Deutschland verliert zu Jahresbeginn 2026 an Konjunkturdynamik, Nahostkonflikt erhöht Energie- und Inflationsrisiken

Deutschland verliert zu Jahresbeginn 2026 an Konjunkturdynamik, Nahostkonflikt erhöht Energie- und Inflationsrisiken
Konjunktur unter Druck 2026

In einem Lagebericht mit Datenstand bis zum 13. März 2026 beschreibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) eine spürbare Abschwächung wichtiger Konjunkturindikatoren in Deutschland zu Jahresbeginn. Belastend wirken demnach neben nachlassender Industrienachfrage und schwächerem Einzelhandel auch erhöhte geopolitische Risiken, insbesondere der erneut eskalierte Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundenen Preisschübe bei Rohöl und Erdgas. Der Erholungsprozess bleibe fragil und hänge stark von der Dauer des Konflikts sowie möglichen Störungen rund um die Straße von Hormus ab.

Höhepunkte

  • Die Industrieproduktion in Deutschland sank im Januar um 2,5 Prozent und die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe fielen um 11,1 Prozent, getrieben vor allem von geringeren Inlandsbestellungen.
  • Im Februar lag die Inflation bei 1,9 Prozent, die Kerninflation bei 2,5 Prozent, wobei das BMWE wegen des Nahostkonflikts mit einem temporären Inflationsanstieg und verzögerter Erholung rechnet.
  • Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg im Gesamtjahr 2025 um 10,3 Prozent auf 24.064 Verfahren, im Februar 2026 lag der IWH-Trend bei 1.466 Insolvenzen, plus 5 Prozent zum Vormonat.

Indikatoren: Industrie, Handel und Preise

Wie auf der offiziellen Webseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz berichtet, hat sich die Industriekonjunktur zu Jahresbeginn deutlich abgeschwächt, Produktion und Auftragseingänge gingen im Januar zurück. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe sank im Monatsvergleich um 0,5 Prozent, die Industrieproduktion allein um 2,5 Prozent, während Bau und Energiesektor zulegten. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe fielen im Januar um 11,1 Prozent, vor allem wegen eines Rückgangs der inländischen Orders um 16,2 Prozent. Stimmungsindikatoren wie ifo und S&P zeigten zuletzt zwar Aufhellung, bilden die jüngsten Nahostentwicklungen laut Bericht aber noch nicht ab.

Auch der Konsum sendet gemischte Signale, die preisbereinigten Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) sanken im Januar um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Vorjahresvergleich lag der Einzelhandel dennoch um 1,1 Prozent im Plus, zugleich deutet das Gesamtbild laut BMWE auf eine Seitwärtsbewegung im ersten Quartal hin. Bei den privaten Pkw-Neuzulassungen gab es im Februar zwar ein Plus von 5,4 Prozent zum Vormonat, in der Dreimonatsbetrachtung aber ein Minus von 11,3 Prozent. Konsumbarometer und Umfragen trübten sich zuletzt leicht ein, insbesondere größere Anschaffungen würden weiterhin häufig verschoben.

Die Inflation lag im Februar bei 1,9 Prozent und damit leicht unter dem Januarwert von 2,1 Prozent, Treiber bleiben vor allem Dienstleistungen. Entlastend wirkten erneut gesunkene Energiepreise sowie eine verlangsamte Nahrungsmittelverteuerung, die Kerninflation lag jedoch bei 2,5 Prozent. Für die kommenden Monate erwartet das BMWE einen temporären Anstieg der Inflation, weil der Konflikt im Nahen Osten die globalen Öl- und Gaspreise erhöht. Damit steigt nach Einschätzung des Berichts das Risiko, dass sich die erwartete konjunkturelle Erholung verzögert.

Außenhandel und weltwirtschaftliche Lage

Der Außenhandel startete nach einem starken Jahresausklang 2025 mit einem Rücksetzer ins neue Jahr. Die nominalen Exporte sanken im Januar saison- und kalenderbereinigt um 2,5 Prozent, wobei Lieferungen in die EU um 4,8 Prozent fielen und Ausfuhren in Drittstaaten dank höherer USA-Exporte um 1,0 Prozent stiegen. Die Importe gingen im Januar um 7,4 Prozent zurück, wodurch der monatliche Saldo im Handel mit Waren und Dienstleistungen auf 12,6 Milliarden Euro zulegte. Einfuhrpreise stiegen mit plus 1,0 Prozent zum Vormonat, unter anderem wegen höherer Preise für Metalle, Erdöl und Erdgas, die Terms of Trade verschlechterten sich um 0,4 Prozent.

