Die Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) der Europäischen Union soll einen Binnenmarkt für Kryptodienste in Europa schaffen, doch in der Praxis bleibt die Lizenzierung ungleichmäßig. Laut dem vorläufigen Register der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat sich Deutschland zur Nummer eins bei der Anzahl der zugelassenen Kryptounternehmen entwickelt, noch bevor die neuen Regeln in Kraft treten.
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Nach Daten der ESMA hat Deutschland 57 Lizenzen an Krypto-Dienstleister (CASPs) vergeben. Dies entspricht etwa 23 % der Gesamtzahl der Zulassungen, die 244 erreicht hat.
Frankreich belegt mit 26 lizenzierten Unternehmen den zweiten Platz, was etwa 11 % aller Zulassungen ausmacht. Damit liegt Frankreich gleichauf mit den Niederlanden, die sich ebenfalls zu einem der größten MiCA-Lizenzierungszentren entwickelt haben.
Dieses Bild zeigt, dass trotz des Ziels von MiCA, einheitliche Regeln für den EU-Kryptomarkt zu schaffen, die Umsetzung immer noch von den nationalen Regulierungsbehörden abhängt. Dies wird besonders deutlich vor der Frist am 1. Juli.
Frankreich gewinnt an Dynamik
Obwohl Deutschland der Gesamtführer bei den MiCA-Lizenzen bleibt, hat Frankreich den Genehmigungsprozess in den letzten Tagen spürbar beschleunigt.
Laut dem vorläufigen Register der ESMA hat Frankreich zwischen dem 18. und 22. Juni fünf CASP-Lizenzen erteilt. Dies war der höchste Wert unter den europäischen Jurisdiktionen in diesem Zeitraum. Insgesamt wurden zwischen dem 18. und 25. Juni 11 Zulassungen in den Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums erteilt. Malta belegte mit zwei Lizenzen den zweiten Platz.
Zu den Unternehmen, die in Frankreich Zulassungen erhielten, gehören Bpifrance Investissement, RCUBE Asset Management, Paymium, Leonod und Meria.
Die Konzentration der MiCA-Lizenzen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden spiegelt die breitere Struktur des europäischen Finanzsektors wider. Nach EU-Daten für 2024 entfielen auf Deutschland, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande und Irland zusammen etwa 72 % der finanziellen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten der Finanzunternehmen im Block.
Welche Länder noch keine MiCA-Lizenzen vergeben haben
Gleichzeitig haben einige EU-Länder noch keine einzige Lizenz unter MiCA erteilt. Laut dem vorläufigen Register der ESMA vom 26. Juni gehören Griechenland, Ungarn, Polen, Portugal und Rumänien zu dieser Liste.
Griechenland sticht dabei besonders hervor. Binance hatte zuvor eine Genehmigung im Land beantragt, den Antrag jedoch später zurückgezogen und seine Lizenzierungspläne in eine andere MiCA-Jurisdiktion verlagert.
Polen bleibt ebenfalls eine bemerkenswerte Ausnahme. Das Land sah sich mit Verzögerungen bei der Verabschiedung von Gesetzen zur Umsetzung von MiCA konfrontiert, während Medienberichten zufolge der Präsident dreimal sein Veto gegen die entsprechenden Initiativen einlegte. Infolgedessen erreichte Polen die EU-weite Frist ohne einen aktiven Lizenzierungsrahmen.
Separat führt die ESMA ein Register nicht konformer Kryptodienstleister. Bis Freitag dominierte Italien diese Liste mit 160 von 162 Einträgen. Jeweils ein Eintrag entfiel auf die Niederlande und die Slowakei, wo MEXC bzw. LWEX erwähnt wurden.
Was sich nach dem 1. Juli ändern wird
Nach dem 1. Juli werden Kryptodienstleister in der EU faktisch in eine neue regulatorische Realität eintreten. Unternehmen, die MiCA-Lizenzen erhalten haben, können unter einheitlichen Regeln operieren und Kunden in verschiedenen Ländern des Blocks über den Passporting-Mechanismus bedienen. Für den Markt sollte dies die rechtliche Unsicherheit verringern und Kryptodienste traditionellen Finanzdienstleistungen ähnlicher machen, mit klaren Anforderungen an Kapital, Kundenschutz, Risikomanagement und Offenlegung.
Der Übergang wird jedoch wahrscheinlich nicht für alle Teilnehmer gleichermaßen reibungslos verlaufen. In Ländern, in denen noch keine Lizenzen erteilt wurden oder sich die Gesetzgebung verzögert hat, könnten Kryptounternehmen mit Einschränkungen, Verzögerungen oder der Notwendigkeit konfrontiert sein, ihre Aktivitäten in besser vorbereitete Jurisdiktionen zu verlagern.
Zur Erinnerung: Die EU hat vorgeschlagen, Bußgelder von bis zu 12,5 % des Jahresumsatzes bei MiCA-Verstößen einzuführen.
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