Zinspfad der EZB bleibt trotz Waffenruhe zwischen USA und Iran ungewiss
Joachim Nagel, Mitglied des EZB-Rats und Präsident der Bundesbank, warnte davor, dass die Inflation auch nach der Einigung der USA und des Irans auf ein Ende des Krieges im Nahen Osten deutlich über dem Zielwert bleiben könnte. Die Äußerungen unterstreichen die Besorgnis der Europäischen Zentralbank, dass der durch den Konflikt ausgelöste Energieschock die Wirtschaft weiterhin belasten könnte, anstatt schnell abzuklingen.
Höhepunkte
- Bundesbankpräsident Joachim Nagel warnte, dass die Inflation erhöht bleiben könnte.
- Die EZB hat kürzlich zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen angehoben.
- Der Energiepreisdruck durch den USA-Iran-Krieg bleibt ein zentrales Problem.
- Die EZB wird wahrscheinlich klarere Daten abwarten, bevor sie ihren nächsten Schritt festlegt.
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Energieschock belastet weiterhin die Geldpolitik
In einem Interview mit CNBC erklärte Nagel, dass das Risiko einer erhöhten Inflation trotz der jüngsten diplomatischen Bemühungen zur Stabilisierung der Lage im Nahen Osten fortbesteht. Am Rande des jährlichen EZB-Forums für Zentralbanken in Sintra, Portugal, nannte er die Energiepreise als Hauptgrund zur Sorge.
Die Warnung erfolgt kurz nachdem die EZB ihren Leitzins zum ersten Mal seit 2023 angehoben hat. Die Zentralbank begründete dies mit dem Inflationsdruck im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen den USA und dem Iran, der die Energiemärkte destabilisierte und die Kosten für Unternehmen und Haushalte in ganz Europa in die Höhe trieb.
Das Ende der aktiven Kampfhandlungen beseitigt diesen Druck nicht automatisch. Energiepreise wirken sich oft zeitverzögert auf die Inflation aus, indem sie über Transport-, Strom-, Fertigungs- und Dienstleistungskosten in die Verbraucherpreisdaten einfließen. Deshalb beobachten die Währungshüter nicht nur die Öl- und Gaspreise, sondern auch, ob der vorangegangene Schock auf Löhne, Dienstleistungen und die allgemeine Preisgestaltung der Unternehmen übergreift.
EZB hält sich Optionen offen
Nagel verteidigte die jüngste Zinserhöhung der EZB und bezeichnete sie angesichts der damaligen Risiken als den richtigen Schritt. Er sagte jedoch auch, dass es noch zu früh sei, die nächste Phase der Geldpolitik festzulegen, da die Lage im Nahen Osten weiterhin unklar ist.
Es wird erwartet, dass die USA und der Iran Gespräche in Doha führen werden, nachdem Präsident Donald Trump angekündigt hatte, dass sich Delegationen beider Länder dort treffen würden. Die Waffenruhe bleibt jedoch fragil, nachdem Feindseligkeiten am Wochenende Fragen aufgeworfen haben, ob die Kampfpause Bestand haben wird.
Diese Ungewissheit bringt die EZB in eine schwierige Lage. Sollten die Energiepreise weiter sinken und sich die Waffenruhe stabilisieren, könnte der Druck für weitere Straffungen nachlassen. Sollten die Spannungen jedoch zurückkehren oder Versorgungsrisiken bestehen bleiben, könnte die Zentralbank erneut unter Druck geraten, die Zinsen hoch zu halten oder erneut anzuheben.
Das Inflationsrisiko, das Europa nicht ignorieren kann
Das Ziel der EZB liegt bei 2 %, aber die Verantwortlichen sind weiterhin besorgt, dass Energieschocks die Inflation länger als erwartet über diesem Niveau halten könnten. Der Euroraum ist besonders anfällig, da die Energiekosten eine Vielzahl von Preisen beeinflussen, von Haushaltsrechnungen bis hin zu Transport und Industrieproduktion.
Nagels Warnung zeigt, dass die Zentralbank nicht bereit ist, die Waffenruhe als Ende des Inflationsproblems zu betrachten. Die nächste geldpolitische Entscheidung wird davon abhängen, ob niedrigere Energiepreise von Dauer sind und ob sich die breiteren Inflationsindikatoren abzuschwächen beginnen. Bis dahin wird die EZB wahrscheinlich eine vorsichtige Haltung beibehalten, auch wenn die Märkte nach Anzeichen dafür suchen, dass die jüngste Zinserhöhung ausreichen könnte.
Wie wir bereits berichteten, fällt die Inflation in Frankreich auf das EZB-Ziel, nachdem die Energiekosten zurückgegangen sind.
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