Galeria ringt um Finanzierung, 12.000 Jobs und 83 Filialen stehen unter Druck
Deutschlands letzte große Warenhauskette gerät erneut in eine existenzielle Lage, weil Galeria dringend frisches Geld braucht. Bleibt eine Finanzierung aus, stehen nach Unternehmensangaben im Text rund 12.000 Arbeitsplätze und 83 Filialen auf der Kippe.
Höhepunkte
- Galeria kämpft angesichts akuter Liquiditätsprobleme und unbezahlter Mieten um die Finanzierung von 12.000 Arbeitsplätzen und 83 Filialen.
- Nach dem erneuten Insolvenzantrag im Januar 2024 verkleinerte Galeria die Zentrale, verlagerte den Sitz von Essen nach Düsseldorf und gab Flächen an Aldi, Lidl und Decathlon ab.
- Preisnachlässe und Abverkauf sollen kurzfristig die Auszahlung der Löhne sichern, während das Warenhausmodell weiterhin im deutschen Einzelhandel unter Druck steht.
Krisenverlauf von Karstadt bis Galeria
Wie zuerst von BILD.de berichtet, verschärft sich die finanzielle Lage bei Galeria erneut, nachdem die Warenhausgruppe bereits mehrere Sanierungsrunden, Eigentümerwechsel und Insolvenzen durchlaufen hat.Karstadt und Kaufhof prägten über Jahrzehnte die Innenstädte mit einem breit angelegten Sortiment unter einem Dach. Spätestens seit den 2000er-Jahren verliert dieses Modell jedoch an Zugkraft, weil Online-Handel, spezialisierte Fachmärkte und hohe Kosten in Innenstadtlagen den Druck auf die großen Häuser erhöhen.
Besonders bei Karstadt wird die Krise früh sichtbar. Der frühere Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff soll den Konzern ab 2004 sanieren, scheitert jedoch mit Expansionsplänen; der Verkauf der Immobilien an den Fonds Highstreet entlastet das Unternehmen zunächst, führt später aber zu steigenden Mietlasten. Nach der Insolvenz von Arcandor im Juni 2009 übernimmt 2010 der Investor Nicolas Berggruen die angeschlagenen Häuser, kann die strukturellen Probleme jedoch nicht lösen.
Auch Kaufhof bleibt von den Belastungen nicht verschont. Die Kette geht 2015 von der Metro-Gruppe an die kanadische Hudson’s Bay Company über, die auf Kosmetik, Schuhe, Handtaschen und den Ausbau des Online-Geschäfts setzt, ohne den erhofften Erfolg zu erzielen. 2018 werden Karstadt und Kaufhof unter dem Einfluss von René Benko zusammengeführt, 2019 übernimmt dessen Signa-Gruppe die restlichen Anteile vollständig.
Druck auf Filialnetz und Innenstädte
Die Fusion soll Einkauf, Strukturen und Markenprofil modernisieren, bringt aber vor allem zwei Unternehmen zusammen, die seit Jahren unter denselben Schwächen leiden. Mit der Corona-Pandemie verschärft sich die Lage weiter; während der Lockdowns bleiben die Häuser geschlossen, die Umsätze brechen ein, und im April 2020 beantragt Galeria ein Schutzschirmverfahren.Es folgen Filialschließungen, Stellenabbau und weitere Einschnitte. Nachdem auch Benkos Signa-Gruppe in die Insolvenz rutscht, muss Galeria Anfang Januar 2024 erneut Insolvenz anmelden; anschließend werden die Konzernzentrale verkleinert, der Sitz von Essen nach Düsseldorf verlegt und Flächen teils an Discounter wie Aldi und Lidl sowie an Sporthändler wie Decathlon abgegeben.
Nun spitzt sich die Liquiditätslage wieder zu, weil Mieten nicht bezahlt werden können und Preisnachlässe helfen sollen, zumindest die Gehälter der Beschäftigten zu sichern. Für den deutschen Einzelhandel und viele Innenstädte steht damit erneut die Frage im Raum, ob das klassische Warenhausmodell in seiner bisherigen Form noch tragfähig ist.
Das geplante Immobilientransparenzregister stand im Mittelpunkt unserer früheren Berichterstattung: Die Linke fordert ein zentrales Register, das Eigentümerstrukturen und Transaktionsdaten am Immobilienmarkt offenlegt. Als zentrale Zugangsstelle nach der 6. Geldwäscherichtlinie soll es spätestens bis zum 10. Juli 2029 betriebsbereit sein und so Geldwäsche über undurchsichtige Konstruktionen wie Briefkastenfirmen oder Share Deals erschweren. Zudem wurde betont, dass Geldwäsche laut Forschung messbar zu steigenden Immobilienpreisen beitragen kann.
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