Deutschland-Energiedebatte rückt Kernenergie nach von der Leyen-Vorstoß in den Fokus
Die Debatte über Deutschlands künftige Energieversorgung gewinnt mit neuen Warnungen zur Importabhängigkeit an politischem Gewicht. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verknüpft die aktuelle Krisenlage mit einem Plädoyer für einen breiteren Energiemix aus erneuerbaren Quellen und Kernenergie.
Höhepunkte
- Von der Leyen fordert in Berlin einen stärkeren Ausbau von erneuerbaren Energien und Kernenergie, um Europas Unabhängigkeit von fossilen Importen zu erhöhen.
- Europa zahlte laut von der Leyen seit Beginn der Nahost-Krise 27 Milliarden Euro mehr für Gas- und Ölimporte, ohne zusätzliche Energiemengen zu erhalten.
- Unionsfraktionschef Jens Spahn erhält durch von der Leyens Aussagen Rückenwind für die Forderung nach Wiederinbetriebnahme deutscher Kernkraftwerke und einer Hightech-Offensive.
Energiepolitik und Aussagen in Berlin
Wie BILD.de berichtet, spricht von der Leyen zu Beginn der Tagung der CDU/CSU-Fraktionsspitzen in Berlin-Schöneberg von einer wachsenden Verwundbarkeit durch Europas Abhängigkeit von importierter fossiler Energie. Sie verweist darauf, dass Europa innerhalb von vier Jahren die zweite Energiekrise erlebt, nach dem Ausfall russischer Gaslieferungen 2022 nun unter dem Druck der Lage an der Straße von Hormus.Nach ihren Angaben zahlt Europa seit Beginn der Nahost-Krise 27 Milliarden Euro mehr für Gas- und Ölimporte, ohne zusätzliche Energiemengen zu erhalten. Daraus leitet sie die Forderung ab, die in Europa selbst erzeugte Energie stärker auszubauen, um wirtschaftliche Stabilität, bezahlbare Preise und größere Unabhängigkeit zu sichern.
Von der Leyen nennt dabei eine Kombination aus erneuerbaren Energien und Kernenergie als Modell, auf das mehrere europäische Staaten wie Finnland und Schweden setzen. Besonders große Hoffnungen verbindet sie mit kleinen modularen Reaktoren, an denen auch Japan, Kanada, UK und Südkorea intensiv arbeiten und bei denen die EU-Kommission mehr Engagement der Mitgliedstaaten anstrebt.
Folgen für die deutsche Industrie- und Standortpolitik
Die Aussagen treffen in eine deutsche Debatte, in der Versorgungssicherheit, Energiekosten und industrielle Wettbewerbsfähigkeit wieder enger zusammenrücken. Jede in Europa produzierte Kilowattstunde stärkt aus Sicht von der Leyens die Planbarkeit für Unternehmen und begrenzt die Risiken externer Schocks bei Öl- und Gasimporten.Politisch stützen die Äußerungen den Kurs der Union, die bei ihrem Treffen in Schöneberg auch eine Hightech-Offensive für Deutschland beschließen will. Dazu gehört nach dem Text die Forderung, dass das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland entstehen soll.
Für Unionsfraktionschef Jens Spahn bedeuten die Aussagen zusätzlichen Rückenwind. Er bringt unter Verweis auf neue Machbarkeitsstudien auch eine Wiedereröffnung der von der früheren Ampel-Regierung abgeschalteten Kernkraftwerke ins Spiel.
In unserem früheren Artikel zum Preisdruck im deutschen Energiemarkt durch den Iran-Krieg haben wir gezeigt, wie schnell steigende Beschaffungskosten die Gas- und Stromtarife für Haushalte nach oben treiben können. Im Mittelpunkt standen die deutlich höheren Neukundenpreise bei Gas und Strom sowie der Hinweis, dass sich das Gaspreisniveau wieder der früheren Gaspreisbremse annähert. Zudem haben wir erläutert, warum über den europäischen Strommarkt (Merit-Order) teureres Gas zusätzlich den Strompreis belastet.
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