Deutschlands Sicherheitsbehörden drängen auf europäische KI-Investitionen
Auf der Nationalen Cybersicherheitskonferenz in Potsdam wächst die Sorge über Europas Abhängigkeit von KI-Modellen aus den U.S. und China. Sicherheitsvertreter warnen, dass fehlende europäische Alternativen die Cyberabwehr schwächen und hohe Milliardeninvestitionen erforderlich machen.
Höhepunkte
- Deutsche Sicherheitsbehörden fordern nach Abschaltung von „Mythos 5“ durch Anthropic auf Veranlassung der U.S.-Regierung europäische KI-Investitionen für mehr Unabhängigkeit.
- BSI-Präsidentin Plattner warnt, dass KI die Zeit zwischen Entdeckung und Ausnutzung von Schwachstellen bis 2025 um 70 Prozent auf nur 17 Tage verkürzt.
- Mit nur 0,7 Milliarden Euro jährlicher KI-Förderung liegt Deutschland weit hinter Microsoft (110 Milliarden Euro) und China (100 Milliarden Euro), weshalb ein höher dreistelliger Milliardenbetrag und neue Finanzierungsmodelle gefordert werden.
Warnungen auf der Cybersicherheitskonferenz
Wie BILD.de berichtet, fordern führende deutsche Sicherheitsvertreter den Aufbau einer europäischen KI-Alternative nach der Abschaltung des KI-Modells „Mythos 5“ durch Anthropic auf Veranlassung der U.S.-Regierung. Das Thema steht im Mittelpunkt der zweitägigen Nationalen Cybersicherheitskonferenz in Potsdam, bei der sich Chefs von Geheimdiensten, Polizei und Ministerien treffen.Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, sagt, der Schritt habe weltweit wie eine Bombe eingeschlagen. Sie warnt, dass KI Schwachstellen in Computersystemen deutlich schneller identifizieren und damit Cyberangriffe beschleunigen kann.
Nach ihren Angaben verkürzt sich die Zeit zwischen der Entdeckung einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung im Jahr 2025 bereits um 70 Prozent auf 17 Tage. Mit KI geschehe dies nun auf Knopfdruck sofort, was die Zahl der Angriffe steigen lassen könne und Deutschland aus ihrer Sicht verwundbarer mache.
Finanzierungsdruck und Folgen für Europas Technologiesektor
Prof. Christian Dörr kritisiert, dass die Bundesregierung jährlich nur 0,7 Milliarden Euro für KI-Entwicklung ausgibt. Dem stellt er laut den Konferenzbeiträgen 110 Milliarden Euro pro Jahr von Microsoft sowie 100 Milliarden aus China gegenüber.Plattner warnt, dass bald nur noch die U.S. und China über die nötigen Werkzeuge verfügen könnten, um Schwachstellen umfassend zu erkennen, während Europa zurückfalle. Dadurch drohe nicht nur ein technischer Nachteil, sondern auch ein Sicherheitsrisiko für die Absicherung europäischer Software.
BKA-Vizepräsidentin Martina Link fordert deshalb mindestens eine europäische KI-Alternative, während Plattner von mindestens zwei großen KI-Modellen aus Europa spricht. Für deren Entwicklung seien dreistellige Milliardenbeträge nötig, die aus ihrer Sicht weder der deutsche Staat allein noch bestehende Budgets aufbringen können, weshalb neue Finanzierungsmodelle mit Unternehmen und Kapitalmärkten notwendig seien.
In unserem früheren Beitrag zum Bundestagsantrag der Linken gegen Hackbacks und offensive Cyberabwehr haben wir erläutert, dass die Fraktion einen Stopp entsprechender Gesetzesinitiativen für BKA und Bundespolizei verlangt. Zudem wandte sich der Antrag gegen Regelungen, die Datenumleitungen über DNS-Anbieter ermöglichen könnten, und forderte stattdessen mehr Ressourcen für defensive IT-Sicherheit – insbesondere beim BSI.
- Forex
- Crypto