ADAC sieht Hinweise auf überhöhte Kraftstoffpreise trotz HVO-Unabhängigkeit vom Ölmarkt
Inmitten stark gestiegener Spritpreise verweist die Mineralölbranche auf den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus, doch der ADAC sieht laut eigenen Erkenntnissen einen möglichen Widerspruch in der Preisbildung. Der Club führt an, dass auch der pflanzenbasierte Diesel-Ersatz HVO, der ohne Erdöl auskommt, nahezu im Gleichschritt teurer geworden ist. Aus ADAC-Sicht ist das ein Indiz dafür, dass die Krisenlage genutzt werden könnte, um die Margen an den Zapfsäulen auszuweiten.
Höhepunkte
- ADAC meldet, dass Benzin E5 aktuell bei 2,17 Euro und Diesel bei 2,24 Euro pro Liter liegen, deutlich über Vorkriegsniveau.
- Der Preis für HVO100 stieg laut ADAC in zwei Wochen von 1,74 Euro auf 2,18 Euro pro Liter, parallell zu fossilen Kraftstoffen.
- ADAC fordert von der Mineralölindustrie unverzüglich Transparenz bei Kostenstrukturen und Preisgestaltung angesichts auffälliger Preisentwicklungen trotz HVO-Unabhängigkeit vom Ölpreis.
Preissprung an Zapfsäulen und bei HVO
Der ADAC stellt den aktuellen Preisauftrieb bei Benzin und Diesel in den Kontext der internationalen Lage, die von Teilen der Branche als Hauptgrund für höhere Kosten genannt wird. Im Tagesschnitt liegt der Preis für einen Liter Benzin E5, wie BILD berichtet, bei 2,17 Euro, Diesel bei 2,24 Euro. Vor dem Iran-Krieg werden 1,75 Euro für Benzin und 1,70 Euro für Diesel genannt, bei Diesel entspricht das einer Steigerung von bis zu 54 Cent.Als Alternative zum fossilen Diesel wird HVO, auch als „Klima-Diesel“ bezeichnet, hervorgehoben. Der Treibstoff wird im Text als rein pflanzlich beschrieben und aus Altspeiseöl sowie Fettresten pflanzlichen Ursprungs wie etwa Raps, Palmöl und Fritten-Öl hergestellt. Er gilt dadurch als umweltfreundlicher und soll nicht von Rohölpreisen abhängen.
Nach ADAC-Angaben ist jedoch auch HVO deutlich teurer geworden. Der Liter HVO koste derzeit im Tagesschnitt 2,18 Euro, vor zwei Wochen seien es noch 1,74 Euro gewesen. Die nahezu parallele Entwicklung zu konventionellen Kraftstoffen wertet der ADAC als auffällig.
ADAC fordert Transparenz bei der Preisbildung
Für den ADAC sind die beobachteten HVO-Preissteigerungen „deutliche Hinweise“, dass die geopolitische Krise für höhere Preise an den Tankstellen genutzt werden könnte. Die Begründung: HVO enthalte kein Erdöl und habe damit keine direkte Verbindung zu Rohölpreisen, dem Iran-Krieg oder der Lage an der Straße von Hormus. Gerade deshalb sei eine Preisentwicklung im Gleichlauf mit fossilen Kraftstoffen aus Sicht des Clubs schwer nachvollziehbar.Eine ADAC-Sprecherin wird mit der Einschätzung zitiert, HVO100 habe den Preisanstieg „mitgemacht“, ohne dass es dafür eine direkte Rechtfertigung über den Ölpreis gebe. Zudem wird betont, dass HVO kein fossiles Öl enthalte und damit unabhängig vom Rohölpreis sei. Daraus leitet der Club den Vorwurf ab, dass Gewinne zulasten der Autofahrer maximiert werden könnten.
Der ADAC fordert die Mineralölindustrie auf, umgehend Transparenz über Kostenstrukturen und Preisgestaltung herzustellen. Das solle nachvollziehbar machen, welche Faktoren die aktuellen Endkundenpreise tatsächlich treiben. Eine Reaktion der Mineralölindustrie wird im Text nicht wiedergegeben.
Wir berichteten zuvor über die Debatte um mögliche Preissprünge an den Zapfsäulen infolge des Iran-Kriegs und die Warnungen des Tankstellen-Interessenverbands vor zusätzlichen Aufschlägen durch Mineralölkonzerne. Thema waren auch die politische Reaktion mit einer angekündigten Prüfung durch das Bundeskartellamt sowie Forderungen nach Preisregeln nach österreichischem Vorbild, um die Preisdynamik zu begrenzen.
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