Berlin plant Tourismusanreize gegen Müllproblem

Berlin plant Tourismusanreize gegen Müllproblem
Tourismus gegen Müll

Nach Angaben der Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey soll noch vor Pfingsten das Tourismuskonzept „BerlinPay“ vorgestellt werden, mit dem Besucher im Sommer Abfälle aus der Spree sammeln und dafür Gutscheine erhalten können. Der Vorstoß ist Teil einer breiteren Strategie des Senats gegen Vermüllung in der Hauptstadt. Hintergrund sind steigende Entsorgungskosten und der politische Druck, das Stadtbild für Einwohner und Besucher zu verbessern.

Höhepunkte

  • Berlin plant vor dem Sommer ein Tourismusmodell nach Kopenhagener Vorbild mit Vergünstigungen für umweltfreundliches Verhalten und sucht dafür Kooperationspartner.
  • Seit Ende 2023 gelten in Berlin höhere Bußgelder für Müllverstöße, etwa 250 Euro für einen Einwegbecher, parallel werden die Müll-Sheriffs auf 68 Einsatzkräfte aufgestockt.
  • Die Berliner Stadtreinigung gab 2025 rund 13 Millionen Euro für illegale Abfälle aus, während eine diskutierte Verpackungssteuer Zusatzeinnahmen von 20 bis 30 Millionen Euro bringen könnte.

Tourismuskonzept und weitere Maßnahmen vor dem Sommer

Das geplante Modell orientiert sich an Kopenhagen, wo Touristen bereits mit Vergünstigungen für umweltfreundliches Verhalten belohnt werden. In Berlin werden dafür derzeit Kooperationspartner gesucht, die Reinigungsaktionen an und auf Gewässern begleiten. Die Stadt verbindet damit zwei Ziele, günstigere Angebote für Gäste und eine sichtbar sauberere Hauptstadt.

Neben „BerlinPay“ diskutiert der Senat zusätzliche Instrumente zur Müllbekämpfung. Dazu zählt ein beschleunigter Personalaufbau bei den sogenannten Müll-Sheriffs. Außerdem bleibt eine Verpackungssteuer im Gespräch, nachdem Potsdam eine solche Abgabe ab Juli für rund 650 Gastronomiebetriebe einführt.

Höhere Bußgelder und Ausbau der Kontrollen in den Bezirken

Bereits seit Ende vergangenen Jahres gelten in Berlin höhere Bußgelder für Müllverstöße. Ein weggeworfener Einwegbecher kostet nun 250 Euro statt zuvor 55 Euro, nicht entsorgter Hundekot beginnt bei 80 Euro. Der Senat setzt damit auf stärkere Abschreckung bei alltäglichen Verstößen im öffentlichen Raum.

Parallel bauen alle zwölf Bezirke ihre Kontrollteams in den kommenden Wochen auf insgesamt 68 Müll-Sheriffs aus. Diese Einsatzkräfte ahnden vor allem kleinere Delikte wie weggeworfene Kippen oder Tüten. In besonderen Hotspots, etwa in Neukölln, überwachen spezialisierte Teams wiederkehrende illegale Ablagerungen und suchen nach Hinweisen auf die Verursacher.

Kosten, Einnahmen und Widerstand aus der Wirtschaft

Die wirtschaftliche Dimension des Problems ist erheblich. Die Berliner Stadtreinigung musste 2025 allein 13 Millionen Euro für die Entsorgung illegal abgelagerter Abfälle ausgeben. Befürworter einer Verpackungssteuer verweisen zudem auf mögliche Zusatzeinnahmen von 20 bis 30 Millionen Euro.

Aus der Wirtschaft kommt jedoch Widerstand gegen neue Abgaben. Die IHK Berlin warnt vor zusätzlicher Bürokratie im Gastgewerbe und bezweifelt den nachweisbaren Lenkungseffekt solcher Steuern in anderen Städten. Stattdessen sieht sie attraktivere Pfand- und Mehrwegsysteme als wirksameren Ansatz für die Abfallvermeidung.

Wir berichteten zuvor über die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel, die Kraftstoffe für zwei Monate spürbar verbilligen sollte. Im Mittelpunkt standen dabei auch die geplante Gegenfinanzierung sowie der damals noch offene Streit um eine mögliche Übergewinnsteuer und die wirtschaftspolitische Linie der Koalition.

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