EZB bereitet Zinserhöhung in der kommenden Woche vor
Die Europäische Zentralbank steht vor einer Anhebung der Leitzinsen in der kommenden Woche, da die Entscheidungsträger mit einer Inflation konfrontiert sind, die weiterhin deutlich über ihrem Ziel von 2 % liegt. Bundesbankpräsident Joachim Nagel unterstützte die Erwartungen einer weiteren Anhebung, deutete jedoch an, dass der Kurs über den September hinaus angesichts der anhaltenden Volatilität an den Energiemärkten und Finanzmärkten unsicher bleibt.
Das Wichtigste
- Die EZB dürfte nächste Woche die Zinsen anheben.
- Die Inflation im Euroraum beschleunigte sich im August auf 3,3 %.
- Nagel bleibt hinsichtlich der Geldpolitik über den September hinaus vorsichtig.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Die Märkte messen einer Zinserhöhung der EZB bei ihrer September-Sitzung eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 95 % bei, berichtete Bloomberg. Nagel deutete an, dass diese Erwartungen weitgehend die wahrscheinliche kurzfristige Reaktion der Entscheidungsträger widerspiegeln, wobei die EZB weiterhin bevorzugt, nachfolgende Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung zu treffen.
Inflation spricht für eine weitere Zinserhöhung
Die erwartete Maßnahme würde auf die Zinserhöhung der EZB um 25 Basispunkte im Juni folgen. Seitdem haben sich die Inflationsrisiken verstärkt, was die Bemühungen der Zentralbank erschwert, das Preiswachstum nachhaltig auf das Zielniveau zurückzuführen.
Die jährliche Inflation im Euroraum beschleunigte sich im August auf 3,3 %, nach 2,9 % im Juli, und liegt damit noch weiter über dem mittelfristigen Ziel der EZB von 2 %. Nagel erklärte, dass die aktuelle Inflation weiterhin zu hoch sei und die Projektionen der Zentralbank vom Juni davon ausgingen, dass höhere Zinsen erforderlich sein würden, damit das Preiswachstum mittelfristig zum Ziel zurückkehrt.
Die anhaltende Inflation erhöht zudem das Risiko, dass sich anfängliche Preissteigerungen über Löhne und andere Bereiche der Wirtschaft weiter ausbreiten. Solche Zweitrundeneffekte könnten die Eindämmung der Inflation erschweren und den Druck auf die Entscheidungsträger erhöhen, restriktive geldpolitische Bedingungen beizubehalten.
Energie- und Anleihemärkte trüben den Ausblick
Die EZB sieht sich mit einem komplexeren Umfeld konfrontiert, als es die Inflationszahlen allein vermuten lassen. Die Preise für Öl und Erdgas bleiben volatil, da der Iran-Konflikt die Energiemärkte beeinflusst, während sich die Wirtschaft des Euroraums widerstandsfähiger als erwartet gezeigt hat.
Die globalen Anleiherenditen sind ebenfalls deutlich gestiegen, da Anleger eine höhere Entschädigung für Inflations-, Fiskal- und geopolitische Risiken verlangen. Höhere Renditen von Staatsanleihen verschärfen die Finanzierungsbedingungen unabhängig von den Entscheidungen der Zentralbank und erhöhen die Kreditkosten für Regierungen, Unternehmen und private Haushalte.
Damit müssen die Entscheidungsträger die anhaltende Inflation gegen das Risiko einer übermäßigen Straffung abwägen. Nagel deutete keine weitere Maßnahme nach September an und unterstrich damit die Bedeutung der eingehenden Wirtschafts- und Finanzdaten.
Der September könnte klarer sein als die Zeit danach
Eine Zinserhöhung im September scheint zunehmend gut signalisiert, doch der weitere Kurs ist weniger sicher. Eine Inflation von 3,3 % liefert den Entscheidungsträgern einen klaren Grund, den Preisdruck aufrechtzuerhalten, während volatile Energiemärkte die Gesamtinflation hoch halten könnten.
Gleichzeitig verschärfen die steigenden globalen Anleiherenditen bereits die Finanzierungsbedingungen. Die EZB steht daher vor einer sich verändernden Abwägung: Weitere Zinserhöhungen könnten erforderlich sein, wenn die Inflation anhält, doch höhere marktbasierte Kreditkosten könnten den Umfang weiterer Anhebungen der offiziellen Leitzinsen begrenzen.
Die Entscheidung im September könnte daher der unkomplizierte Teil sein. Ob danach eine weitere Anhebung erforderlich ist, wird von der Inflation, den Energiepreisen, den Löhnen und den umfassenderen Auswirkungen steigender Renditen auf die Wirtschaft des Euroraums abhängen.
Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Eskalation zwischen den USA und dem Iran die Spannungen in der Straße von Hormus verschärft.
Neueste ECB Nachrichten
- Forex
- Crypto