Deutschlands Rüstungsindustrie steigert Umsätze, Autoindustrie bleibt vorerst unersetzbar
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wächst die deutsche Rüstungsindustrie deutlich und gewinnt laut einem BILD-Bericht zugleich strategisch und politisch an Gewicht. Die Umsätze der großen Anbieter steigen, einzelne Konzerne kamen 2024 auf Einnahmen im Milliardenbereich, mit weiter steigender Tendenz. Ein schneller Strukturwandel weg vom Autoland sei dennoch nicht zu erwarten, wird in dem Beitrag betont.
Höhepunkte
- Die deutsche Rüstungsindustrie verzeichnet seit 2022 ein deutliches Umsatzwachstum, bleibt jedoch im Volumen hinter der Automobilindustrie zurück.
- KNDS Deutschland und Rheinmetall erwirtschaften 2024 jeweils Milliardenumsätze im Segment Kampffahrzeuge, während Airbus Defence and Space, MBDA Deutschland und Diehl Defence führend bei Raketen und Drohnen sind.
- Höhere Verteidigungsausgaben und größere Auftragsvolumina stärken politische Relevanz und Investitionsbereitschaft, besonders für Zulieferer mit Kompetenzen im Fahrzeug- und Maschinenbau.
Wachstum seit 2022, aber kein Branchenwechsel
Der Beitrag zeichnet nach, dass die Rüstungsbranche in Deutschland seit Beginn des Krieges in der Ukraine einen anhaltenden Nachfrage- und Umsatzschub erlebt. Prof. Dr. Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagt gegenüber BILD, die Rüstungsgüterproduktion werde die Automobilindustrie auf absehbare Zeit nicht ersetzen können. Relevant könne ein Wechsel vor allem für einzelne Zulieferer werden, die Kapazitäten oder Know-how in neue Aufträge überführen. Langfristig sieht Gornig zudem mögliche positive Effekte auf die technologische Kompetenz der deutschen Industrie.Die größten Anbieter nach Segmenten
Bei Kampffahrzeugen nennt der Beitrag KNDS Deutschland als Marktführer für Panzer und Artilleriesysteme sowie Rheinmetall als größten deutschen Rüstungskonzern, beide mit Milliardenumsätzen im Jahr 2024. Im Bereich Raketen und Drohnen werden Airbus Defence and Space, MBDA Deutschland und Diehl Defence als zentrale Akteure aufgeführt, mit Schwerpunkten von militärischer Luftfahrt bis zu Lenkflugkörpern und Luftverteidigung. In weiteren Segmenten werden unter anderem Hensoldt (Elektronik), Heckler & Koch (Handfeuerwaffen), Renk (Antriebstechnik), MEN (Munition), TKMS und Atlas Elektronik (Marine) sowie MTU Aero Engines (Triebwerke) genannt.Auswirkungen auf Industrie und Zulieferketten
Der Bericht legt nahe, dass die Wachstumsdynamik in der Rüstungsindustrie vor allem dort industrielle Folgen haben dürfte, wo Kompetenzen aus dem Fahrzeug- und Maschinenbau anschlussfähig sind. Besonders für spezialisierte Zulieferer könnte sich ein Umstieg von Automotive-Aufträgen hin zu Verteidigungsprojekten wirtschaftlich lohnen, ohne dass dadurch die Größenordnung der Autoindustrie kurzfristig erreicht wird. Zugleich verschiebt sich durch die höheren Verteidigungsausgaben und größere Auftragsvolumina die politische Bedeutung der Branche, was Investitionen und Kapazitätsaufbau begünstigen kann. Als Beispiel für neue Technologiefelder wird zudem Helsing genannt, das KI-gestützte Systeme und Drohnen-Technologie entwickelt.Wir hatten zuvor über den wachsenden Druck von Industrieverbänden auf die Bundesregierung berichtet, spürbare Entlastungen und Strukturreformen auf den Weg zu bringen. Im Fokus standen Forderungen nach schnellerem Bürokratieabbau, flexibleren Arbeitszeiten und stabilen Sozialversicherungen sowie Umfragewerte, die eine breite Zustimmung zu umfassenden Reformen zeigen.
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