Linke fragt Bundesregierung zu Nachfolgemodellen für Genossenschaften und Handwerk

Linke fragt Bundesregierung zu Nachfolgemodellen für Genossenschaften und Handwerk
Nachfolge in Genossenschaften

Vor dem Hintergrund anhaltender Nachfolgeprobleme bei kleineren und mittleren Unternehmen richtet die Fraktion Die Linke den Blick auf gemeinwohlorientierte Eigentumsformen in Deutschland. Die Abgeordneten stellen die geringe Verbreitung genossenschaftlicher Modelle in den Mittelpunkt und fragen nach den Folgen fehlender Nachfolgelösungen für Betriebe und Beschäftigung.

Höhepunkte

  • Die Linke stellt im Bundestag eine Kleine Anfrage zu genossenschaftlichen und belegschaftsgetragenen Eigentumsmodellen als Alternative zu Private-Equity-Finanzierungen in Deutschland.
  • Die Fraktion verweist auf den niedrigeren Anteil genossenschaftlicher Unternehmen im Vergleich zu Frankreich, Italien und Spanien sowie auf britische Employee Ownership Trusts, die bereits bei 20 Prozent der Unternehmensverkäufe genutzt werden.
  • Im Fokus stehen außerdem die Anzahl insolventer Unternehmen mangels Nachfolgelösung zwischen 2015 und 2025, Arbeitsplatzverluste sowie spezifische Herausforderungen im Handwerk, einschließlich Digitalisierung und regionaler Daten.

Anfrage zu Eigentumsmodellen und Betriebsnachfolge

Wie der Deutsche Bundestag mitteilt, thematisiert Die Linke in einer Kleinen Anfrage die Probleme von Betriebsnachfolgen und den geringen Anteil genossenschaftlicher Unternehmen in Deutschland.

Nach Darstellung der Fraktion ist Deutschland im europäischen Vergleich beim Genossenschaftswesen auffällig schwach aufgestellt. Frankreich, Italien und Spanien weisen demnach deutlich stärkere genossenschaftliche Beschäftigungsanteile auf. Für das UK verweisen die Antragsteller auf steuerlich begünstigte Employee Ownership Trusts, die dort seit 2014 gefördert werden und inzwischen bei 20 Prozent aller Unternehmensverkäufe im britischen Privatsektor zum Einsatz kommen.

Die Fraktion fragt die Bundesregierung, ob sie genossenschaftliche und belegschaftsgetragene Eigentumsmodelle strukturell für besser geeignet hält als Private-Equity-Finanzierungen. Aus Sicht der Abgeordneten können solche Modelle vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen Gewinne, Steuern und Kaufkraft dauerhaft in der Region halten und so den Verbleib von Unternehmen, Technologien und Steuersubstrat in Deutschland sichern.

Folgen für Regionen und das Handwerk

Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage liegt auf den wirtschaftlichen Folgen ungelöster Nachfolgen. Die Fraktion will wissen, wie viele Unternehmen in den Jahren 2015 bis 2025 mangels Nachfolgelösung insolvent wurden und wie viele Arbeitsplätze dadurch verlorengingen.

Speziell für das Handwerk fragt Die Linke nach regionalen Daten zur Nachfolgesituation, nach besonderen Finanzierungsinstrumenten und nach Maßnahmen zur Digitalisierung von Handwerksbetrieben im Zuge des Nachfolgeprozesses. Damit rückt die Anfrage neben der Eigentumsfrage auch die Wettbewerbsfähigkeit regional verankerter Betriebe in den Fokus.

In unserem früheren Beitrag zu den historischen Erfolgsfaktoren der deutschen Industrialisierung haben wir beleuchtet, welche Rahmenbedingungen den Aufstieg zwischen 1850 und 1914 prägten – darunter ein starkes Bildungssystem, eine dynamische Unternehmerkultur, günstige Energie und ein vergleichsweise schlanker Staat. Zugleich wurde herausgearbeitet, dass heute vor allem eine höhere Staatsquote und schwächere Infrastrukturinvestitionen als Standortnachteile gelten und die Frage nach Produktivität und Anpassungsfähigkeit erneut in den Mittelpunkt rückt.

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