Der Erdgasmarkt zeigt derzeit ein gemischtes Bild. In den USA sind die Futures zuletzt in den Bereich von 2,72–2,68 USD/MMBtu gefallen und markieren damit ein lokales Tief, das durch hohe Lagerbestände und mildere Wetterbedingungen belastet wird. Dennoch liegen die Preise auf Monatsbasis rund 5,9 % im Plus.
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Im Vergleich zum Vorjahr bleibt Erdgas jedoch deutlich schwächer und notiert etwa 22–23 % niedriger.
Was die Preise bewegt
Der wichtigste kurzfristige Preistreiber bleibt das Zusammenspiel aus Wetterbedingungen, Lagerbeständen und LNG-Exporten. Der jüngste EIA-Bericht zeigte für die Woche bis zum 15. Mai eine Einspeicherung von 101 Bcf – über den Markterwartungen und dem Fünfjahresdurchschnitt für diesen Zeitraum. Zusätzlicher Druck kam durch saisonale Wartungsarbeiten an US-LNG-Exportterminals, wobei die Zuflüsse zu Exportanlagen im Mai auf etwa 17,0 bcfd von 18,8 bcfd im April zurückgingen. Teilweise ausgeglichen wurde dies durch Berichte, dass die ersten US-LNG-Lieferungen nach China seit Februar 2025 im Juni erwartet werden, was die Exportnachfrage stützen könnte.
Geopolitik und LNG
Auf der bullischen Seite bleibt der Markt äußerst sensibel gegenüber Entwicklungen im Nahen Osten. Laut IEA dürfte der globale LNG-Markt bis 2030 angespannt bleiben, während zwischen 2026 und 2030 rund 120 bcm an Angebot potenziell vom Markt verschwinden könnten. Das ist relevant, da jede Eskalation in der Region die Nachfrage nach US- und atlantischem LNG rasch steigen lässt und sowohl Henry Hub als auch europäische TTF-Preise stützt. Insofern erscheint die aktuelle Schwäche der Gaspreise eher als temporäre Pause in einem strukturell engeren und nervöseren Marktumfeld denn als nachhaltige Baisse.
Was als Nächstes zählt
In den kommenden Wochen stellt sich die Frage, ob die US-Kühlnachfrage stark genug ist, um die hohen Lagerbestände auszugleichen, und ob sich die LNG-Exporte nach den Wartungsarbeiten weiter erholen. In Europa bleibt der Fokus zudem auf den Auffüllraten der Speicher und der Stabilität der Importströme, einschließlich russischer LNG-Lieferungen, die Berichten zufolge von Januar bis April 2026 zugenommen haben. Praktisch bleibt Erdgas ein Markt, in dem kurzfristige Preisschwankungen stark von Wetter und Lagerdaten beeinflusst werden, während mittelfristige Unterstützung weiterhin von begrenztem LNG-Angebot und geopolitischen Risiken ausgeht.
Kurzfristiger Ausblick
Die Erholung vom gestrigen Tief wird derzeit durch einen Widerstand bei etwa 2,84 begrenzt. Darunter überwiegt das Risiko eines erneuten Tests der Zone 2,72–2,68. Ein Bruch unter diese Unterstützungszone könnte eine Bewegung in Richtung 2,62–2,60 auslösen. Wie bereits in Natural gas declines as cooler weather pressures prices erwähnt, könnten Käufer bei stärkeren Rücksetzern aktiver werden.
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