Energiepreisschock belastet Deutschland, Grimm warnt vor Tankrabatt
Steigende Gas- und Ölpreise infolge des Nahostkonflikts setzen Verbraucher und Unternehmen in Deutschland unter Druck, zugleich rücken neue staatliche Entlastungsdebatten in den Fokus. In einem Interview mit BILD ordnet die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm die Lage ein, mahnt zu Zurückhaltung bei kurzfristigen Eingriffen und verweist auf wachsende Risiken für Inflation, Industrie und Bundeshaushalt.
Höhepunkte
- Gaspreise in Deutschland sind um 90 Prozent gestiegen, während auch Ölpreise zulegen und neue Inflationsrisiken durch den Iran-Konflikt drohen.
- Höhere Energiepreise verschärfen den Kostendruck auf die energieintensive Industrie, fördern Produktionsverlagerungen und führen zu signifikantem Stellenabbau.
- Grimm warnt vor übereilten Entlastungsmaßnahmen, da der Schuldenstand bis 2030 auf 80 Prozent des BIP steigen und fiskalischer Spielraum sinken könnte.
Preissignale und Inflationsrisiko im Blick
Grimm betont, es sei derzeit unklar, wie lange der Konflikt im Iran andauern werde und warnt vor übereilten politischen Maßnahmen, wie ein Bericht von BILD zeigt. Sie verweist auf einen Anstieg der Gaspreise um 90 Prozent, während sich auch bei den Ölpreisen Bewegung zeige. Die Diskussion über einen Tankrabatt hält sie für verfrüht, weil ein solcher Eingriff den Energieverbrauch künstlich höher halte als es bei Marktpreisen der Fall wäre. Sollte der Konflikt über Wochen anhalten, sieht sie Potenzial für neuen Inflationsdruck, auch vor dem Hintergrund der zuletzt erlebten Hochinflationsphase.Energieintensive Industrie unter zusätzlichem Kostendruck
Für die energieintensive Industrie beschreibt Grimm eine ohnehin angespannte Ausgangslage, in der Investitionen in Deutschland bereits als unattraktiv wahrgenommen würden. Teilweise werde Produktion zurückgefahren, zudem gebe es in signifikantem Ausmaß Jobabbau und Verlagerungen von Produktion. Höhere Energiepreise könnten diese Entwicklung nach ihrer Einschätzung weiter verstärken. Sie unterstreicht zugleich, dass die Rahmenbedingungen generell unattraktiv seien und es strategischer Antworten bedürfe, statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen.Staatliche Hilfen, Schuldenbremse und fiskalische Grenzen
Statt sofortiger Entlastungsschritte empfiehlt Grimm, zunächst Szenarien vorzubereiten und dabei Lehren aus der Energiekrise zu ziehen. Sie kritisiert, dass in der Vergangenheit teils mit der Gießkanne gearbeitet und sehr viel Geld ausgegeben worden sei, während neue Schuldenspielräume den Druck zu zusätzlichen Ausgaben erhöhen könnten. Der finanzpolitische Spielraum sei nicht mehr so groß wie früher, weshalb sorgfältiger mit Mitteln umgegangen werden müsse. Grimm warnt, der Schuldenstand könne bis 2030 auf 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder darüber steigen, und verweist auf steigende Ausgabenlasten durch Sozialsysteme sowie höhere Zins- und Verteidigungskosten.Wir berichteten zuvor über die internen Vorbereitungen der Bundesregierung auf mehrere mögliche Entwicklungen im Konflikt mit Iran. Dabei standen drei Szenarien im Fokus, die von einer Kapitulation der iranischen Führung über eine innere Eskalation bis hin zu einer Machtübernahme durch das iranische Volk reichen, ohne dass konkrete Maßnahmen oder Zeitpläne genannt wurden. Zudem thematisierten wir den deutlichen Ölpreisanstieg im Zuge der Spannungen und die Sorge vor Lieferunterbrechungen über die Straße von Hormuz.
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