Bundesagentur für Arbeit will Westbalkan-Kontingent bei Arbeitsmigration unverändert lassen
Vor dem geplanten Eingriff in die Zuwanderungsregeln verschärft sich die Debatte über die Rolle von Arbeitskräften aus den Westbalkanstaaten für den deutschen Arbeitsmarkt. Die Bundesagentur für Arbeit warnt, dass eine Halbierung des Kontingents ab Januar 2027 den Fachkräftemangel verstärken und die Personalgewinnung für Unternehmen zusätzlich belasten würde.
Das Wichtigste
- Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt, das jährliche Westbalkan-Kontingent für Arbeitsmigration bei 50.000 zu belassen, da das Volumen bereits im Vorjahr nicht ausreichte.
- Die Bundesregierung plant, das Westbalkan-Kontingent ab Januar 2027 auf 25.000 zu halbieren; die BA warnt vor Schwächung des Modells und erschwerter Fachkräftesuche.
- Im September 2026 arbeiten rund 546.000 Menschen aus Westbalkanstaaten in Deutschland, davon 53 Prozent auf mindestens Fachkraftniveau und 45 Prozent in Engpassberufen.
Kontingentdebatte und Arbeitsmarktdaten
Wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilt, spricht sie sich im laufenden Anhörungsverfahren dafür aus, das jährliche Kontingent der Westbalkanregelung bei 50.000 zu belassen. Nach Darstellung der Behörde ist das derzeit geltende Volumen bereits im Vorjahr nicht ausreichend gewesen, Anträge mussten abgelehnt werden, und auch 2026 wird das Kontingent voraussichtlich noch vor Jahresende ausgeschöpft.Die Bundesregierung beabsichtigt, das Kontingent ab Januar 2027 auf 25.000 zu halbieren. Nach Einschätzung der BA würde das ein bislang erfolgreiches Zuwanderungsmodell schwächen und Unternehmen die Suche nach neuen Arbeitskräften erschweren, insbesondere wenn zusätzliche Investitionen und eine beschleunigte Bautätigkeit umgesetzt werden sollen.
Aktuell, mit Datenstand September 2026, sind nach Angaben der BA rund 546.000 Menschen aus den Westbalkanstaaten in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. In den vergangenen fünf Jahren ist ihre Zahl demnach um 170.000 gestiegen.
Bedeutung für Engpassberufe in Deutschland
Obwohl die Westbalkanregelung keine formale Qualifikation voraussetzt, arbeiten laut BA 53 Prozent der Beschäftigten, das entspricht rund 287.000 Personen, mindestens auf dem Niveau einer Fachkraft. Rund 45 Prozent dieser Fachkräfte sind in definierten Engpassberufen tätig, vor allem am Bau, in Transport und Logistik, in der Gastronomie sowie im Pflegebereich.Die BA wertet dies als Hinweis auf eine hohe Arbeitsmarktintegration und eine starke Nachfrage nach Arbeitskräften aus den Westbalkanstaaten. Die Zustimmung für die Beschäftigung erfolgt durch die BA, wobei die Kontingente auf Monate und Staatsangehörigkeiten verteilt sind und Anträge nur bearbeitet werden können, solange das jeweilige Monatskontingent noch nicht ausgeschöpft ist.
Die 2016 eingeführte Westbalkanregelung ermöglicht Staatsangehörigen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien unter vereinfachten Bedingungen ein Visum für eine Arbeitsaufnahme in Deutschland. Sie gilt für jede Art der Beschäftigung und umfasst auch Helfertätigkeiten.
In unserem früheren Artikel über Investitionshemmnisse in Deutschland haben wir zusammengefasst, welche strukturellen Faktoren aus Sicht der Bundesregierung ausländische Investoren bremsen. Genannt wurden dabei vor allem Bürokratie und Regulierung, lange Genehmigungsverfahren, hohe Energie- und Arbeitskosten sowie der Fachkräftemangel – bei zugleich weiter bestehendem grundsätzlichem Interesse am Standort Deutschland.
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