International bleibt die weltwirtschaftliche Entwicklung zwar aufwärtsgerichtet, laut Bericht sind die Abwärtsrisiken jedoch spürbar gestiegen. Frühindikatoren wie der globale Einkaufsmanagerindex verbesserten sich im Februar, wurden aber noch vor Beginn des Krieges im Iran erhoben. Nach dem Konfliktbeginn signalisiert der Sentix-Index eine deutliche Eintrübung der Stimmung, sowohl global als auch für Deutschland. Zudem erhöht die Unsicherheit an Energie- und Rohstoffmärkten die Volatilität der Preise, was Investitionen und Nachfrage dämpfen kann.

Der Bericht verweist besonders auf Risiken bei einer längeren Dauer des Konflikts oder einer faktischen Sperrung der Straße von Hormus. In diesem Szenario könnten Versorgungsengpässe bei Öl und Gas die globalen Energiemärkte zusätzlich unter Druck setzen. Konjunkturelle Prognosen internationaler Organisationen, die diese Entwicklungen bereits berücksichtigen, lägen derzeit noch nicht vor. Mehrere Institute rechneten in ihren Frühjahrsprognosen mit einem vorübergehenden Dämpfer, wiesen aber zugleich auf deutlich erhöhte Abwärtsrisiken hin.

Arbeitsmarkt und Insolvenzen: Frühindikatoren trüben sich ein

Am Arbeitsmarkt kommen konjunkturelle Impulse laut BMWE bislang kaum an. Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit verharrte im Februar in etwa auf Vormonatsniveau, während die Zahl der Erwerbstätigen im Januar um 13.000 zurückging. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im Dezember zwar leicht um 5.000, insgesamt bleibt die Arbeitskräftenachfrage jedoch verhalten. Frühindikatoren wie das IAB-Beschäftigungsbarometer fielen im Februar auf 99,5 Punkte und damit erstmals seit einem halben Jahr unter die neutrale Schwelle von 100 Punkten.

In der Industrie und im Handel deuten die Zeichen laut Bericht weiterhin auf Stellenabbau, während im Bauhauptgewerbe ein leichter Aufbau erkennbar sei. Auch das ifo Beschäftigungsbarometer gab einen Teil des Vormonatsanstiegs wieder ab, besonders im Dienstleistungssektor trübten sich die Perspektiven ein. Kurzarbeit ging im Dezember nach vorläufigen Daten deutlich zurück, die angezeigte Kurzarbeit dürfte im Februar wieder nahe dem Niveau zum Jahresende 2025 liegen. Eine Trendwende am Arbeitsmarkt sei damit aktuell nicht absehbar.

Bei Unternehmensinsolvenzen bleibt das Niveau hoch, zum Jahresende 2025 stiegen die beantragten Verfahren deutlich. Nach amtlicher Statistik wurden im Dezember 2025 2.037 Insolvenzen beantragt, das waren 13,5 Prozent mehr als im November und 13,7 Prozent mehr als im Dezember 2024. Im Gesamtjahr 2025 wurden 24.064 beantragte Insolvenzen registriert, ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der aktuellere IWH-Insolvenztrend meldete für Februar 1.466 Insolvenzen, plus 5 Prozent zum Vormonat, zudem stieg die Zahl der betroffenen Beschäftigten auf 23.000 und lag damit deutlich über dem Vorjahreswert.

Wir berichteten zuvor über die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran und die Sorge, dass Störungen in der Straße von Hormus die weltweite Ölversorgung beeinträchtigen könnten. In unserem Beitrag ging es auch um die Forderung nach internationaler Unterstützung zur Absicherung der Route sowie den sprunghaften Anstieg der Ölpreise angesichts wachsender Eskalationsrisiken.

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