Bundesnetzagentur weist 254,8 GW Kraftwerksleistung aus, SMARD macht Strommarktdaten nahezu in Echtzeit sichtbar

Bundesnetzagentur weist 254,8 GW Kraftwerksleistung aus, SMARD macht Strommarktdaten nahezu in Echtzeit sichtbar
Stromdaten fast live erleben

Quelle: BMWE Pressemitteilungen

Höhepunkte

  • Mit Stand 21. November 2024 sind in Deutschland 254,8 GW Netto-Nennleistung am Strommarkt installiert, davon rund 178,1 GW erneuerbare Energien, unter anderem 90,3 GW Solar und 70,8 GW Wind.
  • Im ersten Halbjahr 2024 wurden rund 9 GW neue EE-Anlagen installiert, hauptsächlich Photovoltaik, und die Neugenehmigungen für Windenergie an Land lagen bis Oktober etwa doppelt so hoch wie im Vorjahr.
  • Deutschland erzielte 2024 mit einem Importüberschuss von rund 24,4 TWh knapp 4,7 Prozent des Bruttostromverbrauchs, wobei erneuerbare Energien 57,1 Prozent des Strommixes ausmachten.

Deutschlands Stromsystem bleibt im Umbruch, mit weiter steigenden Erneuerbaren-Anteilen, mehr Genehmigungen für Wind an Land und einer wachsenden Rolle im europäischen Stromaustausch. Neue und vorläufige Auswertungen zeigen zugleich, dass der Stromhandel zunehmend durch Preisunterschiede in den Gebotszonen geprägt wird. Für Marktteilnehmer und Öffentlichkeit bündelt die Plattform SMARD zentrale Kennzahlen, weist aber auch Datenlücken bei Eigenversorgungsanlagen aus.

Installierte Leistung, Ausbau und SMARD-Datenzugang

Nach der Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur (Stand 21. November 2024) sind in Deutschland Erzeugungsanlagen mit 254,8 Gigawatt Netto-Nennleistung am Strommarkt aktiv. Davon entfallen rund 178,1 GW auf erneuerbare Energien, darunter etwa 90,3 GW Solar und rund 70,8 GW Wind (Onshore und Offshore). Photovoltaik- und Windanlagen kommen zusammen auf etwa 161 GW installierte Leistung, der Ausbau schreitet laut Darstellung kontinuierlich voran.

Allein im ersten Halbjahr 2024 wurden rund 9 GW neue EE-Anlagen installiert, überwiegend Photovoltaik. Bei Windenergie an Land nimmt die Zahl der Genehmigungen deutlich zu, bis Ende Juni 2024 wurden Projekte mit etwa 5,6 GW neu genehmigt, im Oktober lag die im laufenden Jahr 2024 registrierte Neugenehmigungsleistung bereits bei etwa dem Doppelten. Die Informationsplattform SMARD (www.smard.de) stellt wesentliche Strommarktdaten für Deutschland, teilweise auch für Europa, nahezu in Echtzeit bereit, einschließlich Erzeugung, Verbrauch, Großhandelspreisen sowie Import, Export und Regelenergie.

SMARD richtet sich an Nutzerinnen und Nutzer sowie an Expertinnen und Experten mit zusätzlichen Analysefunktionen. Zugleich wird auf eine Einschränkung hingewiesen: Abgebildet werden nur Strommengen, die in das Netz der öffentlichen Versorgung eingespeist werden. Anlagen zur Eigenversorgung, etwa in Industrie oder Gebäuden, und damit ein relevanter Teil des Anlagenbestands sind in den Daten nicht erfasst.

Stromhandel, Importüberschuss und veränderter Strommix

Deutschland ist durch seine zentrale Lage eine Drehscheibe europäischer Stromflüsse und tauscht physikalisch Strom mit elf Nachbarländern aus, darunter Dänemark, die Niederlande, Frankreich, Polen sowie über Seekabel Schweden und Norwegen. Treiber der Import- und Exportströme sind laut Darstellung vor allem Großhandelspreise in den Gebotszonen, die sich häufig an Ländergrenzen orientieren. Beeinflusst werden diese Preise unter anderem durch Stromnachfrage, erneuerbare Erzeugung sowie Brennstoff- und CO2-Zertifikate-Kosten fossiler Kraftwerke.

Nach vorläufigen Angaben importierte Deutschland 2024 rund 24,4 TWh mehr Strom, als es exportierte, das entspricht etwa 4,7 Prozent des Bruttostromverbrauchs. Gleichzeitig wird erwartet, dass Deutschland mit zunehmender Elektrifizierung anderer Sektoren mehr Strom importieren wird als in der Vergangenheit, während Importe anderer Energieträger wie Kohle, Gas und Öl zurückgehen könnten. Als Vergleich werden Importquoten bei fossilen Energieträgern genannt, unter anderem 100 Prozent bei Steinkohle sowie sehr hohe Anteile bei Öl und Gas.

Beim Strommix zeigt die Zeitreihe eine Verschiebung zugunsten der Erneuerbaren und zulasten der Kohle. 2024 wurden in Deutschland nach vorläufigen Angaben rund 497,3 TWh Strom erzeugt, davon 284,0 TWh aus erneuerbaren Energien, was 57,1 Prozent entspricht. Braunkohle lag 2024 bei 79,2 TWh (15,9 Prozent), Steinkohle bei 27,2 TWh (5,5 Prozent), Erdgas bei 78,4 TWh (15,8 Prozent), Kernenergie bei 0 TWh.

Einordnung für Energiewende und Markttransparenz

Die ausgewiesenen Kapazitäts- und Erzeugungsdaten unterstreichen, dass Photovoltaik und Wind den Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland weiterhin dominieren. Besonders relevant für Projektierer und Zulieferer ist die deutlich gestiegene Genehmigungsdynamik bei Wind an Land, weil sie auf höhere Realisierungsvolumina in den kommenden Jahren hindeuten kann. Gleichzeitig bleibt das System stärker auf Flexibilität angewiesen, da wetterabhängige Einspeisung und Stromhandel mit den Nachbarländern an Bedeutung gewinnen.

Für Unternehmen im Energiesektor sowie für Industrieabnehmer sind die nahezu in Echtzeit verfügbaren Kennzahlen auf SMARD ein wichtiges Instrument zur Marktbeobachtung, etwa bei Preisentwicklungen, Lastverläufen oder Import-Export-Salden. Die Transparenz kann Investitions- und Beschaffungsentscheidungen stützen, etwa bei PPA-Strategien oder der Bewertung von Standortvorteilen. Allerdings sollten Analysen berücksichtigen, dass Eigenversorgungsanlagen nicht abgebildet sind und damit Teile der dezentralen Realität, insbesondere in Industrie und Gebäuden, in den veröffentlichten Strommengen fehlen.

Wir haben bereits über den Umbau des deutschen Kraftwerksparks und die SMARD-Daten zum Strommarkt berichtet. Im Mittelpunkt standen die installierten Kapazitäten (254,8 GW, davon 178,1 GW erneuerbar), der Zubau im ersten Halbjahr 2024 (rund 9 GW) sowie die deutlich steigenden Wind-an-Land-Genehmigungen. Zudem wurden der Importüberschuss 2024 von 24,4 TWh und die Verschiebung im Strommix hin zu 57,1 Prozent erneuerbarer Erzeugung eingeordnet – einschließlich des Hinweises, dass Eigenversorgungsanlagen in SMARD nicht abgebildet sind.

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