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Western Union bereitet die Einführung seines Stablecoins USDPT vor. Noch vor Kurzem zeigte sich das Unternehmen gegenüber Kryptowährungen skeptisch, doch nun will es sich einen Platz in einem rasant wachsenden Markt sichern. Warum benötigt einer der weltweit größten Zahlungsdienstleister einen eigenen Stablecoin, und was bedeutet das für die Branche?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Der Stablecoin USDPT soll voraussichtlich bereits im Mai starten, wie das Management des Unternehmens während des Q1 2026 Earnings Calls mitteilte. Es handelt sich um einen dollarbasierten Token, der auf der Solana blockchain laufen und innerhalb der Unternehmensinfrastruktur eingesetzt werden soll. In der Anfangsphase wird es kein Massenprodukt für Endverbraucher sein. Das Hauptziel ist es, einen Teil des aktuellen Abwicklungssystems zu ersetzen und Überweisungen zwischen Partnern zu beschleunigen.
Derzeit setzt Western Union, wie die meisten Finanzunternehmen, für Abrechnungen mit Agenten auf traditionelle Kanäle wie SWIFT. Das bedeutet Verzögerungen, Abhängigkeit von Banköffnungszeiten und zusätzliche Gebühren. USDPT soll dieses Problem lösen: Transaktionen können rund um die Uhr, auch an Wochenenden, mit schnelleren Bestätigungszeiten abgewickelt werden. Eine Überweisung, die bisher einen Tag oder länger dauerte, könnte so nahezu sofort abgeschlossen werden.
Rund um den Stablecoin werden mehrere Produkte entwickelt. Eines davon ist das Digital Asset Network (DAN), ein System, das Krypto-Wallets mit dem globalen Netzwerk von Western Union verbindet. Das Unternehmen betreibt weltweit über 360.000 Filialen, und über DAN können Nutzer digitale Dollar an diesen Standorten in Bargeld umtauschen.
Ein weiteres Element ist die sogenannte Stable Card, die Western Union später im Jahr einführen will. Sie ermöglicht es Nutzern, Werte in Stablecoins zu speichern und wie gewöhnliche Dollar auszugeben. Der Fokus liegt dabei auf Ländern mit hoher Inflation. In Argentinien beispielsweise, wo die Inflation jährlich 250–300 % erreicht, kann eine Überweisung von $500 innerhalb eines Monats fast die Hälfte ihres Wertes verlieren. In diesem Zusammenhang wird das Halten von Guthaben in digitalen Dollar zu einer praktischen Lösung.
Western Union betritt kein leeres Feld, sondern einen etablierten Markt mit einem Volumen von über $320 Milliarden. Marktführer ist Tether’s USDT mit einer Marktkapitalisierung von rund $190 Milliarden – er dominiert den Handel und wird auf den meisten Krypto-Börsen verwendet. An zweiter Stelle steht Circle’s USDC mit etwa $77 Milliarden Marktkapitalisierung, der aufgrund seiner Transparenz und regulatorischen Ausrichtung häufiger von institutionellen Akteuren und US-Unternehmen genutzt wird.

Top-Stablecoins nach Marktkapitalisierung. Quelle: CoinMarketCap
Doch der Wettbewerb geht über den Kryptobereich hinaus. PayPal hat bereits seinen eigenen Stablecoin PYUSD eingeführt, während Visa und Mastercard aktiv an der Infrastruktur für Stablecoin-Zahlungen und -Abwicklungen arbeiten.
Stablecoins sind zu einem globalen Trend geworden, was inzwischen jedem klar ist. Noch 2018 lehnte Western Union Kryptowährungen offen ab. Hikmet Ersek, damaliger CEO des Unternehmens, erklärte, dass Kunden Bargeld bevorzugen, weil es einfacher zu nutzen sei, und dass Regierungen nicht bereit seien, die Kontrolle über ihre Währungen aufzugeben. Seiner Ansicht nach würde keine Zentralbank ihre Währung zugunsten dezentraler Alternativen aufgeben.
Der Wendepunkt kam 2025, als das Unternehmen begann, die Möglichkeiten des Kryptomarktes zu erkunden. CEO Devin McGranahan sagte in einem Bloomberg-Interview, dass Western Union Stablecoins als „Chance, nicht als Bedrohung“ sehe. Er nannte konkrete Anwendungsfälle: schnellere internationale Überweisungen, Umwandlung zwischen Fiat- und digitalen Vermögenswerten sowie Wertaufbewahrung in Ländern mit instabilen Volkswirtschaften.
Das Unternehmen folgte den Worten mit Taten. Im Herbst 2025 kündigte es Pläne zur Einführung von USDPT und des Digital Asset Network an, und bis 2026 befand sich das Projekt in der Endphase vor dem Start. Gleichzeitig baute Western Union seine Infrastruktur aus, gewann Partner hinzu und erweiterte sein Netzwerk für die Zusammenarbeit mit Krypto-Wallets.
USDPT wird nicht direkt mit USDT oder USDC in deren Kerngeschäft – Handel und Liquidität an Krypto-Börsen – konkurrieren. Diese Stablecoins sind fest im Markt verankert: Sie machen den Großteil des Handelsvolumens aus, werden im DeFi breit genutzt und von nahezu allen großen Plattformen unterstützt.
Stattdessen positioniert sich Western Union an der Schnittstelle zwischen Krypto und realen Zahlungen. Das Unternehmen verfügt über etwas, das den meisten Krypto-Projekten fehlt: ein riesiges globales Netzwerk in mehr als 200 Ländern. Dadurch kann USDPT als „Last-Mile“-Lösung fungieren – digitale Vermögenswerte in Bargeld und umgekehrt umzuwandeln. Ein Nutzer kann beispielsweise Gelder in einem Stablecoin empfangen und sie sofort an einem nahegelegenen Standort auszahlen lassen.
Im Kern testet Western Union, ob ein Stablecoin zum Standard für internationale Massenzahlungen werden kann – und nicht nur ein Werkzeug innerhalb des Kryptomarktes bleibt. Sollte dieses Experiment gelingen, werden andere Zahlungsdienstleister Stablecoins nicht länger ignorieren können.