Der Anleihemarkt erwartet anhaltend hohe Renditen, selbst nach dem Ende des Iran-Kriegs

Der Anleihemarkt erwartet anhaltend hohe Renditen, selbst nach dem Ende des Iran-Kriegs
Staatsanleihen preisen eine härtere Warsh-Fed ein

​Der US-Staatsanleihenmarkt setzt nicht mehr auf eine schnelle geldpolitische Lockerung durch die Federal Reserve. Nach der Ernennung von Kevin Warsh zum Fed-Vorsitzenden preisen Investoren nun ein Szenario ein, in dem die Renditen auch nach dem Ende des Krieges mit Iran erhöht bleiben.

Höhepunkte

  • Der Markt für US-Staatsanleihen preist keine schnellen Zinssenkungen der Fed mehr ein.
  • Die Ernennung von Kevin Warsh hat die Erwartungen an eine entschlossenere Anti-Inflationspolitik verstärkt.
  • Der Krieg mit Iran hat die Energiepreise erhöht und den Druck auf die Verbraucherpreise verstärkt.
  • Die Futures lassen nun bis Ende 2026 eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte zu.

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Anleihen bewerten die Fed neu

Kevin Warsh hat sein Amt als Vorsitzender des Board of Governors der Federal Reserve am 22. Mai 2026 offiziell angetreten; seine vierjährige Amtszeit läuft bis zum 21. Mai 2030. Er wurde außerdem Vorsitzender des Federal Open Market Committee, das die US-Zinspolitik festlegt.

Für die Märkte bedeutet dies einen Wandel der Erwartungen. Laut Bloomberg setzen Anleger in US-Staatsanleihen nun darauf, dass Warsh zunächst die Anti-Inflations-Glaubwürdigkeit der Fed verteidigen wird, anstatt politischem Druck für niedrigere Zinsen nachzugeben. Die Federal Funds Futures deuten jetzt auf die Möglichkeit einer Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt bis Ende 2026 hin.

Das ist eine deutliche Kehrtwende gegenüber Jahresbeginn, als die Märkte noch über den Zeitpunkt künftiger Zinssenkungen diskutierten. Die zentrale Frage hat sich nun verschoben: Nicht mehr, wann die Fed mit Zinssenkungen beginnt, sondern wie lange sie die finanziellen Bedingungen straff halten muss.

Der Iran-Schock könnte nicht schnell abklingen

Der Konflikt im Nahen Osten ist zum wichtigsten externen Faktor für steigende Inflationsrisiken geworden. Der Präsident der Richmond Fed, Thomas Barkin, sagte, die US-Wirtschaft habe eine Reihe von Angebotsschocks erlebt – von der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine über Zölle bis hin zum aktuellen Konflikt in der Region. Laut ihm werden die höheren Benzinpreise bereits von Treibstoffzuschlägen, höheren Flugpreisen, Transport- und Verpackungskosten sowie Engpässen oder eingeschränkter Verfügbarkeit einiger Güter wie Düngemittel und Aluminium begleitet.

Barkin wies darauf hin, dass die Gesamtinflation laut PCE im März im Jahresvergleich auf 3,5 % gestiegen ist, während die Kerninflation 3,2 % erreichte. Die Inflation liegt seit mehr als fünf Jahren über dem 2 %-Ziel der Fed, was Fragen zur bisherigen Praxis der Notenbank aufwirft, vorübergehende Angebotsschocks zu ignorieren.

Selbst wenn die geopolitischen Spannungen nachlassen, könnte der Preiseffekt anhalten. Barkin warnte, dass die Folgen von der Dauer des Konflikts und der Zeit zur Wiederherstellung der Lieferketten abhängen. Er sagte außerdem, dass die Benzinpreise selbst nach der Wiederöffnung der Straße von Hormus noch Monate brauchen könnten, um zu sinken.

Ein neuer Preis für Risiko an den Märkten

Erhöhte Renditen von US-Staatsanleihen verändern die Bedingungen in allen Anlageklassen. Für Aktien bedeuten sie einen höheren Abzinsungssatz für künftige Gewinne, insbesondere in teuren Technologiesegmenten. Für Unternehmen bedeuten sie teurere Schulden. Für Verbraucher steigt der Druck durch Hypotheken, Autokredite und Kreditkarten.

Die entscheidende Kennzahl für die Fed ist nun nicht nur das Zinsniveau, sondern die Persistenz der Inflation: 3,5 % Gesamt-PCE, 3,2 % Kern-PCE und mehr als fünf Jahre über dem 2 %-Ziel. Sollte Warsh zu dem Schluss kommen, dass der Inflationsanker schwächer wird, könnte sich der Anleihemarkt auf ein neues Regime einstellen: Die Renditen bleiben nicht wegen des Krieges hoch, sondern weil Investoren erwarten, dass die Fed wiederholten Schocks entschlossener begegnet als in der Vergangenheit.

Wir berichteten außerdem, dass die Ölpreise bei Fortschritten in den US-Iran-Gesprächen gefallen sind.

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