Bitcoin-Kursprognose von Standard Chartered: Von 500.000 Dollar zur neuen Realität
Im Laufe des vergangenen Jahres hat Standard Chartered seine Bitcoin-Kursprognose mehrfach revidiert – von Erwartungen neuer Allzeithochs hin zum Risiko eines anhaltenden Abschwungs. Diese Kehrtwende spiegelt die sich wandelnden Marktbedingungen und die schwächere Nachfrage seitens Großinvestoren wider. Warum also verliert eine der weltweit größten Banken das Vertrauen, und was ist nun von Bitcoin zu erwarten?
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Eine 500.000-Dollar-Wette
Anfang 2025 gab Standard Chartered eine der aggressivsten Prognosen auf dem Markt ab: Bitcoin könnte vor dem Ende von Donald Trumps Amtszeit als Präsident im Jahr 2029 500.000 US-Dollar erreichen. Die Bank stützte sich dabei nicht auf Hype, sondern auf die wachsende Beteiligung neuer Arten von Investoren – vor allem institutioneller und staatlicher Einrichtungen.
Analyst Geoffrey Kendrick stützte sich auf behördliche Unterlagen, die zeigen, wie große Fonds ihre Vermögenswerte verwalten. Ihm zufolge begannen staatliche Fonds und regierungsnahe Einrichtungen im ersten Quartal 2025, ihr indirektes Engagement in Bitcoin zu erhöhen. So bauten beispielsweise Pensionsfonds in Norwegen, der Schweiz und Südkorea über MicroStrategy-Aktien Positionen auf – jeweils im Wert von etwa 700 BTC. US-amerikanische staatliche Pensionsfonds fügten weitere 1.000 BTC hinzu.
Direkte ETF-Investitionen fielen schwächer aus, doch die Bank sah darin kein Problem, sondern einen Trend in der Anfangsphase. Kendrick wies auf eine strukturelle Verschiebung der Nachfrage hin:
„Da immer mehr Anleger Zugang zu dieser Anlageklasse erhalten und die Volatilität sinkt, gehen wir davon aus, dass sich die Portfolios von einer Untergewichtung in BTC hin zu ihrem optimalen Niveau bewegen werden.“
Die Kernidee war, dass Bitcoin allmählich zu einem festen Bestandteil von Anlageportfolios wird. Institutionen sind noch untergewichtet, und mit wachsendem Vertrauen werden sie ihr Engagement erhöhen. Laut Standard Chartered könnte dieser Prozess Bitcoin letztendlich auf 500.000 US-Dollar treiben.
Ein Kursziel von 200.000 US-Dollar und ein neuer Zyklus
Bis Mitte 2025 verlagerte Standard Chartered seinen Fokus auf kurzfristigere Ziele. Die Bank erwartete, dass Bitcoin im dritten Quartal ein neues Allzeithoch von rund 135.000 US-Dollar erreichen und bis zum Jahresende die 200.000-Dollar-Marke überschreiten würde.
Die entscheidende Veränderung bestand darin, das traditionelle Vier-Jahres-Halbierungszyklus-Modell aufzugeben. Historisch gesehen erreichte Bitcoin 12 bis 18 Monate nach einem Halving seinen Höchststand und trat dann in eine Korrekturphase ein. So erreichte Bitcoin beispielsweise nach dem Halving im Juli 2016 Ende 2017 seinen Höchststand, bevor es wieder fiel.
Nach dieser Logik hätte das Halving im April 2024 bis Ende 2025 zu einer Marktschwäche führen müssen. Standard Chartered argumentierte jedoch, dass dieses Muster nicht mehr zutrifft. Die Bank ist der Ansicht, dass sich der aktuelle Zyklus grundlegend unterscheidet und historische Muster keine verlässlichen Indikatoren mehr sind.
Vor diesem Hintergrund erwarteten die Analysten ein anhaltendes Wachstum ohne eine typische tiefe Korrektur. Die Prognose von 200.000 US-Dollar für 2025 wurde nicht als Höchststand, sondern als Mittelpunkt eines längerfristigen Aufwärtstrends angesehen.
Eine deutliche Korrektur der Erwartungen
Bis Ende 2025 änderte sich der Ton bei Standard Chartered erheblich. Die Bank halbierte ihre Bitcoin-Prognose für 2025 – von 200.000 $ auf 100.000 $. Sie senkte auch die Prognosen für die folgenden Jahre: 150.000 $ für 2026, 225.000 $ für 2027 und 300.000 $ für 2028. Das 500.000-Dollar-Ziel wurde auf etwa 2030 verschoben.
Hauptgrund war die schwächer als erwartete Nachfrage seitens großer Investoren. Die Bank stellte fest, dass die aggressiven Käufe von Treasury-Unternehmen weitgehend auslaufen würden, während die institutionelle Akzeptanz über ETFs langsamer als erwartet zunahm. Dies wirkte sich direkt auf den wichtigsten Preistreiber aus.
Die Zahlen bestätigen diese Verschiebung: Die Zuflüsse in Bitcoin-ETFs beliefen sich im vierten Quartal 2025 auf insgesamt rund 50.000 BTC – der niedrigste Stand seit der Einführung. Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2024 erreichten die kombinierten Zuflüsse (einschließlich Unternehmenskäufe) 450.000 BTC – fast neunmal so viel.
Anfang 2026 wurde der Ausblick noch vorsichtiger. Standard Chartered deutete an, dass Bitcoin kurzfristig auf 50.000 USD oder darunter fallen könnte. Als einen Grund wurde das Verhalten der ETF-Anleger angeführt: Seit Oktober wurden etwa 100.000 BTC abgezogen, während der durchschnittliche Einstiegspreis bei rund 90.000 USD lag. Das bedeutet, dass viele Anleger Verluste hinnehmen müssen, was den potenziellen Verkaufsdruck erhöht. Die
makroökonomischen Bedingungen sorgten für zusätzlichen Druck. Die Bank verwies auf die Unsicherheit in der US-Wirtschaft und eine geringe Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen in naher Zukunft. Infolgedessen wurden die Erwartungen hinsichtlich erneuter Kapitalzuflüsse in die Kryptomärkte zurückgeschraubt.
Vom Optimismus zur Vorsicht
Die Entwicklung der Prognosen von Standard Chartered zeigt deutlich, wie schnell sich der Bitcoin-Markt verändert. Anfang 2025 setzte die Bank auf umfangreiche institutionelle Zuflüsse und eine steigende Portfolioallokation in BTC und stützte damit ein Kursziel von 500.000 US-Dollar. Bis zur Jahresmitte verlagerte sich der Fokus auf einen schnelleren Zyklus und einen Meilenstein von 200.000 US-Dollar, doch bis zum Jahresende wurde klar, dass die wichtigsten Treiber – insbesondere die Nachfrage von Fonds und Unternehmen – schwächer ausfielen als erwartet.
Infolgedessen mussten die Prognosen an eine neue Realität angepasst werden: langsamere Kapitalzuflüsse, makroökonomischer Druck und ein sich wandelndes Anlegerverhalten. Wichtig ist, dass die Bank ihren langfristig optimistischen Ausblick nicht aufgegeben hat – sie hat lediglich den Zeitrahmen verlängert und die Wachstumserwartungen gesenkt. Dies macht die aktuelle Situation umso aussagekräftiger: Der Bitcoin-Markt reift, und selbst die optimistischsten Prognosen hängen nun von realen Kapitalströmen ab, nicht nur von Erwartungen.
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