.

In unserem früheren Artikel über die Aussagen des EZB-Chefvolkswirts Philip Lane zu KI erläuterten wir, wie eine breitere KI-Nutzung die Verhandlungsmacht der Beschäftigten schwächen und zu einem langsameren Lohnwachstum beitragen könnte, selbst wenn die Inflation über dem Zielwert bleibt. Wir wiesen auch auf seine Warnung hin, dass umfangreiche Unternehmensverschuldung zur Finanzierung von KI-Investitionen die Finanzierungsbedingungen verschärft und die langfristigen Anleiherenditen anhebt, wodurch KI-bedingte Übertragungseffekte für geldpolitische Entscheidungen der EZB zunehmend relevant werden.

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