Saudi-Arabien warnt vor Ölpreissprung, deutsche Spritkosten könnten steigen

Saudi-Arabien warnt vor Ölpreissprung, deutsche Spritkosten könnten steigen
Ölpreis könnte explodieren

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" kalkuliert Saudi-Arabien bei einem anhaltenden Energieschock infolge des Iran-Kriegs über April hinaus mit einem Anstieg des Ölpreises auf 180 U.S.-Dollar je Barrel. Daraus ergibt sich nach Einschätzung von Branchenvertretern erheblicher Druck auf die Kraftstoffpreise in Deutschland, besonders mit Blick auf den Reiseverkehr im Sommer und auf teurere Standorte entlang der Autobahnen.

Höhepunkte

  • Ein Anstieg des Rohölpreises von 107 auf 180 U.S.-Dollar je Barrel könnte die Literpreise an Tankstellen im Sommer auf bis zu 3 Euro treiben.
  • Ab Mai werden an Tankstellen rund 2,70 Euro für Super und 2,83 Euro für Diesel erwartet, auf Autobahnen könnten bis zu 3,40 Euro beziehungsweise 3,57 Euro erreicht werden.
  • Der Automobilclub fordert zur Entlastung eine Reduzierung der Kraftstoffkosten um mindestens 25 Cent pro Liter oder eine Preisdeckelung bei 1,75 Euro.

Preisszenario bis zum Sommer

Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs Mobil in Deutschland, sagt gegenüber BILD, dass sich der Literpreis an regulären Tankstellen bei einem Rohölpreis von 180 U.S.-Dollar in Richtung 3 Euro bewegen kann. An Autobahnen könne diese Marke sogar überschritten werden. Grundlage der Rechnung ist der Sprung von derzeit 107 auf 180 U.S.-Dollar je Barrel, was umgerechnet rund 40 Cent Mehrkosten pro Liter bedeutet.

Hinzu kommt, dass nicht alle staatlichen Abgaben flexibel mit dem Rohölpreis steigen. Energie- und CO2-Steuer bleiben als feste Beträge bestehen und liegen laut Text bei Benzin zusammen bei 81,2 Cent sowie bei Diesel bei 67 Cent. Die Mehrwertsteuer würde bei einem höheren Ölpreis jedoch zusätzlich um etwa 14 Cent steigen.

Auf Basis der am Freitag genannten Tankstellenpreise von 2,16 Euro für Super und 2,29 Euro für Diesel drohen laut dieser Kalkulation ab Mai etwa 2,70 Euro für Super und 2,83 Euro für Diesel. An Autobahnen wären rechnerisch sogar 3,40 Euro für Benzin und 3,57 Euro für Diesel möglich. Der ADAC wird dabei mit dem Hinweis zitiert, dass Tanken an Autobahnen im Schnitt 26 Prozent teurer ist.

Steuerlast und Forderung nach Entlastung

Haberland beziffert den Steueranteil bei einem Benzinpreis von 2 Euro auf 1,13 Euro je Liter. Bei einem Literpreis von 3 Euro steige dieser Anteil demnach auf 1,29 Euro. Er kritisiert, dass Kraftstoff in Deutschland besonders hoch besteuert werde und Preisschwankungen am Markt dadurch zusätzliche Belastungen für Unternehmen, Pendler und Familien auslösen.

Zur Abfederung fordert der Automobilclub-Chef eine Entlastung von mindestens 25 Cent je Liter oder alternativ eine Preisdeckelung bei 1,75 Euro. Deutschland solle damit dem Beispiel von Italien, Kroatien, Ungarn oder Österreich folgen. Eine geplante Regel, wonach Tankstellen den Preis nur noch einmal täglich anheben dürfen, hält er dagegen für wirkungslos und bezeichnet sie als Placebo.

Als Warnsignal verweist Haberland auf 2022, als Superbenzin an einzelnen Tagen an Autobahnraststätten bereits über 3 Euro je Liter kostete. Die aktuelle Debatte zeigt damit, wie stark geopolitische Risiken auf den Energiemarkt und in der Folge auf Verbraucherpreise in Deutschland durchschlagen können. Besonders für Logistik, Berufsverkehr und private Haushalte bleibt ein anhaltend hohes Preisniveau ein wirtschaftlicher Risikofaktor.

Wir berichteten zuvor über den hessischen Vorschlag von Ministerpräsident Boris Rhein, zusätzliche Mehrwertsteuereinnahmen aus hohen Kraftstoffpreisen über eine niedrigere Energiesteuer an Verbraucher zurückzugeben. Vorgesehen ist ein automatischer Mechanismus ab einem bestimmten Brent-Preis, bei dem die Mehreinnahmen in einen Fonds fließen und monatlich zur direkten Senkung der Energiesteuer ausgeschüttet werden sollen. Eine Kontrolle durch das Bundeskartellamt soll sicherstellen, dass die Entlastung tatsächlich an den Zapfsäulen bei den Endkunden ankommt.

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