Bundesbank sieht Energiepreisschock als Bremse für deutsche Konjunktur und höhere Inflation
Der Krieg im Nahen Osten dämpft die in Deutschland im Winterhalbjahr begonnene wirtschaftliche Erholung und erhöht zugleich den Inflationsdruck. Nach Einschätzung der Bundesbank verhindert die expansive Fiskalpolitik im Sommerhalbjahr zwar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung, doch Unsicherheit, hohe Energiepreise und Lieferengpässe belasten Unternehmen und private Haushalte weiter.
Höhepunkte
- Die Deutsche Bundesbank prognostiziert für 2024 ein kalenderbereinigtes BIP-Wachstum von 0,5 Prozent, das sich bis 2028 auf 1,4 Prozent beschleunigt.
- Die Inflationsrate steigt laut Bundesbank 2024 auf 2,9 Prozent, bleibt bis 2027 erhöht und sinkt erst 2028 auf 1,9 Prozent.
- Die Defizitquote erhöht sich laut Prognose bis 2028 auf 4,9 Prozent, die Maastricht-Schuldenquote nähert sich 70 Prozent, getrieben durch höhere Staatsausgaben.
Neue Prognose bis 2028
Wie die Deutsche Bundesbank in ihrer aktuellen Deutschland-Prognose mitteilt, wächst das kalenderbereinigte reale Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 0,5 Prozent und 2027 um 0,8 Prozent. Unbereinigt liegen die Wachstumsraten wegen einer höheren Zahl von Arbeitstagen bei 0,7 beziehungsweise 0,9 Prozent, bevor sich die Expansion 2028 auf 1,4 Prozent beschleunigt.Bundesbankpräsident Joachim Nagel erklärt, die Erholung gewinne im Prognosezeitraum bis 2028 wieder an Fahrt. Gestützt werde dies durch wieder sinkende Energiepreise, eine anziehende Weltwirtschaft und vor allem kräftige Impulse aus der Fiskalpolitik.
Gleichzeitig verweist die Bundesbank auf anhaltende strukturelle Bremsen. Dazu zählen der demografische Druck auf das Fachkräfteangebot und die Lohnnebenkosten, weshalb das Produktionspotenzial im Prognosezeitraum nur um 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr zunehme.
Inflation, Risiken und höhere Staatsquote
Die Inflationsrisiken haben sich nach Einschätzung der Bundesbank durch den Krieg im Nahen Osten erhöht. Der Prognose zufolge steigt die am Harmonisierten Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate im laufenden Jahr auf 2,9 Prozent, geht 2027 nur leicht auf 2,7 Prozent zurück und fällt erst 2028 deutlicher auf 1,9 Prozent.Nagel erklärt, die höheren Energiepreise wirkten direkt über Energiekosten und indirekt etwa über Transportkosten auf die Lebenshaltungskosten. Dadurch steige neben der Gesamtinflation auch die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel, die 2028 mit 2,3 Prozent vergleichsweise hoch bleibe.
Die Bundesbank warnt zudem, dass ein noch stärkerer Anstieg der Energiepreise die Teuerung weiter verstärken und die Konjunktur erheblich dämpfen könnte. Zugleich steigen staatliche Defizit- und Schuldenquote deutlich, auch wegen zusätzlicher Ausgaben für Verteidigung, nicht-militärische Investitionen, Steuerentlastungen und Transfers; die Defizitquote erreicht 2028 demnach 4,9 Prozent und die Maastricht-Schuldenquote fast 70 Prozent.
In unserem früheren Bericht zur Inflationsentwicklung in Deutschland im Mai 2026 haben wir festgehalten, dass die Teuerung im Jahresvergleich auf 2,6 % nachgab, während die Energiepreise wegen des Iran-Kriegs weiter hoch blieben. Zudem wurde erläutert, dass eine temporäre Senkung der Energiesteuer (Tankrabatt) den Preisdruck bei Kraftstoffen zwar dämpfte, die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel aber weiterhin erhöht war.
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