RWI-Studie sieht Spritpreise in Deutschland um mehrere Cent je Liter überhöht

RWI-Studie sieht Spritpreise in Deutschland um mehrere Cent je Liter überhöht
Fuel prices too high?

Nach dem Preissprung zum Jahreswechsel steht die Begründung über den höheren CO₂-Preis unter Druck. Eine Auswertung des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, über die Bild berichtet, kommt zu dem Ergebnis, dass an der Zapfsäule deutlich mehr aufgeschlagen wurde, als sich durch die CO₂-Komponente erklären lasse.

Höhepunkte

  • Das RWI errechnet für Januar einen Anstieg der Spritpreise um fast zehn Cent pro Liter, trotz eines maximal plausiblen CO₂-bedingten Aufschlags von nur 2,8 bis 3,2 Cent.
  • Laut RWI sind Super E10 aktuell um 6,5 Cent und Diesel um 7,4 Cent je Liter überhöht, wobei sich zwei Drittel des Preissprungs nicht mit CO₂-Kosten begründen lassen.
  • Marktteilnehmer preisen laut ADAC erwartete CO₂-Kosten bereits vor Auktionsstart am 1. Juli ein, obwohl der tatsächliche CO₂-Preis noch unklar ist.

Studienbefund und Rechenansätze zum CO₂-Effekt

Das RWI verweist darauf, dass der CO₂-Preis zum Jahreswechsel in ein System mit einem Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne wechselte, nachdem er im Vorjahr fix bei 55 Euro gelegen hatte. Energie-Ökonom Manuel Frondel bezifferte gegenüber der FAZ den durch den höheren CO₂-Preis plausiblen Aufschlag auf maximal 2,8 Cent bei Benzin und 3,2 Cent bei Diesel, jeweils inklusive Mehrwertsteuer. Der Tankstellen-Verband en2x legt ähnliche Größenordnungen zugrunde und stellt für 2025 CO₂-bedingte Aufschläge von 13,2 Cent (Benzin) und 14,7 Cent (Diesel) den aktuellen Werten von bis zu 15,6 Cent (Benzin) und 17,4 Cent (Diesel) gegenüber. Daraus ergibt sich gegenüber dem Vorjahr ein Plus von bis zu 2,4 Cent bei Benzin sowie 2,7 Cent bei Diesel und Heizöl, also deutlich weniger als der beobachtete Gesamtpreissprung.

Preissprung im Januar und offene Fragen zur Einpreisung

Laut RWI lag der tatsächliche Anstieg an der Zapfsäule jedoch bei fast zehn Cent pro Liter. Der ADAC bestätigt für Januar einen Zuwachs von 9,4 Cent bei Diesel und 8,6 Cent bei Super E10. Zusätzlich verweist das RWI auf den Zeitplan, wonach die Versteigerungen der CO₂-Zertifikate offiziell erst am 1. Juli starten sollen, wodurch unklar sei, welcher CO₂-Preis derzeit tatsächlich eingepreist werde. RWI-Ökonom Patrick Thiel sagte laut FAZ, die Bevölkerung habe ein Recht zu erfahren, wie sich die Preise an der Zapfsäule zusammensetzen.

Markterwartungen vor Auktionen und berechnete Überhöhung

Der ADAC nennt als mögliche Erklärung eine Vorwegnahme künftiger Knappheit: Ein Sprecher sagte der FAZ, Anbieter kalkulierten oft mit Werten im oberen Bereich des Korridors, weil ab Juli durch Auktionen theoretisch eine Verknappung möglich sei. Das würde bedeuten, dass Teile der erwarteten CO₂-Kosten bereits vor dem Start der Auktionen eingepreist werden. Dennoch bleibt nach RWI-Berechnungen selbst unter Einbezug von Brent-Ölpreis und Wechselkursen eine Überhöhung gegenüber Dezember bestehen. Demnach seien Super E10 um 6,5 Cent je Liter und Diesel um 7,4 Cent je Liter zu teuer, zwei Drittel des Preisschocks ließen sich somit nicht mit der CO₂-Abgabe erklären.

Wir hatten zuvor über den Ausbruch des WTI-Ölpreises auf ein Sechsmonatshoch knapp über 66,5 US-Dollar je Barrel berichtet. In unserem Beitrag ging es darum, wie geopolitische Risiken im Nahen Osten und gleichzeitig Nachfragesorgen den Markt bewegen und warum trotz technischer Stärke eine Fortsetzung in Richtung 70 US-Dollar begrenzt bleiben könnte.

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