Chinas Ölimporte könnten auf das pandemiebedingte Tief fallen
Chinas Ölimporte könnten auf das niedrigste Niveau seit der Pandemie sinken, und der Krieg rund um den Iran hat diesen Wandel nur noch deutlicher gemacht. Für den Weltmarkt ist das ein beunruhigendes Signal: Der weltweit größte Rohölkäufer erscheint nicht mehr als die verlässliche Quelle für Nachfragesteigerungen, die er einst war.
Höhepunkte
- Chinas Ölimporte könnten auf 10,9 Millionen Barrel pro Tag fallen, das niedrigste Niveau seit 2022.
- Im Jahr 2025 lagen die Importe bei durchschnittlich etwa 11,6 Millionen Barrel pro Tag, aber ein Teil dieses Volumens floss in Lagerbestände.
- Der Krieg rund um den Iran hat gezeigt, dass China selbst bei Versorgungsrisiken nicht eilig ist, die Käufe stark zu erhöhen.
- Eine schwächere Wirtschaft, Elektrofahrzeuge und geringere Raffinerieaktivität belasten die Nachfrage.
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Importe fallen auf Pandemie-Niveau
Laut Bloomberg prognostiziert das in London ansässige Beratungsunternehmen Energy Aspects Ltd., dass China in diesem Jahr durchschnittlich 10,9 Millionen Barrel Rohöl pro Tag importieren könnte. Das wäre das niedrigste Niveau seit 2022, als die Wirtschaft des Landes durch COVID-19-Lockdowns und -Beschränkungen beeinträchtigt wurde.
Zum Vergleich: 2025 lagen Chinas tägliche Importe bei durchschnittlich etwa 11,6 Millionen Barrel. Dieser Wert wurde jedoch teilweise durch Vorratsaufbau erhöht, da die Behörden angesichts geopolitischer Instabilität und Versorgungsrisiken die Energiesicherheit stärken wollten.
Das Bild sieht jetzt anders aus. Der Krieg im Iran hat bekannte Lieferwege gestört und die Preise nach oben getrieben, aber China hat seine Käufe nicht in dem Maße erhöht, wie es der Markt vom weltweit größten Importeur erwartet hätte. Das deutet nicht nur auf Vorsicht bei den Käufern hin, sondern auch auf tiefgreifende Veränderungen in der Wirtschaft.
Schwache Nachfrage, nicht nur eine vorübergehende Pause
China war lange Zeit der Haupttreiber des Wachstums beim weltweiten Ölverbrauch. Rasche Industrialisierung, Bauwesen, Exportproduktion und eine wachsende Autoflotte stützten die Nachfrage über Jahre. Doch einige dieser Faktoren haben inzwischen an Kraft verloren.
Die Wirtschaft wächst langsamer, der Binnenkonsum bleibt uneinheitlich, der Immobiliensektor zieht die Rohstoffmärkte nicht mehr mit der gleichen Wucht, und Elektrofahrzeuge ersetzen Benzinautos immer schneller. Auch die Raffinerien sehen sich mit geringeren Margen konfrontiert, insbesondere wenn Rohöl durch militärische Risiken teurer wird.
In diesem Sinne ist der Iran-Konflikt weniger Ursache als vielmehr ein Test. Er hat gezeigt, dass selbst eine starke Störung der Lieferungen aus dem Nahen Osten nicht zwangsläufig den erwarteten Nachfrageschub aus China auslöst. Sollte sich die Nachfrage nach einer Normalisierung des Marktes nicht erholen, könnte sich das Ölgleichgewicht langfristig verschieben.
Ein neuer Maßstab für den Ölmarkt
Für Händler stellt sich nun die zentrale Frage, ob der Rückgang der Importe nur eine vorübergehende Reaktion auf hohe Preise ist oder den Beginn eines nachhaltigeren Trends markiert. Der Unterschied ist entscheidend. Sollte China tatsächlich den Höhepunkt seiner Ölnachfrage überschritten haben, müssten Produzenten ihre Erwartungen für das langfristige Wachstum überdenken.
Die Zahlen sind bereits beachtlich: Die Prognose von Energy Aspects von 10,9 Millionen Barrel pro Tag bedeutet einen Rückgang um rund 700.000 Barrel gegenüber dem Durchschnittsniveau von 2025. In einem Markt, in dem selbst kleine Nachfrageschwankungen die Preise bewegen können, ist das ein erhebliches Volumen.
Der Krieg mit Iran stützt die Ölpreise weiterhin durch die Angst vor Störungen in der Straße von Hormus. Doch schwächere chinesische Importe wirken in die entgegengesetzte Richtung. Das macht den Markt besonders instabil: Die Geopolitik treibt die Preise nach oben, während die Nachfrage aus China den Anstieg begrenzt.
Wie bereits berichtet, beschleunigt der Iran-Krieg das kasachische Eisenbahnprojekt zwischen China und Europa.
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