Baden-Württemberg steuert nach erster ARD-Hochrechnung auf Regierungswechsel unter Grünen-Kurs zu
Mit der Landtagswahl im Südwesten ist das Superwahljahr 2026 am Sonntagabend in eine entscheidende Phase gestartet, erste Zahlen nach Schließung der Wahllokale deuten auf eine enge Machtverschiebung hin. Grundlage sind die von der ARD um 18.50 Uhr veröffentlichte erste Hochrechnung sowie Statements aus der Sendung. Demnach liegt der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir vor der CDU, während SPD und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern drohen und die AfD deutlich zulegt.
Höhepunkte
- Die Grünen erreichen laut erster ARD-Hochrechnung 31,8 Prozent und könnten mit einem Wechsel Özdemir statt Kretschmann den Regierungschef stellen.
- Die CDU steigt auf 29,6 Prozent, SPD und FDP drohen mit 5,5 beziehungsweise 4,4 Prozent am Wiedereinzug in den Landtag zu scheitern.
- Die AfD legt auf 17,7 Prozent zu und wird drittstärkste Kraft, während FDP und SPD ihre schlechten Werte bundespolitisch als Warnsignal interpretieren.
Erste Hochrechnung, Stimmenanteile und Signalwirkung
Nach der ersten ARD-Hochrechnung (18.50 Uhr) kommen die Grünen auf 31,8 Prozent, nach 32,6 Prozent bei der Wahl 2021. Die CDU erreicht demnach 29,6 Prozent, nach 24,1 Prozent im Jahr 2021, und rückt damit nahe an die Grünen heran (wie auch von BILD berichtet wird). Sollten sich die Zahlen bestätigen, könnte Cem Özdemir Ministerpräsident werden und damit Winfried Kretschmann ablösen, der nach 15 Jahren im Amt abtritt. Özdemir reagierte zurückhaltend, sagte aber: „Darüber kann man sich freuen.“ Zudem kündigte er an, er wolle das Land „ums Landeswohl“ führen und nicht „ums Parteiinteresse“.Reaktionen der Parteien und Koalitionsdruck
CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel zeigte sich enttäuscht und erklärte: „Alle Christdemokraten haben MIT ANSTAND alles in diesem Wahlkampf gegeben.“ Zugleich verwies der CDU-Teil der Debatte auf Spannungen aus den letzten Tagen des Wahlkampfs, in denen die Union den Grünen eine Schmutzkampagne gegen Hagel unterstellt hatte. Die SPD steht laut Prognose bei 5,5 Prozent und muss damit um den Wiedereinzug bangen, nachdem sie 2021 noch auf 11 Prozent kam. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sagte in der ARD: „Wir sind total unter die Räder gekommen“, und führte dies auf den Zweikampf zwischen Grünen und CDU zurück. Auch die FDP droht mit 4,4 Prozent aus dem Landtag zu fliegen, die Linke liegt ebenfalls bei 4,4 Prozent und wäre damit voraussichtlich ebenfalls nicht vertreten.AfD-Gewinne und bundespolitische Deutung
Die AfD würde nach der ARD-Prognose mit 17,7 Prozent deutlich zulegen, nach 9,7 Prozent im Jahr 2021, und wäre damit drittstärkste Kraft. Damit läge sie über dem früheren Vergleichswert der Republikaner in Baden-Württemberg aus dem Jahr 1992 (10,9 Prozent), der im Kontext der Berichterstattung genannt wird. FDP-Vize Wolfgang Kubicki bewertete die Lage gegenüber BILD als Warnsignal und sagte, die FDP zittere im Stammland um den Einzug, weil von der Bundesebene „überhaupt kein Rückenwind“ gekommen sei. Die SPD-Prognosen nannte er „einen absoluten Hammer“. Zudem machte Kubicki für das CDU-Ergebnis auch die Politik von CDU-Bundeskanzler Merz mitverantwortlich.Wir berichteten zuvor über die Landtagswahl in Baden-Württemberg als Stimmungs- und Stabilitätstest für die Parteien und die Handlungsfähigkeit der schwarz-roten Bundesregierung in Berlin. Im Mittelpunkt standen das enge Rennen zwischen CDU und Grünen um das Ministerpräsidentenamt sowie die Erwartung eines deutlich schwächeren, womöglich nur noch einstelligen SPD-Ergebnisses – mit entsprechendem Druck auf Parteiführungen und Koalitionsdebatten.
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