Gerhard Schröders Moskau-Auftritt rückt Wirtschaftsforum und Russland-Kontakte in den Fokus
Kurz vor dem Start des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg hält sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder in Moskau auf. Die Sichtung fällt in eine Phase, in der wieder deutsche Unternehmer und mehrere AfD-Politiker bei dem Forum in Russland erwartet werden.
Höhepunkte
- Gerhard Schröder wird kurz vor dem Start des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg in Moskau gesichtet, Hintergrund und Zweck bleiben unklar.
- Putin bringt Schröder als möglichen Vermittler im Ukraine-Krieg ins Gespräch, stößt jedoch auf deutliche Ablehnung seitens EU und Ukraine.
- Rund 1.600 deutsche Unternehmen bleiben trotz Sanktionen in Russland aktiv, erste deutsche Unternehmer und mehrere AfD-Politiker treten beim SPIEF 2024 öffentlich auf.
Moskau-Besuch vor Beginn des Wirtschaftsforums
Wie BILD.de berichtet, entdeckt NTV-Korrespondent Rainer Munz den SPD-Politiker im Hotel Kempinski in Moskau. Wozu sich Schröder derzeit in der russischen Hauptstadt aufhält, bleibt nach dem vorliegenden Bericht offen.Der Zeitpunkt der Sichtung sorgt für zusätzliche Aufmerksamkeit, weil am Mittwoch in St. Petersburg das Internationale Wirtschaftsforum, SPIEF, beginnt. Dort sind nach Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine erstmals wieder deutsche Unternehmer offiziell vertreten, zudem werden mehrere AfD-Politiker erwartet.
Für politische Brisanz sorgt außerdem ein jüngster Vorstoß von Wladimir Putin, der Schröder als möglichen Vermittler im Ukraine-Krieg ins Gespräch bringt. EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas weist das in Brüssel zurück und erklärt, es wäre nicht klug, wenn Russland einen Verhandlungsführer im Namen Europas benennen würde.
Auch aus Kiew kommt Ablehnung. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärt, sein Land unterstütze einen möglichen Vermittlereinsatz Schröders nicht und verweist auf andere Führungspersönlichkeiten für EU-Verhandlungen.
Wirtschaftliche und politische Signalwirkung
Schröder steht seit Jahren wegen seiner engen Beziehungen zu Putin und zu russischen Staatsunternehmen in der Kritik. Selbst nach Beginn der russischen Vollinvasion 2022 bleibt er zunächst für russische Energiekonzerne tätig, nachdem er bereits 2014 seinen 70. Geburtstag mit dem Kremlchef in Russland gefeiert hatte.Parallel dazu wagen deutsche Unternehmen vorsichtige Schritte zurück auf die russische Bühne. Zu den Teilnehmern des deutsch-russischen Business-Dialogs zählen laut Kammerangaben unter anderem Milchunternehmer Stefan Dürr und Globus-Manager Thomas Bruch, während rund 1.600 deutsche Unternehmen weiterhin in Russland aktiv sind.
Auch mehrere AfD-Politiker reisen nach Russland, darunter Markus Frohnmaier, Jörg Urban, Steffen Kotré und Petr Bystron. Vom 3. bis 6. Juni empfängt Putin die Gäste des Wirtschaftsforums persönlich, auf dem Programm steht auch eine Veranstaltung über Kultur als Brückenbauer in Krisenzeiten.
Zum Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow hatte unsere Redaktion berichtet, wie Bundeskanzler Friedrich Merz für mehr Zuversicht am Wirtschaftsstandort Deutschland wirbt und schrittweise Reformen ohne „Big Bang“ ankündigt. Zugleich betonte Merz die Bedeutung von Verlässlichkeit und gesellschaftlicher Stabilität für Investoren und grenzte sich klar von der AfD ab, inklusive eines Ausschlusses von Koalitionen.
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