Deutschland plant nur eine Spritpreiserhöhung pro Tag an Tankstellen

Deutschland plant nur eine Spritpreiserhöhung pro Tag an Tankstellen
Tankstellenpreise: Nur 1x täglich

Die Bundesregierung will die häufigen Preiswechsel an deutschen Tankstellen begrenzen und orientiert sich dabei am österreichischen Modell. Laut dem Vorstoß von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sollen Tankstellen Preiserhöhungen künftig nur noch einmal täglich vornehmen dürfen, während Preissenkungen weiterhin jederzeit möglich wären.

Höhepunkte

  • Deutschland plant, Preiserhöhungen an Tankstellen künftig auf eine Anpassung pro Tag nach österreichischem Vorbild zu begrenzen, Preissenkungen bleiben jederzeit möglich.
  • Experten wie ING-Chefökonom Carsten Brzeski warnen vor dem Risiko, dass Tankstellen bei einer täglichen Begrenzung stärkere Preiserhöhungen durchführen könnten.
  • FDP und die Monopolkommission äußern Zweifel am Nutzen der Maßnahme, während der Tankstellenverband mehr Verlässlichkeit erwartet und offene Detailfragen bleiben.

Regelmechanik nach österreichischem Vorbild

Wie berichtet die BILD, will Reiche Preiserhöhungen an Tankstellen auf eine einzige Anpassung pro Tag begrenzen. Als Vorbild nennt sie Österreich, wo eine Erhöhung nur einmal am Tag, dort um 12 Uhr mittags, zulässig ist. Preissenkungen sollen dagegen jederzeit möglich bleiben, auch mehrfach am Tag. Reiche begründet den Schritt mit einem aus ihrer Sicht asymmetrischen Muster, steigende Kosten würden schnell, sinkende Kosten aber nur langsam weitergegeben.

Ökonomen und Wettbewerbshüter sehen Chancen und Risiken

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski bewertet die Regel in der Berichterstattung der BILD als verbraucherfreundlich, weil laufende Preisanpassungen Autofahrer benachteiligen könnten. Gleichzeitig warnt er, dass Tankstellen bei nur einer täglichen Erhöhung auch stärker aufschlagen könnten. Der Verkehrsexperte Thomas Puls (IW Köln) hält es ebenfalls für möglich, dass Anbieter mit einem höheren Einstiegspreis starten und später bei schwächerer Nachfrage schrittweise senken. Er rät deshalb, bei einem Österreich-Modell das Tanken um die Mittagszeit zu vermeiden, weil dann die Erhöhungen stattfinden könnten.

Politische Reaktionen und offene Detailfragen

Manuel Frondel (RWI Essen) sagt laut BILD, es gebe keine ausreichende Forschung, ob die Regel tatsächlich zu niedrigeren Preisen führt, und er sieht das Risiko, dass Verbraucher am Ende mehr zahlen. Die Monopolkommission reagiert zurückhaltend, ihr Vorsitzender Tomaso Duso verweist darauf, dass Details wie Anzahl und Höhe sinnvoller Preisänderungen noch zu klären seien. Der Tankstellen-Interessenverband unterstützt den Ansatz und erwartet mehr Berechenbarkeit und Verlässlichkeit. FDP-Chef Christian Dürr kritisiert den Vorstoß als „verzweifelte Scheinlösung“ und fordert stattdessen Steuerentlastungen beim Sprit.

Wir berichteten zuvor darüber, dass die Bundesregierung angesichts der Verwerfungen an den Energiemärkten eine Freigabe strategischer Ölreserven vorbereitet, um die Versorgungslage zu stabilisieren und den Preisdruck bei Kraftstoffen zu dämpfen. Parallel ließ das Wirtschaftsministerium eine Regulierung nach österreichischem Vorbild prüfen, nach der Tankstellen Preiserhöhungen nur noch einmal täglich vornehmen dürften.

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