NRW sieht Risiken für Stromversorgung durch vorgezogenen Braunkohleausstieg

NRW sieht Risiken für Stromversorgung durch vorgezogenen Braunkohleausstieg
Gefahr für Stromversorgung

Mit dem für 2030 geplanten Ende des Braunkohletagebaus im Rheinischen Revier rückt in Nordrhein-Westfalen die Frage nach der Versorgungssicherheit stärker in den Mittelpunkt. Energieökonomen warnen, dass der frühere Ausstieg ohne rechtzeitigen Ersatz durch neue Kraftwerke zu höheren Strompreisen und Engpässen in den folgenden Wintern führen könnte.

Das Wichtigste

  • Der vorgezogene Braunkohleausstieg in NRW bis 2030 birgt laut Energieökonomen erhebliche Risiken für Versorgungssicherheit und steigende Strompreise.
  • Nach der ersten Ausschreibung wurden NRW 2,1 Gigawatt Reservegaskraftwerke zugesprochen, was nur 41 Prozent des Bedarfs deckt; ein Teil startet erst 2031.
  • Eine Entscheidung über weitere Ersatzkapazitäten folgt erst nach der zweiten Ausschreibung 2027, wodurch Unsicherheiten für Industrie und Investoren bis mindestens Frühjahr 2025 bleiben.

Warnungen zum Zeitplan des Ausstiegs

Wie BILD berichtet, sehen zwei führende Energieökonomen erhebliche Risiken im vorgezogenen Braunkohleausstieg in Nordrhein-Westfalen, den der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck 2022 zusammen mit der schwarz-grünen Landesregierung in NRW vereinbart hatte. Nach aktuellem Stand endet der Tagebau im Rheinischen Revier 2030 statt wie ursprünglich 2038.

Der Energieökonom Manuel Frondel sagt dem WDR und dem "Kölner Stadt-Anzeiger", der Ausstieg könne aus seiner Sicht nicht funktionieren, wenn nicht in Kauf genommen werden solle, dass die Versorgungssicherheit leide und die Strompreise weiter stiegen. Er hält es demnach sogar für möglich, dass der Beschluss zum vorgezogenen Kohleausstieg noch revidiert wird, weil niemand Stromknappheiten und stark steigende Preise riskieren wolle.

Auch Andreas Löschel, Energieökonom und Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, mahnt eine erneute Prüfung des Zeitplans an. Nach den Ausschreibungen für Reserve-Gaskraftwerke müsse bewertet werden, ob deren Kapazitäten den Wegfall der Braunkohle tatsächlich ausgleichen können, insbesondere mit Blick auf die Winter 2031 und 2032.

Versorgungslücke belastet Industriestandort

Ein zentrales Problem liegt nach Darstellung der Ökonomen im zeitlichen Abstand zwischen Ausstieg und Ersatzkapazitäten. Zwar wurden Nordrhein-Westfalen in einer ersten Ausschreibung 2,1 Gigawatt zugesprochen, das entspricht 41 Prozent der insgesamt benötigten Leistung, doch ein Teil der Anlagen soll erst 2031 ans Netz gehen, also erst nach dem geplanten Ende der Braunkohleförderung 2030.

Eine zweite Ausschreibung soll 2027 folgen. Erst danach will Bundeswirtschaftsministerin Reiche prüfen, welche Folgen sich daraus ergeben.

Auch auf Landesebene gewinnt das Thema politische Brisanz. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur rechnet dem Bericht zufolge erst zwischen Frühjahr und Frühsommer mit einem Bericht, also nach der NRW-Landtagswahl im April. FDP-Fraktionschef Henning Höne wirft Schwarz-Grün vor, eine Debatte über das Vorhaben bis nach der Wahl hinauszuschieben, um das Projekt eines vorgezogenen Kohleausstiegs nicht vorzeitig infrage stellen zu müssen.

In unserem früheren Artikel zur AfD-Forderung nach einem Stopp des Kohleausstiegs haben wir berichtet, dass die Fraktion im Bundestag eine Rücknahme des Ausstiegs bis Ende 2028 und die weitere Nutzung bestehender Kohlekraftwerke verlangt. Außerdem zielte der Vorstoß auf die Abschaffung des EU-Emissionshandels sowie des nationalen CO2-Preises – mit potenziell weitreichenden Folgen für Industrie, Stromkosten und den klimapolitischen Kurs Deutschlands.

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